Unwirtschaftlich
: Joachimsthal verliert Post-Filiale

Post macht dicht: Joachimsthal verliert ab 28. Februar seine Post-Filiale. Die Nachfolge ist bislang ungeklärt.
Von
Susan Hasse
Joachimsthal
Jetzt in der App anhören

Posthorn ade: Unternehmer Enrico Pilz wird in seinem Kiosk in der Töpferstraße in Joachimsthal ab März keine Postdienstleistungen mehr anbieten. Der Vertrag mit dem Gelben Riesen ist gekündigt. Stattdessen will er seinen „Späti“-Kiosk weiter ausbauen.

susan hasse

Nach nur sechs Monaten schließt die Joachimsthaler Postfiliale in der Töpferstraße. Bereits seit Tagen kursieren entsprechende Gerüchte. Der Unternehmer Enrico Pilz sieht keinen Segen im Postgeschäft und setzt künftig auf ein anderes Konzept.

„Es ist finanziell nicht darstellbar“, bestätigt Inhaber Enrico Pilz. Der Unternehmer wird daher am 28. Februar das Postgeschäft in seinem Geschäft in der Töpferstraße endgültig aufgeben.

Um nicht in finanzielle Schieflage zu geraten, habe er die Reißleine gezogen, so Pilz, und sei mit etwas Glück vorzeitig aus dem Vertrag rausgekommen. Die Deutsche Post als Vertragspartner zahle für das Betreiber der Filiale lediglich eine magere Fixvergütung von 140 Euro im Monat. Dazu kommen dann Provisionen durch Pakete, Päckchen und Briefmarken. Monatlich summieren sich die Einnahmen so auf brutto rund 800 Euro, rechnet Pilz vor. Abzüglich der Kosten für Ladenpacht, Personalkosten und Steuern bleibt am Ende nicht viel übrig: „Es ist ein Minusgeschäft“, rechnet Pilz vor. Um den Kunden die bevorstehende Schließung zu erklären, hat der Unternehmer sogar eine Abrechnung der Deutschen Post an die Tür gehängt.

„Die Kunden sollen sehen, dass man vom Geschäft mit Paketen und Briefmarken  nicht leben kann“, so der Unternehmer, der das kleine Ladengeschäft im August eröffnet hatte. Er ist sichtlich enttäuscht vom Geschäftspartner Deutsche Post.

Versprochen wurde ihm in den Verhandlungen mit der Post nämlich etwas anderes: Die zuständige Regionalleiterin hatte fixe Einnahmen von über 1000 Euro in Aussicht gestellt, erinnert sich Pilz. Diesen Umsatz habe er nun jedoch lediglich im paketstärksten Monat Dezember machen können. In den übrigen Monaten bewege sich der Umsatz mit den Postdiensten um die 800 bis 900 Euro. Allein die Personalkosten sind bei einer Öffnungszeit von rund 30 Stunden in der Woche so nicht gedeckt.

„Der Milliardenkonzern Post arbeitet auf Kosten der Kleinstunternehmer“, so seine Kritik am Geschäftsgebaren des gelben Riesen.

Die Post hat in den vergangenen Jahren überall Filialen geschlossen und vergibt stattdessen Lizenzen an selbstständige Händler, die das Paket- und Postgeschäft in der Regel nebenher betreiben. Je nach Standort und Ausrichtung des Ladens funktioniert das.

Pilz will nun mit voller Kraft seinen „Späti“ aufbauen und als Kiosk bis spät abends geöffnet haben. Ab Ostern werden wir mit neuem Konzept bis 24 Uhr öffnen, kündigt er an. Er könne sich auch vorstellen einen kleinen Imbiss am Standort zu betreiben.

Seit Jahren ist die Versorgung mit Postdienstleistungen in Joachimsthal schwierig: Bevor Pilz die Versorgung mit Postdiensten übernahm, hatte Silvia Perduss in der Glockenstraße die Postfiliale betrieben. Krankheitsbedingt reduzierte sie die Öffnungszeiten und gab im Sommer vergangenen Jahres das Geschäft ganz auf.

Wie es nun mit dem Postgeschäft in Joachimsthal weitergeht, ist noch nicht abschließend entschieden. Dem Vernehmen nach wird bereits an einer Nachfolge gearbeitet. Das Einzugsgebiet der kleinen Schorfheide-Stadt umfasst mit vielen kleinen umliegenden Dörfern mehr als 5000 Einwohner. Die nächste Post, in der sämtliche Dienstleistungen erledigt werden können, befindet sich rund 25 Minuten Fahrweg entfernt in Britz, Eberswalde oder Angermünde. Laut Postgesetz mit den dazugehörenden Verordnungen muss in allen Gemeinden über 2000 Einwohnern mindestens eine stationäre Einrichtung vorhanden sein. Die Post muss demnach auch in der Stadt Joachimsthal, die allein über 3300 Einwohner hat, präsent sein.

Wie man kostendeckend und erfolgreich eine Post betreiben kann, zeigt beispielsweise der Lichterfelder Unternehmer Ronny Richter. Er betreibt mittlerweile zwei Postfilialen mit dazugehörenden Kiosk und Lebensmittelgeschäft in den Dörfern Lichterfelde und Britz sowie seit Herbst die größte Postfiliale in der Kleinstadt Angermünde. Vielleicht könnte ihm ja auch Joachimsthal zusagen?