Trockenheit
: Alle Wasserpumpen stopp!

Der Landkreis Barnim hat eine Entnahme von Oberflächenwasser aus Flüssen und Seen mit Pumpen verboten. Mit unangekündigten Kontrollen wird die Einhaltung der Verfügung überprüft, bei Verstößen drohen Bußgelder.
Von
Jörn Kerckhoff
Eberswalde
Jetzt in der App anhören
  • Dürre: Volker Sefkow (links) und Ludolf von Maltzan vor dem trockenen Ablauf des Parsteiner Sees

    Dürre: Volker Sefkow (links) und Ludolf von Maltzan vor dem trockenen Ablauf des Parsteiner Sees

    MOZ/Thomas Burckhardt
  • Kontrolle: Volker Sefkow (rechts) macht sich ein Bild der Wassernutzung vor Ort – hier bei den Eheleuten Brigitte und Rudolf Becker.

    Kontrolle: Volker Sefkow (rechts) macht sich ein Bild der Wassernutzung vor Ort – hier bei den Eheleuten Brigitte und Rudolf Becker.

    MOZ/Thomas Burckhardt
  • Erlaubt: Christine Parpart an einer Grundwasserpumpe

    Erlaubt: Christine Parpart an einer Grundwasserpumpe

    MOZ/Thomas Burckhardt
  • Wasserzähler am Üdersee: Peter Graef zeigt das Messgerät.

    Wasserzähler am Üdersee: Peter Graef zeigt das Messgerät.

    MOZ/Thomas Burckhardt
1 / 4

Brandenburg lechzt nach Wasser. Das Landratsamt Barnim sah sich am 2. August gezwungen, ein Verbot zur Wasserentnahme von Oberflächenwasser mit Pump–anlagen zu verhängen. Im Klartext: Gärten, Gemüsebeete, Sportplätze dürfen nicht mehr mit Wasser aus Seen oder Flüssen per Pumpe bewässert werden. Für Grundwasser gilt diese Verfügung nicht. Am Dienstag machten sich Volker Sefkow, Sachgebietsleiter der Unteren Wasserbehörde, und Sachbearbeiterin Christine Parpart daran, die Einhaltung zu überprüfen. Ein Verstoß stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit bis zu 50 000 Euro geahndet wird. „Wenn es ans Geld geht, tut es den Leuten weh“, so Sefkow.

Es ist das erste Mal, dass der Landkreis eine solche Verfügung erlassen hat. Der Zustand der Gewässer habe dies notwendig gemacht. „Das Wasserdefizit von 2018 wurde nicht ausgeglichen und durch den erneut trockenen Sommer ist die Situation noch schlimmer geworden“, macht Sefkow deutlich. Der Landeswetterdienst Potsdam habe errechnet, dass es 44 Tage ununterbrochen regnen müsste, damit das Wasserdefizit ausgeglichen würde.

„Nach den Regenfällen von gestern dürfte die Lage heute entspannt sein. Da muss wohl niemand Oberflächenwasser abzapfen“, vermutet Sefkow vor Fahrtantritt. Dennoch wollen er und Christine Parpart Präsenz zeigen, damit sich niemand sicher sein kann, dass sein Verstoß unentdeckt bleibt. Diese Erfahrung musste der FV Stahl Finow bereits machen. Vergangene Woche wurden dort die Sportplätze mit Oberflächenwasser gewässert. Der Fall werde aktuell untersucht und gegebenenfalls eine Strafe verhängt.

Pegelstände niedrig wie noch nie

Es folgt der Besuch der Ökodorf Brodowin GmbH und Co. Vertriebs KG von Ludolf von Maltzahn. Der Betrieb hat auch die Genehmigung für die Entnahme von Oberflächenwasser. Zunächst gilt aber auch für Unternehmen die Verfügung des Landratsamts. „Wir brauchen in diesem Jahr kein Oberflächenwasser für unsere Kulturen“, erklärt von Maltzan. Zum Glück, denn der Pegel des Parsteinsees, aus dem der Öko–Landwirt sonst Wasser entnimmt, ist um 30 Zentimeter gefallen.

Die „Prottenlanke“, ein natürlicher Übergang zwischen Parstein– und Weißensee liegt in diesem Sommer erstmals trocken. Im Bedarfsfall hätte das Ökodorf eine Ausnahmegenehmigung beantragen können. Ob und in welchem Umfang diese erteilt worden wäre, sei aber schwer zu sagen, erklärt Sefkow.

Weiter zum Kleingartenverein „Lehmannshof“ in Finow.  Durch die Nähe zum Finowkanal sei der Grundwasserspiegel recht hoch und die Pflanzen kämen gut an Wasser, erklärt Sefkow. Was ihm auffällt ist aber, dass kaum eine der 13 Kleingartenanlagen eine Regenwassertonne aufgestellt hat. „Wer hat schon daran gedacht? Das Wasser hat immer gereicht“, erklärt Manfred Hansen, der an diesem Tag im Garten ist. Sefkow macht deutlich, dass man sich auf Trockenphasen in den kommenden Jahren vorbereiten muss.

Wasser mehrfach nutzen

Im Kleingartenverein „Alte Tongrube“ besuchen Sefkow und Parpart das Ehepaar Brigitte und Rudolf Becker. Die haben vor einigen Jahren zu ihrem Grundstück gleich auch einen Teil eines angrenzenden Sees gekauft. Die Verordnung gilt aber auch dort. „Da steht das öffentliche Interesse über dem des Einzelnen“, so Sefkow.

Und auch der Bungalowsiedlung Üdersee–Steinthal statten die beiden von der unteren Wasserbehörde einen Besuch ab und treffen den Vorsitzenden der Interessengemeinschaft (IG), Peter Graef. Als die Verfügung erlassen wurde, stellte er fest, dass die IG gar keine Genehmigung zur Wasserentnahme aus dem Üdersee hat. Da die Bungalows nicht an die Trinkwasserversorgung der Stadt angeschlossen sind, brauchen die Bewohner, die teilweise den ganzen Sommer in ihrer Datsche verbringen, das Wasser aus dem See. 100 Liter pro Anlage am Tag wurden ihnen mit einer Ausnahmegenehmigung genehmigt. „Wir gehen sehr sparsam mit dem Wasser um“, so Graef. Mit dem Spülwasser würden auch die Blumen gegossen, das Rasensprengen sei derzeit völlig untersagt.

An diesem Tag haben Sefkow und Parpart keine Verstöße feststellen können, die Kontrollen würden aber fortgesetzt. Wann die Verfügung aufgehoben werde, könne man nicht sagen. Und sollte sich die Situation nicht deutlich entspannen, werde es im kommenden Jahr wohl die nächste geben, prophezeit Sefkow.