Wettbewerb: Eberswalde im Rennen um Kulturlandprojekt 2021
Der 58–Jährige, der innerlich mitfiebert, weil viel Arbeit in dem 32–seitigen Exposé für die Bewerbung steckt, sagt: „Es hat Spaß gemacht, alles zusammenzutragen.“
Herausgekommen ist eine Idee für „Zukunft der Vergangenheit — Industriekultur in Brandenburg“, die den Bogen von Eberswalde als Wiege der preußisch–brandenburgischen Industrie bis hin zur wachsenden Stadt heute spannen soll. Sieben Themenbereiche gibt es insgesamt für das Kulturland–Jahr.
„Wir machen uns große Hoffnung“, sagt der gebürtige Erzgebirgler, der über verschiedene Kultur–Stationen nun in der Waldstadt wirkt. Die Protagonisten von Museum Eberswalde über Familiengarten dokumentieren das Vergangene, auch Open–Air, der Rofin–Park mit dem DJ–Kollektiv Lukins, die Hochschule für nachhaltige Entwicklung und das Ensemble Quillo das Gegenwärtige und das Amt für Tourismus und Marketing mit vielen Image–Ideen und Projekten das Künftige. „Wir haben außerdem den Blick geweitet auf den Industriestandort mit dem PCK in Schwedt und binden die Neue Bühne Senftenberg mit ein“, weitet der Amtsleiter den Blick auf das Land Brandenburg von Eberswalde aus.
Vom Eisenhammer im 17. Jahrhundert über die Fabriken, die im Zuge der Industrialisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden und die heute oftmals als Lost Places überdauern, sei Industriekultur überall greifbar, betont Reichelt. Kupferprodukte, Ziegel, Kräne, Papier, Hufnägel, Asphalt oder Seidenwaren gingen als namhafte Produktein die Welt. Explosionsartig sei das industrielle Wachstum durch die exzellenten Verkehrsanbindungen zu Wasser, über die Schiene und zu Lande gewesen, heißt es im Exposé. Die Nähe zum Gründerzentrum Berlin und seinen Hochschulen sei nicht zu vergessen.
Führungen zu historischen Orten
Während des Zweiten Weltkriegs prägten Rüstungsprodukte die Industriegeschichte, Tausende Zwangsarbeiter mussten in den Betrieben schuften. Mit der DDR, die an die Traditionen anknüpfte, aber auch viele Firmen durch marode Substanzen an den Abgrund brachte, begann für viele Eberswalder Werkstätten der Abgesang. Einige Betriebe überlebten, kämpften sich in die Wendezeit und bis heute durch. Andere werden zu Kulturstätten, die ganz ohne Förderung neue Wege beschreiten und so den Wandel vollziehen. Zahlreiche weitere harren einer Nutzung.
Begleitet von Ausstellungen, Symposien, Theaterstücken, Kompositionen oder kreativen Umgestaltungen soll sich das Kulturland–Projekt durch das ganze Jahr 2021 ziehen. Bekannte und beliebte Reihen wie Jazz in E gehören zu den Perlen, die eingebunden sind. Die Neue Bühne Senftenberg erarbeitet neu das Heiner–Müller–Stück „Korrektur“, die Uckermärkische Bühne Schwedt das Müller–Stück „Horizonte“ für das Projekt. Start–Ups sind dabei, aber auch die Vereine Wasserturm, Finowkanal und Heimatkunde Eberswalde. 64 800 Euro Fördermittel könnten nach Eberswalde gehen, die Stadt gibt ebenso viel in den Topf. An verschiedenen Orten mit zahlreichen Protagonisten könnte etwas Einzigartiges entstehen, hofft Norman Reichelt.
Fünf Standorte in Eberswalde sind im Gespräch, die von Schulklassen als Orte industriegeschichtlicher Bildung bei Führungen zu entdecken wären. Mitmachangebote soll es ebenso geben, Handwerker sind eingebunden. Der Transformationsprozess ist in vollem Gange, sagt der Kulturamtsleiter, und an vielen Ecken sichtbar. Bleibt nun nur Daumendrücken. Das Potenzial ist da.
Eberswalde punktet unter anderem mit seiner Industriekultur.

