Studie zu Mieten: Neubauwohnung noch bezahlbar?

Das derzeit größte und höchste Eberswalder Projekt in Sachen Mietwohnungsbau: In Westend entstehen gerade zwei Häuser mit insgesamt 71 Wohnungen. Im September sollen sie bezugsfertig sein. Bauherr Guido Ney investiert rund 14 Millionen Euro in den Standort.
Thomas BurckhardtEberswalde. Laut einer vom ARD-Magazin Panorama in Auftrag gegebenen Analyse können sich Millionen Haushalte Neubauwohnungen nicht leisten. Sie müssten zum Teil deutlich mehr als 27 Prozent ihres Nettoeinkommens aufwenden. In Berlin sogar gut 40 Prozent. Und im Barnim?
Wo Wohnen wenig kostet – während ein Möbelhaus mit diesem Slogan nach wie vor um Kunden wirbt, wissen Mieter längst, dass Wohnen nicht wenig kostet, sondern immer mehr. Erst recht, wenn sie auf der Suche nach einer neuen Wohnung sind. Die Mieten steigen. Absolut. Und: Auch der Anteil, den Haushalte für die Miete aufwenden müssen, wächst. Besonders in Großstädten ist dies laut der aktuellen Studie der Immobiliendatenfirma empirica-systeme, die bundesweit für Schlagzeilen sorgt, ein Problem. Wer sich in Berlin für eine Drei-Raum-Neubauwohnung interessiert, muss davon ausgehen, dass 41,3 Prozent des Nettoeinkommens für die Miete draufgehen. Für die Kaltmiete. 14 Euro pro Quadratmeter werden in der Hauptstadt verlangt.
Als Hauptkostentreiber bezeichnen die Autoren der Studie einerseits die steigenden Bodenpreise, andererseits die in die Höhe schnellenden Baupreise. Seit 2003 hätten sich die um 33 Prozent erhöht. Ein Problem, das auch Hans-Jürgen Adam, Geschäftsführer der Eberswalder Wohnungsgesellschaft WHG, kennt. „Bauen in Eberswalde ist nicht preiswerter als in Berlin“, erklärte er jüngst. Hinzu kämen unzählige neue Vorschriften und Verordnungen, die das Bauen immer teurer machen. Weshalb die WHG mit ihrem aktuellen Sanierungsvorhaben Bebel-Quartier in der Altstadt nach der Fertigstellung erstmals Mieten bei der Neuvermietung von mehr als zehn Euro aufrufen wird.
Gleichwohl stellt sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt zwischen Ahrensfelde und Oderberg noch moderater als etwa im Prenzlauer Berg oder in Zehlendorf dar. Zu den Zahlen: Laut der Studie müssten Barnimer Haushalte für eine Neubauwohnung 22,6 Prozent ihres Nettoeinkommens einsetzen (zum Vergleich: Uckermark 21 Prozent und MOL 25,3 Prozent). Also deutlich weniger als in Berlin. Und weniger als gemeinhin als akzeptabel gelten. Dies wäre eine Quote von 27 Prozent. Denn: Zur Nettokaltmiete kommen bekanntlich noch die Betriebskosten, häufig als zweite Miete bezeichnet, hinzu. Als durchschnittliche Kaltmiete für Neubauten haben die Tester für den Barnim einen Wert von 9,72 Euro/qm ermittelt.
Was sich mit Ankündigungen privater Bauherren deckt. So spricht Guido Ney, der in Eberswalde-Westend gerade 71 Wohnungen errichtet, von Mietpreisen zwischen acht und 9,50 Euro. Für das Projekt „Waldquartier“, für das in Bernau-Friedenstal soeben der Grundstein gelegt wurde, werden Mieten von etwa zehn Euro avisiert.
Laut Untersuchung könnte sich im Barnim, wie auch in den benachbarten Landkreisen, ein durchschnittlicher Haushalt (Nettoeinkommen ca. 2375 Euro) immerhin noch das Gros der Neubauwohnungen leisten. Der Anteil der „zu teuren“ Wohnungen läge unter 33 Prozent. In Berlin würden bereits mehr als 66 Prozent der Wohnungen das Budget eines Durchschnittshaushaltes überfordern. In Brandenburg an der Havel sogar 90 Prozent. Heißt im Umkehrschluss: Die meisten Wohnungssuchenden finden dort im Sektor Neubau keine bezahlbare Wohnung.
Trotz der vergleichsweise noch günstigen Lage: Auch im Barnim müssen Mieter tiefer in die Tasche greifen. Dies ist dem „Marktmonitor 2018“ des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) zu entnehmen. So ist die Bestandsmiete 2017 im Kreis von 5,18 auf 5,32 Euro gestiegen.
Verband legt Marktbericht vor
■ Der BBU hat soeben den „Marktmonitor 2018“ veröffentlicht. Dieser bildet u. a. die Entwicklung der Mieten in Berlin und Brandenburg ab. Und zwar kreisscharf.
■ In Bernau liegt die Bestandsmiete (Ende 2017) bei durchschnittlich 5,47 Euro/qm (mit einer Spanne von 4,80 bis 7,80 Euro). In Eberswalde müssen Bestandsmieter im Schnitt etwas weniger zahlen: 5,23 Euro/qm (von 4,50 bis 6,80 Euro).
■ Die Leerstandsquote hat sich 2017 kreisweit von 8,8 Prozent auf 7,5 Prozent reduziert. In Eberswalde liegt sie mit etwa zehn Prozent jedoch nach wie vor überproportional hoch.
■ Stärker als die Bestandsmieten seien die „Neuvertragsmieten“ gestiegen. Bei Neuvermietung (ohne Erstvermietung) verlangen Vermieter im Barnim (Ende 2017) 5,97 Euro/qm. Dies sei gegenüber dem Vorjahr ein Plus von immerhin 5,7 Prozent. Bernau steht mit einer Durchschnittsmiete von 5,92 Euro/qm (Spanne 4,90 bis 8,56 Euro), Eberswalde mit 5,98 (von 4,50 bis 7,60 Euro) zu Buche. Was bedeutet: Vermieter nutzen einen Mieterwechsel, um sogleich die Miete zu erhöhen.
⇥Quelle: BBU