Volkshochschule: Chinesisch für die grauen Zellen
Chinesisch kann man in der Waldstadt nicht nur essen, man kann auch die Sprache lernen. Vier Leute nutzen derzeit das Angebot der Volkshochschule und besuchen den Kurs der 39–jährigen Wei Shi aus Groß Schönebeck.
Die Größenverhältnisse im Reich der Mitte sind eben doch andere. Wird Kursleiterin Wei Shi gefragt, ob sie in ihrer alten Heimat in einer Großstadt lebte, verneint sie. Die Frau, die vor 15 Jahren der Liebe wegen nach Deutschland kam und nun im kaum 2000 Einwohner zählenden Groß Schönebeck sesshaft ist, stammt aus Chang Zhou. Die Stadt am östlichen Rand der Volksrepublik zählt etwa 3,5 Millionen Einwohner, die sich auf einer Fläche von über 4000 Quadratkilometer tummeln. Verglichen mit Peking oder dem knapp 200 Kilometer entfernten Shanghai tatsächlich kleiner. Dort leben vier– bis fünfmal so viele Menschen.
Vier Menschen sind es, die am Montagabend in Eberwalde vor der elektronischen Schultafel sitzen: die Ehepaare Klaus und Gerda Goldammer und Doris und Volker Kuck. „Damit die grauen Zellen nicht ganz einrosten“, sagt Gerda, die mit ihrem Gatten irgendwann einmal eine Chinareise machen will.
Der entpuppt sich während des Unterrichts zeitweise als Klassenprimus. „Ich frage ihn zuletzt. Er antwortet immer richtig“, sagt Wei Shi über Klaus und lacht. Ländernamen sind zu Beginn der Einheit an der Reihe. Jeder der Teilnehmer muss den Namen einer Nation auf Chinesisch nennen. Nicht ganz einfach, wie Klaus Goldammer schon vor Beginn des Unterrichts schildert. „Wir müssen uns anstrengen, müssen viel üben. Die Phonetik ist anders als im Deutschen“, sagt er.
Die Grammatik hingegen sei flexibler, meint Wei Shi später. Beispielsweise gebe es keine Artikel. Anderthalb Jahre hat die Kursleiterin selbst Deutsch gelernt, die überwiegende Zeit an der Volkshochschule. Eine Herausforderung? „Wenn man will, dann klappt es“, sagt Wei Shi, die eigentlich Mathelehrerin ist, mittlerweile aber lieber Sprachunterricht gibt.
Als wäre die Aussprache des Chinesischen nicht schon schwer genug, gibt es am Montag auch einen kleinen Exkurs in Sachen Schriftzeichen. Die werden nicht immer nach der Bedeutung, sondern auch nach Lauten gebildet. So findet sich in den Zeichen für Eberswalde weder das fürs männliche Schwein noch für den Wald wieder. Der Klang ist entscheidend (siehe Bild).
Ziemlich viele Strichelchen für die grauen Zellen. „Es ist schon sehr verrückt. Aber wir machen es trotzdem“, erklärt Kursteilnehmerin Doris Kuck noch vor Beginn der Einheit.
Sechs Teilnehmer hatten sich anfangs für das Angebot an der Kreisvolkshochschule interessiert, das seit dem Herbst läuft. Zwei waren abgesprungen. Eigentlich braucht es mindestens fünf für den Kurs. Wie Schulleiterin Christine Schäfer erklärt, wollte man die anderen nicht enttäuschen und setzte ihn fort.
44 Euro beträgt der Beitrag pro Person fürs komplette Jahr. Zum Standard–Repertoire gehört die Sprache nicht. Kurse für Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch seien stärker frequentiert. Einen Chinesischkurs hatte es vor Jahren schon einmal in der Bernauer Regionalstelle gegeben. Dort werden derzeit auch Arabisch, Schwedisch und Norwegisch angeboten.
Mehr zum Kursprogramm unter www.kvhs.barnim.de


