Sanftes Katzenschnurren und leises Hundewinseln. Das sind Geräusche, die sorgen nicht nur bei Kindern für Aufregung – auch manch Erwachsener ist sofort verzückt. Besonders dann, wenn es auch noch das Weihnachtsgeschenk von einem Liebsten ist.
Für viele Eltern und Familienmitglieder gestaltet sich das Finden vom passenden Geschenk manchmal etwas schwieriger und es liegt am Ende doch nicht das brandneue Rennrad unter dem Weihnachtsbaum. Problematisch wird es jedoch, wenn Tiere verschenkt werden. Eine liebe Idee, die Kinderaugen auf jeden Fall zum Glänzen bringen, aber für mehrere Tiere auch gleichzeitig ein bitteres Ende bedeuten. Laut dem Landestierschutzverband Brandenburg, enden viele von ihnen wieder im Tierheim.
„Das ist Medienente. Ein Mythos“, so Karin Nicodem, Leiterin des Tierheims in Werbellin. Sie vermittelt und arbeitet mit Tieren seit gut 31 Jahren. Die Rückgeberquote in ihrem Tierheim liegt bei circa ein Prozent. Eine Zahl, auf die sie sehr stolz ist. „Wir sind sehr streng mit unserer Vermittlung“, fügt sie hinzu und wie viele andere Tierheime haben auch sie einen Vermittlungsstopp vor und über Weihnachten hinweg – um eben genau solch unbedachte Weihnachtsgeschenke zu verhindern. Nicodem gibt auch zu, dass gerade ihre strenge Vermittlung dem Tierheim nicht immer positives Feedback einholt. Zum Wohl der Tiere nimmt sie dies aber gerne in Kauf.

Wenn Welpen nicht mehr niedlich sind, tritt Überforderung ein

Ein Haustier zu haben bedeutet, Verantwortung für dieses Lebewesen zu tragen. Kinder können dieser Verantwortung nicht immer nachkommen und Eltern müssen sich dessen bewusst sein bei der Anschaffung. „Es gibt natürlich Fälle, wo es zu Rückgaben kommt. Aber Grund dafür ist eher selten, dass es sich um ein falsches Weihnachtsgeschenk handelt“, betont die Tierheimleiterin. Meistens landen Jungtiere bei ihnen im Oktober. „Wenn die Welpen aufhören, niedlich zu sein oder der Besitzer überfordert ist mit der Erziehung. Fluch und Segen sind Verkaufsseiten wie Ebay.“ Problemtiere sind die eigentlichen Gründe, warum Tierheime so überfüllt sind. Die Tiere, meistens Hunde, werden bei Überforderung erst einmal privat für Profit weiterverkauft und landen somit in einer neuen Familie. Jedoch ist auch dort keine anständige Erziehung oder Pflege gegeben und das Tier wird weitergereicht. Es entsteht eine Art Teufelskreis.
„So etwas traumatisiert Tiere. Irgendwann landen sie dann wieder bei uns im Tierheim und wir bekommen sie nur schwer vermittelt“, erzählt Nicodem mit Kopfschütteln und betrübter Stimme. Die beste Lösung wäre es, die Tiere gleich ins Tierheim zu bringen, – bevor sie zum Problemtier werden oder sich eben vorausschauend mit seinem Welpen in einer Hundeschule anmelden. Nicht nur das Tier muss erzogen werden, auch Besitzer sind dazu angehalten mitzulernen.
Laut Aussagen des Landestierschutzverband Brandenburg nehmen die Vereine und Tierheime jedes Jahr knapp 5000 Tiere auf. Nicodem merkt hier jedoch an, dass man auch die Einwohnerzahl aus den jeweiligen Gebieten beachten muss. „In dem Verhältnis relativiert es sich. Zurückgegebene Weihnachtsgeschenke ist derselbe Mythos wie ausgesetzte Tiere zur Urlaubszeit im Sommer. Ein Medienloch für etwas Presseaufmerksamkeit.“ Ihrer Meinung nach kommen solche Fälle mal vor, aber es ist nicht so dramatisch, wie es gut und gerne in den Medien porträtiert wird.