Waldbrände sind im trockenen Brandenburg alles andere als selten. 2019 hat es insgesamt 355 im ganzen Land gebrannt. 2018 gar wurden 560 Brände vermerkt. Die Sommer waren extrem trocken, die Winter ebenso. Schon am 1. März beginnt die neue Waldbrandsaison, berichtet die Leiterin der Oberförsterei Eberswalde, Constanze Simon.

Neue Zentrale für sieben Landkreise

Diesmal nimmt ebenfalls an diesem Tag die neue Zentrale zur Waldbrandfrüherkennung in Eberswalde ihre Arbeit auf. Bisher gibt es noch drei im Land. Neu ist, dass sich Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Brandenburg zusammengeschlossen haben. Künftig wird Brandenburg von zwei Zentralen aus überwacht. Diese finden sich in Eberswalde und Wünsdorf. 70.000 Hektar Wald werden dann mit Überschneidungen beschaut. Hilfsmittel ist das automatische System Firewatch, das an 106 Standorten im Land Brandenburg installiert ist. Die alten 133 Feuerwachtürme dienen dazu, aber auch Stahlgittermasten, die 30 bis 35 Meter hoch sind und so mit entsprechenden Sensorensystemen einen Radius von je zehn Kilometern abdecken können.

Rauchwolke wird über Warnsignale eingefangen

Das System von Firewatch stammt aus der Raumfahrt und wurde für die Früherkennung von Waldbränden modifiziert. Steigt eine Rauchwolke auf, ist diese in 20 bis 40 Kilometern Entfernung zu sehen. Schon ab zehn Metern werden akustische und optische Warnsignale eingefangen und über eine Kreuzpeilung der Brandherd ermittelt. Das alles fließt in ein Livebild auf dem Monitor, den der Operater – zwei Manager gibt es – mit seinen 23 Mitarbeitern in Eberswalde sehen kann. Die Waldbrandzentrale Nord, die hier steht, überwacht sieben Landkreise und die Landeshauptstadt. Ostprignitz-Ruppin, Potsdam, Potsdam-Mittelmark, Prignitz, Oberhavel, Barnim und Uckermark sind laufen auf Eberswalder Monitoren ein. Seit dem 1. Januar spielt sich das Team ein, das unter der Leitung von Robert Burmeister und Holger Hartmann agiert.

Graustufen sind fürs Auge in der Eberswalder Zentrale schwer zu differenzieren

Die Kamerasysteme sind in 44 Einzelstationen aufgebaut. Um aufsteigenden Rauch eines Waldbrands zu erkennen, werden automatisch 18 000 Graustufen miteinander verglichen. Das setzt hohe Konzentration voraus. Die geübten und geschulten Mitarbeiter kommen aus Borgsdorf, Hangelsberg, Willmersdorf, Strausberg, Chorin und Eberswalde in die neue Zentrale an der Tramper Chaussee. „Immer dann, wenn sich da was geändert hat, gibt es eine Meldung“, sagt Constanze Simon.

Alle Fäden laufen an der Tramper Chaussee zusammen

Oft genug sei es von der Landwirtschaft aufgewirbelter Staub, Wasserdunst oder einfach nur ein Schatten, der das System zu einer Meldung veranlasst. Mit der Brandmeldung wird direkt ein Signal an die Leitstelle Nordost der Feuerwehr gesendet, die ebenfalls in Eberswalde angesiedelt ist. Hier laufen telefonisch alle Fäden zusammen, werden die Einsatztrupps losgeschickt.

Landesregierung legt Brandenburger Standorte zusammen

Die Zusammenlegungen resultieren aus einer Modernisierung des Systems der Waldbrandfrüherkennung, die von der Landesregierung bereits 2017 beschlossen wurde. Für die Umsetzung wurden dem Landesbetrieb Forst Brandenburg 4,2 Millionen Euro bereitgestellt. Wünsdorf arbeitet schon seit einem Jahr.

Schichtsystem für die Brandbeobachter in Eberswalde

Acht Arbeitsplätze sind ständig in Eberswalde besetzt, wenn der offizielle Startschuss ergeht. Gut zwölf bis 16 Sensorensysteme pro Arbeitsplatz laufen ein. Bis zu 600 Meldungen täglich sind das im Maximum. Meist schaffe man es, Brände zu erkennen, solange diese noch Kleinstbrände sind, betont die Leiterin der Oberförsterei Eberswalde. Doch: „Wir erkennen sie nur. Verhindern können wir die Brände nicht.“

Verhindern von Bränden ist Aufgabe aller Besucher im Wald

Deshalb kommen dem Vorbeugen durch Brandschneisen, Schutzstreifen und funktionierende Löschwasser-Entnahmestellen hohe Priorität zu. So konnte die Pöhlitzbrücke in Biesenthal entsprechend neu ausgestattet werden. Inklusive einer Böschungstreppe und überregionalem Radweg kostete das Ganze 463.000 Euro. Leichter kommen die Brandbekämpfer nun zum Zug. Sind Brände übrigens gelöscht, betont Simon, werde die Fläche an die Forst und Waldbesitzer übergeben. Diese seien für Renaturierungen oder Wiederaufforstungen zuständig.