Wildtiere
: Biber erobern Eberswalde

Für Harald Schill, Direktor des Forstbotanischen Gartens, ist der Biber der „schlimmste Schädling“ in der 189-jährigen Geschichte der Anlage.
Von
Sven Klamann
Eberswalde
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  • Haufen aus Kleinholz: An der Brücke über dem Hertha-Fließ ist die Arbeit des Bibers unübersehbar. Im dem Flüsschen ist kaum noch Wasser zu sehen. Und auch der benachbarte Hertha-Teich ist stark betroffen.

    Haufen aus Kleinholz: An der Brücke über dem Hertha-Fließ ist die Arbeit des Bibers unübersehbar. Im dem Flüsschen ist kaum noch Wasser zu sehen. Und auch der benachbarte Hertha-Teich ist stark betroffen.

    Sven Klamann/MOZ
  • Auf dem Weg zur Böschung: Ein Biber läuft im Park am Weidendamm über die Wiese. Es ist helllichter Tag.

    Auf dem Weg zur Böschung: Ein Biber läuft im Park am Weidendamm über die Wiese. Es ist helllichter Tag.

    Sven Klamann/MOZ
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In den sozialen Netzwerken melden sich Naturfreunde zu Wort, die sich sorgen, dass dem in aller Öffentlichkeit die Schwärze durchschwimmenden Nager vielleicht etwas fehlen könnte. „Wenn Biber ihre natürliche Scheu verlieren, sind sie krank“, vermutet zum Beispiel Katrin Sina auf Facebook. Die Diskussion dort ist lebhaft.

Die Präsenz des Bibers im Park am Weidendamm wird von den Passanten meist voller Erstaunen zur Kenntnis genommen. „Ist der niedlich“, ruft ein Ferienkind, als es zuschaut, wie das Tier das Wasser verlässt und in einem Gebüsch Unterschlupf sucht.

„Es kann gut sein, dass der Biber da auch lebt“, betont Harald Schill, der Direktor des Forstbotanischen Gartens, der dem Nager eher wenig Niedliches abgewinnen kann. Nicht immer seien die Tiere in selbst gebauten Burgen zu Hause.

„Schlimmster Schädling“

Der Professor räumt unumwunden ein, dass er den Biber für „den schlimmsten Schädling“ hält, der in der 189-jährigen Geschichte des Forstbotanischen Gartens dort sein Unwesen getrieben habe. „Allein in den vergangenen 15 Jahren haben die Tiere auf unserem im Kern acht Hektar großen Grundstück locker 40 Bäume gefällt, von denen nicht wenige Exoten und die einzigen ihrer Art auf der Anlage waren“, sagt Harald Schill. Die Besucher würden von diesen unfassbar ärgerlichen Verlusten selten etwas mitbekommen. „Wir schaffen jedes Mal still und heimlich wieder Ordnung im Garten“, erklärt er.

Ein Bibermanagement, das diesen Namen verdiene, könne er für Eberswalde, Barnim und Brandenburg nicht erkennen. „Da steckt zu viel politische Brisanz drin“, findet der Direktor, der über den sicheren Nachweis darüber verfügt, dass sich im Forstbotanischen Garten zeitweise bis zu 40 Biber aufgehalten haben. „Bei offiziellen Zählungen durch die Naturschutzbehörden war von drei Tieren die Rede“, teilt Harald Schill mit. Von Naturschutzverbänden sei ihm geraten worden, in der Stadt Hundekot einzusammeln und überall im Garten zu verteilen, um Biber zu verschrecken ...

Gartensparte betroffen

In der Kleingartenanlage „Zur Schwärze“, in der es immer wieder zu Biberschäden kommt,  bewirtschaftet auch Andrea Friedrich eine Parzelle. Vor drei, vier Jahren habe sie vier Bäume an den Nager verloren. „Und auch meine Gemüsebeete wurden geplündert“, blickt Andrea Friedrich zurück, die zwar die Geschäftsstelle des Bezirksverbandes der Kleingärtner in Eberswalde leitet, aber als Privatperson agiert, wenn sie einschätzt, dass es seither ruhiger geworden sei. Ihrer Ansicht nach würden die Stadt-Biber mittlerweile verstärkt umgesetzt.

In der gleichen Sparte nutzt auch Paul Venuß, der sich ehrenamtlich im Naturschutzbund Barnim engagiert, einen Garten. Seiner persönlicher Ansicht nach müsse der Mensch überall dort regulierend eingreifen, wo der Biber Schaden anrichte. Und ihn ansonsten in Ruhe lassen. „Ich bin selbst betroffen. Aber ich hatte die paar Bäume, die sich der Nager geholt hat, nicht extra umzäunt und damit geschützt“, betont das Nabu-Mitglied, das hervorhebt, dass es nicht für den Nabu spricht.

Steckbrief von Castor fiber

Das Revier einer Biberfamilie, die aus dem Ehepaar und zwei Generationen von Jungtieren besteht, umfasst je nach Qualität des Biotops ein bis drei Kilometer Fließgewässerstrecke. Der Europäische Biber, Castor fiber, ist im Mittel rund 18 Kilogramm schwer. Auffällig ist sein breiter, abgeplatteter, mit lederartiger Haut bedeckter Schwanz, Kelle genannt. Die Kelle dient als Steuer beim Abtauchen sowie zur Temperaturegulierung und als Fettdepot. Biber sind reine Pflanzenfresser. Biber bevorzugen Kräuter, Sträucher, Wasserpflanzen und Laubbäume wie Espen, Erlen und Pappeln. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und halten keinen Winterschlaf.⇥red