Der Einbau gilt als anspruchsvoll. Vor allem wegen der beengten Verhältnisse. Der Baukörper des Hebewerkes ist fertig. Das 40 Tonnen schwere Element, hinzu kommt eine sechs Tonnen schwere Hilfskonstruktion, muss über dem Drehsegmenttor zwischen den Pylonen hindurch manövriert werden und gewissermaßen im Keller des Bauwerkes zentimetergenau abgesetzt werden. Präzisionsarbeit also.
Letzter Kraneinsatz am Schiffshebewerk

Bildergalerie Letzter Kraneinsatz am Schiffshebewerk

Der 500-Tonnen-Mobilteleskopkran für die Montage war nachts auf die Baustelle transportiert und am Dienstag aufgebaut worden. "Heute morgen traf dann der zweite, ein 100-Tonnen-Kran hier ein", so Winter, der für das Wasserstraßen-Neubauamt (WNA) Berlin vor Ort die Arbeiten begleitet und überwacht.

Baufreiheit geschaffen

Um 9.45 Uhr hängt der graue, u-förmige Rahmen, der in Frankreich hergestellt wurde, am Haken. Zur Stabilisierung für den Einhub ist der Rahmen zusätzlich an zwei Punkten an der sogenannten Traverse "angeschlagen". Deshalb die Hilfskonstruktion und der zweite Kran. "Jetzt wird alles noch mal justiert", kommentiert Winter die Arbeiten aus etwas Entfernung.
Für den Einbau des unteren Andichtrahmens, der den Trog gegen den Kanal sichert, war kürzlich bekanntlich der Trog das erste Mal bewegt und fast in die oberste Position gehievt worden. Mit der erfolgreichen Trogfahrt wurde sozusagen Baufreiheit für diesen Schritt geschaffen. "Sonst käme man an die Stelle dort unten gar nicht ran", macht Winter deutlich. Sei der 14,70 Meter breite und 6,45 Meter hohe Rahmen eingebaut, werde der untere Haltungsabschluss komplettiert. Antriebsmotore, das eigentliche Dichtungsband. Feinjustierung. Dann der erste Trockentest.
Parallel laufe aktuell die Inbetriebnahme des oberen Sicherheitstores. "Im Nassen", wie der Projektleiter sagt. Im trockenen Zustand, also ohne Wasser im Vorhafen, war dieser Teil bereits im Sommer 2015 geprüft worden. So gingen jetzt Schritt für Schritt alle Baugruppen "ans Netz".

Unterer Vorhafen fast fertig

Auch der untere Vorhafen ist unterdessen wasserbauseitig fast fertiggestellt. Es folgt die Gestaltung der Außenanlagen. Ziel sei es, diesen Bauabschnitt, der separat vergeben worden war, im Sommer abzunehmen. Etwa gleichzeitig werden die Tests für die Trog- und Kanaltore laufen. Nach Probelauf der Antriebe werden die Gegengewichte noch einmal justiert. Um sicherzustellen, dass der Trog absolut waagerecht "hängt". Dabei käme es auf Millimeter und jedes Kilogramm an. "Bezogen auf das Gesamtgewicht können wir aber jetzt schon sagen, dass es auf einen Zentimeter genau passt."
Im Spätsommer, nach aktuellem Stand im August, soll dann die komplette Maschine, also das neue Schiffshebewerk den Probebetrieb aufnehmen, hatte WNA-Chef Rolf Dietrich jüngst erklärt. Vorgesehen seien dabei bis zu 500 Trogfahrten, um die Steuerung zu optimieren. Später soll das neue Hebewerk im Prinzip automatisch arbeiten. Gleichwohl: Die Mannschaft um Jörg Schumacher, die das alte Hebewerk bedient, muss natürlich geschult, in die neue Technik eingewiesen werden. Wegen der Corona-Pandemie musste der Lehrgang allerdings verschoben werden. Voraussichtlich soll er jetzt ebenfalls im Sommer bzw. Spätsommer erfolgen.
Gegen 12 Uhr ist es geschafft. Der riesige Andichtrahmen hat seine Position erreicht. Das letzte Maschinenbauteil ist drin. Klaus Winter und die Männer der Montagefirma atmen auf. Die Spannung löst sich.
Info: Der Parkplatz und die Tourist-Info im "Krafthaus" am alten Schiffshebewerk sind wieder geöffnet. Ausflügler können von unten alte und neue Technik bewundern.