Treidelfest 2025 in Niederfinow: Finowkanal wird Mittelpunkt für Boot und Pferde

Ein historischer Kaffenkahn aus dem Ziegeleipark Miltenberg. In früherer Zeit gehörten solche Schiffe zum Alltagsbild am Finowkanal.
Torsten Stapel- Beim Treidelfest in Niederfinow wird die historische Schiffszug-Tradition wiederbelebt.
- Zwei Mulis, Cobold und Casimir, ziehen den Kaffenkahn „Concordia“ über den Finowkanal.
- Diese Transportmethode war bis in die 1950er Jahre üblich und soll kulturelles Erbe bewahren.
- Das Familienprogramm am 5. Juli (10–18 Uhr) umfasst Bootsfahrten und weitere Aktivitäten.
- Veranstalter ist der Verein „Unser Finowkanal e.V.“ – Infos unter schiffshebewerk-niederfinow.com.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In der Ruhe liegt die Kraft – und Kraft braucht es, um so ein Schiff zu ziehen. Konkret die Kraft von zwei Mulis. Diese besonderen Tiere werden am Sonnabend (5. Juli) eine Tradition wieder zum Leben erwecken, die vor mehr als 100 Jahren Alltag rund um Eberswalde und Niederfinow war. Am Freitagnachmittag (4. Juli) gab es bereits einen kleinen Einblick in das Treideln.
Cobold und Casimir heißen die zwei Brüder, die für ihre Aufgaben extra aus Lychen gekommen sind. Die beiden sind Mulis, das ist eine Mischung aus Pferd und Esel. Ihre etwas übergroß erscheinenden Ohren drehen die Tiere lustig aussehend und aufmerksam in alle Richtungen, um sich zu orientieren und um irgendwelche Gefahren auszumachen.
„Die sind zäher als Pferde und schneller als Esel und verfügen über einen unterdrückten Fluchtinstinkt“, sagt Achim Rensch, der die beiden von klein auf kennt und daheim in Lychen mit ihnen Arbeiten wie Kutsch- und Kremserfahrten oder Holzrücken ausführt oder Kinder das Reiten probieren lässt. Der ältere der beiden, Casimir, kennt die bevorstehende Aufgabe schon, die es hier am Finowkanal zu meistern gilt – Treideln.
Hubbrücke am Finowkanal sorgt für kleine Irritation
Zunächst aber soll eine Kutsche gezogen werden, was einwandfrei funktioniert, aber vor der Hubbrücke in Niederfinow haben die Muli-Brüder Respekt und wollen lieber umkehren. „Die Tiere haben ihren eigenen Willen, gelegentlich muss man mit ihnen ‚diskutieren‘“, so Achim Rensch. Ein zweiter Versuch klappt mit gutem Zureden aber doch recht gut.
Es sind eben Tiere mit echten Instinkten, nicht virtuell, sondern sehr lebendig. So erfährt man nah und unmittelbar, was sie gerade beschäftigt und entwickelt ein gewisses Mitgefühl. An einer weidenden Kuhherde führt die Fahrt problemlos vorbei. Verwundert staunen sich Mulis und Rindviecher gegenseitig an.
Blaues Seil am Finowkanal
Am Einsatzort angekommen, wirft die Besatzung der „Concordia“ ein blaues Seil zum Ufer. Es ist mit dem einen Ende fast ganz oben am Mast des Kaffenkahn-Nachbaus befestigt.

Volkmar Ritter vom Verein Unser Finowkanal erläutert bei einer ersten Fahrt am Freitagnachmittag Zusammenhänge des Treidelns auf dem Kaffenkahn. Seine Steuerung kann bis zu 60 oder 70 Kilogramm an menschlicher Kraft benötigen.
Torsten StapelDas 19,8 Meter messende Schiff soll mit der Kraft der Zugtiere auf dem Finowkanal befördert werden. So war das historisch gesehen bis in die 1950er Jahre. In sogenannten Spannhäusern konnte man zu dieser Zeit bei den Bauern der Gegend die Arbeitstiere tauschen. Bei einer Geschwindigkeit von maximal 3 Kilometern pro Stunde war das nötig, weil lediglich Strecken zwischen 15 und 30 Kilometern am Tag zu bewältigen gingen.
Diese damals so selbstverständlich gelebte Art des Lastentransportes als kulturelles Erbe lebendig zu erinnern, haben sich die Leute vom „Unser Finowkanal e.V“ zur Aufgabe gemacht. Inzwischen ist das zweite Ende des Seiles am Geschirr des Mulis befestigt, und gleich darauf strafft es sich und die Fahrt beginnt. Lautlos und fast unmerklich gleitet der flache Kaffenkahn über das Wasser.
Leiser Fahrtwind auf dem Finowkanal
Kleine, von seinem Rumpf wegstrebende Wellen und die vorbeiziehende Landschaft verdeutlichen, dass das Schiff tatsächlich in Bewegung ist. Leise sirrt der Fahrtwind in der Vertäuung.
Das zweite Treidelfest am Sonnabend (5. Juli) in Niederfinow)
● Beginn ist um 10 Uhr. Rund um die Schiffshebewerke gibt es bis 18 Uhr ein buntes Familienprogramm.
● Herzstück der Veranstaltungen sind die Fahrten mit der Concordia auf dem Finowkanal. Auch das historische Salonboot Funtensee ist mit dabei. Dauer der Fahrt circa 45 Minuten.
● Alle Informationen rund um das Treidelfest unter schiffshebewerk-niederfinow.com/treidelfest/
Für Cobold ist der Job neu. Das Geräusch, welches das Zugseil erzeugt, während es über dem am Ufer befindlichen Schilf schleift, kommt ihm unheimlich vor. Isabell Jäger, die beim Verein gemeinsam mit Julia Rossow für die Tiere zuständig ist, spricht ihm beruhigend zu. Dann geht es.

