Stadtkrimi
: Spuren, überall Spuren

Entführung, Explosion, Erinnerung – ein Jahr lang hat „Tatort Lücke“ Eberswalde auf Trab gehalten. Nun gab es das Finale.
Von
Marco Marschall
Eberswalde
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  • Tatort gucken mal anders: Zum Finale der Stadtkrimireihe haben sich am Freitag trotz Abendfrische viele Eberswalder vor der Bühne im Museumshof versammelt. Dort schlüpften die Mitglieder des Kanaltheaters noch einmal in ihre Rollen, ließen das Jahr Revue passieren und wurden von Live-Musik begleitet.

    Tatort gucken mal anders: Zum Finale der Stadtkrimireihe haben sich am Freitag trotz Abendfrische viele Eberswalder vor der Bühne im Museumshof versammelt. Dort schlüpften die Mitglieder des Kanaltheaters noch einmal in ihre Rollen, ließen das Jahr Revue passieren und wurden von Live-Musik begleitet.

    Thomas Burckhardt
  • Dankeschön für Lückenfüller: Im Museum konnten sich Spurensucher für ein Erinnerungsfoto samt schwarzem Beutel ablichten lassen.

    Dankeschön für Lückenfüller: Im Museum konnten sich Spurensucher für ein Erinnerungsfoto samt schwarzem Beutel ablichten lassen.

    Thomas Burckhardt
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Am Eingang des Museums erhalten die Besucher ein Quiz, für dessen Lösung sie nun eine Stunde zwischen den Exponaten stöbern dürfen. Das lassen sie sich nicht zweimal sagen. Immerhin gilt es, sich etwas aufzuwärmen, bevor es zum großen Finale in den Hof geht. Unter den Besuchern ist auch der 82-jährige Gerhard Fietz, seines Zeichens großer Anhänger von „Tatort Lücke“. Abgesehen von der Veranstaltung zum Kaiserbad war er bei jeder der insgesamt sechs dabei. „Die zum Mühlenteich und die Explosion im Gaswerk waren für mich am interessantesten. Aber auch die Rennbahn in Finow. Von der hatte ich vorher noch nie gehört“, sagt er.

Für alle, die die Reihe verpasst haben: Ein Jahr lang haben sich Kanaltheater und Museum im partizipativen Theaterprojekt „Tatort Lücke“ Orten gewidmet, die zum Teil zwar aus dem Stadtbild aber nicht aus den Köpfen der Bewohner verschwunden sind. Nach einem Aufruf wurden 55 solcher Lücken eingesandt. In Theaterperformances an sechs „Tatorten“ und Diskussionsabenden im Museum haben sich die Eberswalder auf Spurensuche begeben und ihr Wissen miteinander geteilt.

Das können sie auch weiterhin tun. Zum Finalabend wirbt die studentische Hilfskraft Tamina Jeschonnek unter dem Dach des Museums für den digitalen Wissensspeicher des Projekts. Auf der Internetseite tatortluecke.de/wissensspeicher finden Spurensucher einen Stadtplan, dessen Lücken sie weiterhin mit eigenem Wissen ergänzen können. Das gilt beispielsweise für die Möllersche Villa am Kupferhammerweg oder den alten Deutschen Friedhof, zu dem bisher nicht mehr als drei Sätze eingegangen sind. Insgesamt wurden zu allen Lücken 600 Dokumente gesammelt.

Den Startschuss zum Projekt hatte im Januar 2018 eine mysteriöse Entführung auf dem Marktplatz gegeben. Kanaltheathermitglied Patrick Meinhardt war in einen Opel gezerrt worden. Daraufhin tauchten Anna Siegenthaler und Kai Jahns als Spurensicherer sowie Cathrin Clift, Paula Thormann und Jan Noack als Lückendetektive auf und begleiteten fortan jede Performance. Wie es sich für einen Tatort gehört, natürlich mit eingängiger Titelmelodie. „Spuren, überall Spuren“, singen die Detektive auch am Freitag wieder mit gewohnt punkiger Live-Begleitung auf der Bühne im Museumshof. Dort taucht auch der Entführte wieder auf. Wohlbehalten, wenngleich das Motiv seines Verschwindens offen bleibt. Es scheint egal. Hauptsache alle haben mitgemacht. „Wissen ist kollektiv“ lautet das Codewort, das die Museumsgäste bei ihrem Rundgang ausgeknobelt haben. Bleibt noch die Frage zu klären, ob die Reihe fortgesetzt wird. Bürgermeister Friedhelm Boginski outet sich am Abend als Fan. „Vielleicht ist Tatort Lücke ja noch gar nicht zu Ende. Ich würde mich freuen“, sagt er.