Veranstaltungen in Eberswalde
: Tornow wird 650 – was der Ort schon alles durchgemacht hat

Tornow war schon zu DDR-Zeiten für seine Sonnenwendfeier bekannt. Deshalb steigt die große Dorfjubiläumsparty. Alle Details.
Von
Viola Petersson
Eberswalde
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Dorfkirche Tornow

Die Dorfkirche: Sie ist das Wahrzeichen von Tornow. Das Gotteshaus war um 1250 errichtet worden. Weshalb Tornow sehr wahrscheinlich deutlich älter als 650 Jahre ist. Doch: Die erste urkundliche Erwähnung findet sich 1375.

Viola Petersson
  • 650-Jahr-Feier von Tornow am 21. Juni, bekannt für Sonnenwendfeiern.
  • Festumzug, Tanzshows, Musik und LED-Show geplant.
  • Dorfwappen mit historischen Symbolen erstellt.
  • Tornow kämpft für Dorfgemeinschaftshaus und bessere Infrastruktur.
  • Gemeinschaft und Zusammenhalt werden hoch geschätzt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Tornow, allein in Brandenburg soll es fünf Dörfer bzw. Ortsteile mit diesem Namen geben. Doch: Die Tornower, die seit 32 Jahren eigentlich Eberswalder sind, sagen von sich, dass ihr Dorf einmalig sei. Und vor allem geben sie sich selbstbewusst. Ihr Tornow sei der beste Ort zum Leben, zumindest für sie. Und den Sport- oder Fußballplatz nennen sie stolz „Waldstadion“.

Ebenda findet in Kürze die 650-Jahr-Feier Tornows statt. Und zwar an jenem Tag, für den das Dorf über die Gemeindegrenzen hinaus seit Jahrzehnten bekannt ist: am Tag der Sommersonnenwende, dem 21. Juni.

Große Banner und vor allem eine 2,5 Kilometer lange Wimpelkette, die das ganze Dorf durchzieht, künden seit Tagen von der bevorstehenden Party. An deren Vorbereitung nicht nur der Ortsbeirat mit iseinem Vorsitzenden Martin Bowitz, sondern auch der Dorfclub, der SV Tornow 90 mit den Fußballern und Billardspielern, die freiwillige Feuerwehr sowie viele Bewohner mitgewirkt haben. Eigentlich das ganze Dorf.

Tornow: Wappen zur 650-Jahr-Feier „zugelegt“

Im Laufe der vergangenen Jahre und Jahrzehnte hat Tornow so manchen Verlust verkraften müssen. Ein großer Teil der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur ist weggebrochen. Keine Schule mehr. Verkaufsstelle, Fleischerei, Bäcker – all das war einmal. Auch Tankstelle, „Gesundheitsstube“ oder Schuhmacher sind längst passé.

Zuletzt verloren die Bewohner die Gaststätte bzw. den Saal der „Linde“. Und trotzdem sind die Tornower mächtig stolz auf ihr Dorf. Dies ist im Gespräch mit Martin Bowitz, Jürgen Müller und Dieter Kessler deutlich zu spüren. Deshalb freuen sich die Tornower auch auf ihre 650-Jahrfeier.  Für die sie extra ein Wappen kreiert haben.

Die Gestaltung nimmt Bezug auf die Geschichte Tornows. Mit der Gründungszahl 1375, dem Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung (wobei die Dorfkirche, das Wahrzeichen, deutlich älter ist), Ähre und Sense (Tornow war als Vorwerk von Hohenfinow landwirtschaftlich geprägt), Eichenblatt und Eber für die Forstwirtschaft und den Wald sowie einem Schlehenzweig. Denn: Der Ortsname Tornow sei auf „Dornbusch“ zurückzuführen, dem in der Gegend häufig vorkommenden Schlehenbusch, erklärt Bowitz.

Ortsbeirat auf Sportplatz Tornow

Auf dem Festplatz am Waldstadion: (v. l.) Jürgen Müller, Martin Bowitz und Dieter Kessler.

Viola Petersson

Auf die bewegten Zeiten wollen die Tornower beim Festumzug, der sicher ein Höhepunkt der Jahrfeier werde, zurückblicken. Auch wenn es kein klassischer historischer Festumzug sei, so lasse man doch schlaglichtartig ein paar Episoden aufleben, etwa die Zeit der Tornower Schule. Vor allem aber werde der Umzug, der vom Karlswerker Weg zum Festplatz führt, von der Mitwirkung der Vereine und aller Straßen im Ort geprägt sein, ist der Ortsvorsteher überzeugt.

Bis 1968 Unterricht bis zur vierten Klasse in Tornow

Der 73-jährige Dieter Kessler, ein waschechter Tornower, er ist sogar im Dorf geboren, kann sich noch gut an die Dorfschule erinnern. Von 1958 bis 1962 habe er im Ort die Schulbank gedrückt, das Abc und das Einmaleins gelernt. Erst-, Zweit-, Dritt- und Viertklässler hätten in einem Raum gesessen. Mit unterschiedlichen Aufgaben entsprechend der Jahrgangsstufe freilich. „Ab der fünften Klasse ging es dann nach Eberswalde. Zur Bruno-H.-Bürgel-Schule“, so Kessler. 1968 sei der Schulbetrieb eingestellt worden. Heute hat in der ehemaligen Schule an der Tornower Dorfstraße 25 unter anderem der Ortsbeirat seinen Sitz.

