Selbst Hilfsgüter in die Ukraine zu bringen, traut sich Viktor Jede nicht zu. Den Vorsitzenden des Stadtteilvereins Finow, der 1991 aus Kasachstan nach Eberswalde kam, nimmt der russische Angriff auf das Nachbarland emotional viel zu stark mit. „Der Bruderkrieg in Europa ist das Furchtbarste, was uns im 21. Jahrhundert passieren konnte“, sagt er. Der Wahl-Finower wollte aber auch nicht einfach nur vor dem Fernseher sitzen und die schrecklichen Bilder von den Kampfhandlungen und von den Menschen in Not auf sich wirken lassen.

Stadteigener Vermieter hilft

„Wir machen stattdessen das, was unsere größte Stärke ist“, betont Viktor Jede und bezieht dabei seine Mitstreiter vom Vereinsvorstand mit ein. Im Eiltempo haben die Macher aus Finow eine großangelegte Spendenaktion aus dem Boden gestampft, die in ganz Eberswalde ihres Gleichen sucht. Und werden dabei von der stadteigenen Wohnungsbau- und Hausverwaltungs GmbH (WHG) unterstützt, die Mitglied im Stadtteilverein Finow ist und umgehend eine leerstehende Gewerbeimmobilie zur Verfügung gestellt hat.
Seit dem 8. März gibt es an der Heegermühler Straße 30 in Eberswalde eine zentrale Sammelstelle für die humanitäre Ukraine-Hilfe, die der Stadtteilverein und die WHG gemeinsam ermöglichen.

Weitere Annahmestellen für Spenden

Der 60 Quadratmeter große Laden dürfte in der Barnimer Kreisstadt vielen noch als Firmensitz von Taxi-Schenk bekannt sein. Jetzt werden dort Spenden aller Art entgegengenommen, die für in Eberswalde und im Barnim eintreffende Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet und für Hilfstransporte in die Ukraine bestimmt sind. „Die Verantwortlichen der WHG haben keine Sekunde lang gezögert, als wir sie um logistische Unterstützung baten“, sagt Viktor Jede. Dass die zentrale Sammelstelle überhaupt eingerichtet werden musste, sei so etwas wie ein Akt der Notwehr gewesen, hebt der Vorsitzende des Stadtteilvereines Finow hervor. Denn die Spendenbereitschaft sei in Eberswalde derart groß, dass etliche Mitgliedsunternehmen schnell in Platznot geraten waren. „Allein bei mir wurden so viele Pakete abgegeben, dass ich innerhalb weniger Stunden meinen Laden kaum noch betreten konnte“, betont Viktor Jede, der an der Altenhofer Straße 83 im Eberswalder Stadtteil Finow ein Ersatzteile-Center betreibt. Dort und obendrein bei Augenoptiker Reino Fischer an der Dorfstraße 2 in Finow würden auch weiterhin Spenden entgegengenommen, fügt der Vereinsvorsitzende hinzu.

Obus-Haltestelle direkt vor der Tür

Die neue Sammelstelle an der Heegermühler Straße 30 in Eberswalde befindet sich gegenüber dem Westendkino und ist bestens mit dem Obus erreichbar. Eine Haltestelle befindet sich direkt vor der Tür. Die Mitglieder des Stadtteilvereins Finow und weitere Helfer sichern die Öffnungszeiten ab, die montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 18 Uhr lauten.

Frankfurt (Oder)/ Cottbus

Willkommen seien aktuell vor allem Hygieneartikel aller Art, nicht verschreibungspflichtige Medikamnente, Verbandsmaterialien und Desinfektionsmittel. „Bekleidung wird eher nicht benötigt. Allerdings sind warme Kindersachen gefragt“, hat Viktor Jede über seine zahlreichen Kontakte in die Ukraine in Erfahrung gebracht. Und vor allem die Kinder unter den Flüchtlingen würden sich riesig über Schokolade freuen.

Mietfreie Nutzung vorerst bis Ende April

Der Vorsitzende des Stadtteilvereines Finow ist nahezu deutschlandweit bestens vernetzt. „Ich erfahre, wann und wo Hilfskonvois in die Ukraine gestartet werden und sorge dann dafür, dass auch unsere Spenden mitgenommen werden“, sagt er.
Die zentrale Sammelstelle an der Heegermühler Straße 30 in Eberswalde kann von den Organisatoren der Spendenaktion fürs Erste bis Ende April in Anspruch genommen werden – und dies mietfrei. „Wenn wir die Aktion zeitlich verlängern müssen, ist auch das kein Problem“, sagt Viktor Jede.
Wer außerhalb der Öffnungszeiten Spenden vorbeibringen will, wird gebeten, den Vereinsvorsitzenden vorab telefonisch zu benachrichtigen. Das ist unter der Rufnummer 0171 7677001 möglich.
In der zentralen Sammelstelle werden nicht nur Kartons in Empfang genommen. Überdies sortieren die Helfer die abgegebenen Spenden und beschriften die Pakete, auf dass es beim Verteilen in der Ukraine keine Schwierigkeiten gibt.