Jüdisches Leben in Eberswalde
Nach Begrüßung und Einführung wurde die Gruppe mit der Geschichte der Eberswalder Juden bekannt gemacht. Zunächst besuchte man einige Stolpersteine in der Nähe des Marktes. Seit 2013 wurden in Eberswalde 39 Stolpersteine für ehemalige jüdische Bewohner verlegt, um an ihr Schicksal zu erinnern. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde das jüdische Leben in der Stadt vernichtet und ausgelöscht. Viele Menschen wurden ermordet. Nur wenige haben den Holocaust überlebt. Die Jugendlichen, zumeist selbst mit einem jüdischen Hintergrund, berichteten von ihren Erfahrungen  mit Antisemitismus, der in Deutschland zunimmt.
Nach der Führung begab sich die Gruppe zum Neuen jüdischen Friedhof an der Freienwalder Straße.  Dieser Friedhof wurde 1911 von der jüdischen Gemeinde erworben, nachdem der Alte jüdische Friedhof an der Oderberger Straße zu klein geworden war und nicht erweitert werden durfte. Nach dem Krieg verfiel der Friedhof. Von den ehemaligen jüdischen Bewohnern war keiner zurückgekehrt. Mit der ausbleibenden Pflege stellte sich Vandalismus ein, Grabsteine wurden zerstört, der Friedhof wurde geschändet. In den 50er-Jahren entschied die Stadtverwaltung, das Gelände zu verkleinern und zu einem Gedenkplatz umzugestalten. Übrig gebliebene Grabsteine wurden an einem neuen Platz aufgestellt, umzäunt und als "Rest-areal" bezeichnet.  Der eigentliche Friedhof wurde ein wildes Stück Land, in dem Müll abgeladen wurde. Ellen Grünwald berichtete von der ursprünglichen Größe des Friedhofes, erzählte über das Schicksal  der dort Bestatteten. Einen jüdischen Friedhof kann man nicht umgestalten oder einebnen. Im jüdischen Glauben ist er ein ewiger Ort, von dem die Toten einst auferstehen werden. Also packten die Jugendlichen an und sammelten den über Jahre angesammelten Müll.
Es war ein beschämender Anblick, der sich dort bot. Bergeweise Unrat wurde aufgetürmt, der mit der Unterstützung der Friedhofsverwaltung entsorgt wurde. Am Ende sprachen die Jugendlichen das Kaddish – ein Totengebet für die Verstorbenen. Ein berührender und versöhnlicher Moment. Die Friedhofsaktion fand am 22. Juli, dem Geburtstag von Janusz Korczak, zum Gedenken an den großen Erzieher statt. Dieser Tag  war Tikkun Olam, der Verbesserung der Welt und guten Taten im Camp gewidmet.