Spurensuche erfolgreich
: 6 aus 55 – ein Riesengewinn für Eberswalde

Großes Staffelfinale bei Tatort Lücke
Von
Viola Petersson
Eberswalde
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Lücke Nr. 4: Im August ging es auf Spurensuche nach dem einstigen Kaiserbad.

Thomas Burckhardt

„Einfach genial“, „super spannend“, „sehr inspirierend“, „ganz großartig“, „tolle Resonanz“ oder „mitreißend“ – die Kritik ist durchweg positiv. Beim Gespräch zu Tatort Lücke am Donnerstagabend, dem letzten in der Reihe, waren sich Akteure, Partner, Geldgeber und Gäste in ihrem Resümee einig: Der Stadtkrimi, ein Projekt des Eberswalder Kanaltheaters und des Museums, es hat die Stadtgesellschaft bewegt. Die Idee der Partizipation ist nicht nur aufgegangen, sie hat die Erwartungen sogar zum Teil übertroffen. Die Abschlussperformance, das große Staffelfinale, steht zwar aus. Die eigentlichen Fälle um sechs Lücken im Stadtbild jedoch sind gelöst. Das geförderte Projekt steht vor seinem Abschluss.

Dabei: Lücken, heißt Vorschläge der Bürger, gibt es noch jede Menge. Immerhin waren 55 Ideen eingereicht worden. Was also lehrt der Fall? Was lernt etwa das Museum für seine Arbeit aus der ungewöhnlichen Kooperation und Umsetzung? Oder das Theater? Regisseurin Heike Scharpff zeigte sich vor allem davon beeindruckt, wie stark sich die Bevölkerung beteiligt hat. Es gebe offensichtlich eine „große Lust“ an Partizipation. Und an künstlerischen Formaten. Erstaunlich auch das große Interesse an konkreten stadtgeschichtlichen Themen. Das spannendste seien die „Gespräche mit den Eberswaldern“ gewesen, ergänzte Dramaturgin Katja Kettner. Obwohl das Theater schon immer stark interviewbasiert gearbeitet habe, war Tatort Lücke eine neue Erfahrung. „Manche haben uns ihre Lebensgeschichte erzählt. Wir haben so viel Material bekommen.“

All dies werde – wie natürlich auch die Inszenierungen – derzeit dokumentiert. In Form eines digitalen Wissensspeichers sowie eines Buches, so der Hinweis von Museumsleiterin Birgit Klitzke. Für ihre kleine Einrichtung mit gerade mal zweieinhalb Mitarbeitern sei Tatort Lücke eine „große Chance“ gewesen. Eine Chance, neue Wege der Erforschung von Stadtgeschichte zu erproben. Etwa in der Zusammenarbeit mit Schülern. Das Ergebnis, so ihre Einschätzung, spreche für sich. Die Fotos, die die Bürger zur Verfügung gestellt haben, würden zudem die Sammlung bereichern. Beispielsweise zum Thema Radrennbahn Finow. Ferner habe die Spurensuche über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung gefunden.

Als Erfolgsgeheimnis des Tatorts betrachtet Stefan Neubacher, bis vor kurzem Kulturamtsleiter in Eberswalde, den partizipativen Ansatz sowie die Symbiose von Theater und Museum. „Wir haben das Lückenlabor bewusst hier verortet.“ Die Eberswalder durften nicht nur Lücken vorschlagen, sondern dann auch jene auswählen, die „bespielt“ werden. „Was haben wir uns geärgert, dass Las Vegas nicht dabei war“, merkte Neubacher schmunzelnd an.

Das Lückenlabor bleibe zunächst bestehen, so Klitzke. Vielleicht könne es als „Sprechstunde“ fortgeführt werden, dachte Scharpff nach. Partizipation brauche einen Rahmen, so ihre Überzeugung. Vielleicht gelinge es auch, die Leidenschaft der Bürger zu nutzen und sie in die Erforschung von Sammlungsstücken des Museums einzubinden, so ihre Idee.

Abschlussperformance: 22. Februar, 18 Uhr, im Museum