Von den Top 10 der Begriffe, die um die Wahl des Wortes 2020 kandidierten, drehen sich acht um die Corona-Pandemie. Das zeigt wie sehr unser Alltag, unsere Gefühlswelt, unsere Sprache von der der Pandemie dominiert sind. Es scheint fast, als wäre unsere Wahrnehmung verkümmert, wir schauen nur noch mit Scheuklappenblick nach vorne zu dem Zeitpunkt, an dem endlich wieder Normalität einkehrt. Wir haben keine Lust mehr auf Krisenrealität und Ausnahmezustand.

Warum 2020 ein fatales Jahr für den Klimaschutz war

Und jetzt kommen wir, die sogenannten „Klimaschützer*innen” und erzählen, dass diese Normalität eine Illusion ist. Denn während die Corona-Pandemie das aktuelle Leben auf den Kopf stellt, zerstören wir im selben Atemzug durch das Ausblenden der Klimakrise in der vermeintlichen Normalität unsere Lebensgrundlage und die nachfolgender Generationen auf lange Sicht. 2020 war ein fatales Jahr für ernsthafte Klima-Krisenbewältigung. Die notwendige Klimapolitik, die so vehement von Millionen Menschen auf der Straße gefordert wurde, ist erfolgreich verdrängt, übertönt und auf später verschoben worden.

Auch hinter dem Barnim liegt der dritte zu heiße Sommer

Und dabei gehört das Jahr zu den wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die globale Durchschnittstemperatur liegt 2020 etwa 1,2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch Deutschland zählte den dritten Hitzesommer in Folge – mit wochenlangen Temperaturen um die 40 Grad und ohne Regen. Vor allem in Brandenburg sind Dürren schon lange keine Ausnahme mehr, die Landwirt*innen können mittlerweile ein Lied davon singen.

Frankfurt/Main

Besonders für die Menschen in den Regionen, die am stärksten unter den Folgen der Klimakrise leiden, war das vergangene Jahr noch schwerer, teilweise sogar lebensgefährlich. Extremwetterereignisse wie Dürren und Überflutungen, sowie überdurchschnittlich starke Hurricane stehen im Alltag vieler Menschen schon auf der Tagesordnung.

Corona-Pandemie als Vorbote für Katastrophen

Die UN hat in einer gerade veröffentlichten und bisher größten Klimastudie 1,2 Millionen Menschen aus über 50 Ländern befragt. Mehr als ein Dreiviertel der Befragten sehen die Klimakrise als globalen Notstand und fordern umfassende Maßnahmen.
Die Corona-Pandemie lässt sich eher als ein Vorbote sehen, von dem, was an Katastrophen und Pandemien kommt, wenn wir die Zerstörung von Ökosystemen, den dramatischen Verlust von Biodiversität und das unaufhaltsame Steigen der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre immer weiter vorantreiben.
Aber nun ein Blick nach vorn. Denn das Gute ist, es muss nicht so kommen. Die Klimakrise ist menschengemacht. Das heißt, wir haben es auch in der Hand, sie zu stoppen. Dafür braucht es aber große politische Veränderungen und dafür braucht es vehementen Druck aus der Zivilgesellschaft.

Urnengang-Häufung als Chance für den Klimaschutz

2021 steht ein Superwahljahr mit sechs Landtagswahlen, einer Bundestagswahl und unzähligen Kommunalwahlen an. Das bedeutet gleichzeitig auch die Chance für große politische Veränderungen und weitreichende, sozial gerechte Klimaschutzmaßnahmen, denn für einen Großteil der Deutschen ist die Klimapolitik der Parteien wahlentscheidend. Die politischen Weichenstellungen dieses Jahr werden darüber entscheiden, ob wir das im Pariser Klimaabkommen völkerrechtlich verbindliche Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken, einhalten werden.