Martin Bowitz

Kommt zum Jubiläum natürlich wieder zum Einsatz: der Backofen. Ein Wildschwein soll darin zubereitet werden, so Ortsvorsteher Martin Bowitz.

Viola Petersson

Zur jüngeren Geschichte gehört insbesondere die Entscheidung nach der Wende, die Selbstständigkeit 1993 aufzugeben, kein leichter Schritt, wie das Trio noch gut weiß. „Das waren wirklich bewegte Monate“, so Jürgen Müller. Die Eingemeindung nach Eberswalde, an der vor allem auch der damalige Eberswalder Bürgermeister Hans Mai eine Aktie hatte, habe sich aus seiner Sicht als Gewinn erwiesen. „Wir hatten als Gemeinde damals nicht mal mehr das Geld für den Schulbus.“

Tornower schätzen den dörflichen Zusammenhalt

Doch was macht Tornow, das heute gut 340 Einwohner zählt, nun so einmalig? Martin Bowitz, Jürgen Müller und Dieter Kessler sind sich einig: „Das ist die dörfliche Gemeinschaft, der Zusammenhalt.“ Das Miteinander, das Wir-Gefühl. Ob beim Arbeitseinsatz oder beim Feiern.

Ausdruck dieser lebendigen Dorfgemeinschaft ist beispielsweise der Erfolg der Tornower beim Eberswalder Bürgerbudget. Den Tornowern ist es gelungen, seit 2015 jährlich für ein Projekt Fördermittel zu generieren. Der Gewinn ist sichtbar im Dorfbild: ob auf dem Festplatz, beim Spielplatz, der Kirchenmauer oder beim Bürgertreff.

Bürgertreff Tornow

Fast fertig: der Bürgertreff, eine Übergangslösung, die die Tornower selbst geschaffen haben.

Viola Petersson

Apropos Bürgertreff. Seitdem der Saal der „Linde“ nicht mehr zur Verfügung steht, kämpfen die Tornower für ein Dorfgemeinschaftshaus, wie im benachbarten Sommerfelde. Um eine Übergangslösung zu schaffen, packen sie selbst an. Kurzerhand haben sie die ehemalige Trauerhalle am Feuerwehrdepot umgebaut zum Bürgertreff. „Die Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss“, so Bowitz.

Auch wenn der Bürgertreff „nur“ für 22 Personen Platz bietet, so sei er doch eine echte Errungenschaft, finden Bowitz und Mitstreiter. Gleichwohl: Um endlich wieder den traditionellen Fasching feiern zu können, dafür brauche es mehr.

Chronik Tornow

Die Chronik von Tornow: Sie war im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) Mitte der 1990er Jahre entstanden. Frank und Roselind Weißhaupt haben dazu in Archiven recherchiert.

Viola Petersson

650 Jahre Tornow: Das wünschen sich die Menschen

Und was wünschen sich die Tornower, neben einem Dorfgemeinschaftshaus, zum Jubiläum? „Schön wäre eine Erweiterung des Busangebots“, sagt der Ortsvorsteher. „Vor allem am Wochenende.“ Und auch die Ausweisung von Bauland wäre nicht schlecht. Um Zuzug zu generieren und mehr Einheimischen den Traum vom Eigenheim im Heimatdorf zu erfüllen. Vor allem aber hoffen die Drei, dass es gelingt, das Gefühl und die Kraft der dörflichen Gemeinschaft an die nächste Generation weiterzugeben.

Programm zur 650-Jahr-Feier am 21. Juni 2025

  • 12 bis 13 Uhr Festumzug vom Karlswerker Weg zum Waldstadion mit Begleitung durch einen Spielmannszug
  • 13 bis 15 Uhr Feuerwehr-Kapelle Bernau auf der Bühne Sportplatz
  • 15 bis 15.50 Uhr Tanzshow der Tanzgruppe Stahl Finow auf der Bühne Sportplatz
  • 15.45 bis 16.15 Uhr Löschangriff der Freiwilligen Feuerwehr Tornow
  • 16 bis 18 Uhr Band „Drei Generationen“ auf der Bühne Festplatz
  • 16 bis 18 Uhr Friesenformation Ostsee-Quadrille auf dem Sportplatz
  • 16 bis 18 Uhr Friesenformation Ostsee-Quadrille auf dem Sportplatz
  • 18 bis 19 Uhr Tanzgruppe Falkenberg Bühne Sportplatz
  • 22 bis 22.30 Uhr LED-Show, Feuershow Bühne Sportplatz
  • Dazwischen jeweils DJ Tony Pardeike Bühne Festplatz
  • Marktstände (u. a. Holzkunst mit Kettensägen), Hüpfburg, Hebebühne, Bullenreiten, Kletterwand, Fußball-Dart, Riesen-Billard und einiges mehr.

Eine Anekdote hat Dieter Kessler noch mit Blick auf die Jahrfeier und das „Waldstadion“, wo die Party ebenso wie auf dem benachbarten Festplatz steigt, parat. Anfang der 1960er Jahre sollte auf dem heutigen Sportplatz am Ende des Zickenbergs ein Friedhof geschaffen werden. Er sollte den Kirchhof ablösen.

Doch die Tornower liefen gegen die Pläne Sturm. Es blieb beim Kirchhof. „Und hier oben gibt es kein einziges Grab.“ Stattdessen entstand nach der Gründung des Fußballvereins Traktor Tornow ein Fußballplatz. Mit Naturrasen. Auf dem am 21. Juni eine der beiden Bühnen aufgebaut wird. An der Mittellinie.