Saubere Stadt: Kompromiss bei Hundekottüten

Hier bitte nicht! Hinweisschild wie dieses an der Robert-Koch-Straße gibt es in Eberswalde genug.
Thomas BurckhardtDie 2600 in der Barnimer Kreisstadt angemeldeten Hunde hinterlassen pro Jahr zwischen 950 000 und 1,4 Millionen Häufchen – abhängig davon, wie häufig sie zum Gassigehen geführt werden und wie oft sie dabei ihr großes Geschäft erledigen.
Diese Schätzung hat Eberswaldes Ordnungsamtsleiter Uwe Birk im Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt abgegeben und mit seinen weiteren Ausführungen in eine Debatte eingegriffen, die von der Bürgerfraktion Eberswalde angestoßen worden war. Deren Mitglieder stören sich daran, dass „in weiten Teilen der Stadt und zunehmend im Stadtwald“ die häufig benutzten Hundekotbeutel aus Plastik durch Halter wild entsorgt würden. „Der Hauptkritikpunkt am bisherigen System ist, dass jede ursprünglich organische Hinterlassenschaft in einer Plastiktüte zur Umweltsünde wird, die Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte benötigt, um restlos zu verrotten“, hatte der Fraktionsvorsitzende Götz Herrmann den Antrag an die Stadtverwaltung begründet, überprüfen zu lassen, ob es machbar wäre, in Eberswalde nachhaltig kompostierbare Hundekotbeutel oder Hundekotkartons einzuführen und welche Mehrkosten dabei entstehen würden.
Obwohl der Prüfauftrag bislang nur vorgeschlagen und vom Stadtparlament damit noch gar nicht erteilt worden war, ist Uwe Birk bereits aktiv geworden.
Aktuell ordere die Verwaltung pro Jahr 600 000 Tüten aus frisch hergestelltem Plastik und zahle dafür rund 5500 Euro. Die Kosten könnten nach Einschätzung des Ordnungsamtsleiters förmlich explodieren, wenn stattdessen Behältnisse aus kompostierbarem Material angeschafft würden. Selbst ein sechsstelliger Betrag wäre dann nicht ausgeschlossen. „Dabei gibt es in der Fachwelt Zweifel daran, dass die Beutel oder Kartons tatsächlich kompostierbar sind“, sagte Uwe Birk. Sogar beim Bundesumweltamt und zuvor bei der Barnimer Dienstleistungsgesellschaft habe er nachgefragt und bestätigt bekommen, dass der Inhalt der Tüten sowieso in den Restmüll gehöre und nicht als Bioabfall entsorgt werden dürfe. „Wir testen gerade den Einsatz von Tüten, die aus recyceltem Plastik hergestellt wurden“, teilte der Ordnungsamtsleiter mit. Die Umweltbilanz dieses Materials sei zwangsläufig besser als die neu produzierten Plastiks. Am Ende gehörten die Hinterlassenschaften aber dennoch in den Restmüll. Für diese Tüten müsste Eberswalde 12 000 Euro zahlen.
Die Bürgerfraktion hat ihren Prüfauftrag zurückgezogen.
