Wirtschaft: 150 Millionen Fliegen für Eberswalde
Sogenannte Flugkäfige und eine zweite Schleuse in der Halle sorgen allerdings in erster Linie dafür, dass nichts anderes zu Hermetia Illucens, auch „Schwarze Soldatenfliege“ genannt, hineingelangt. Die Zweiflügler, ursprünglich aus Mittelamerika, sind Grundlage für die Futtermittelproduktion, die sich Mitte des Jahres in Eberswalde ansiedelt.
Zwei Brüder, mehrere Standorte
Hermetia ist auch der Name der Firma der Brüder Peter Katz (59) und Heinrich Katz (62), die an mehreren Standorten in Deutschland vertreten sind. Unter anderem wird in Baruth/Mark (Teltow–Fläming) eine Larvenzucht betrieben. Ihre Hermetia Baruth GmbH als Produzent von proteinreicher Tiernahrung ist ein Ableger der Katz Biotech AG, die seit 1992 nützliche Insekten für die biologische Schädlingsbekämpfung züchtet.
Geplant war nun ein Standort beim PCK in Schwedt. Doch daraus wurde nichts. Die Voraussetzungen waren nicht mehr gegeben, Investitionskosten für einen Energieanschluss wirtschaftlich nicht darstellbar. Am Standort des Technologie– und Gewerbeparks in Eberswalde sei das anders. Dort würde Gas anliegen, damit es die Fliegen in der Halle warm hätten. Außerdem liege die Fläche logistisch günstig, nah an Straße, Schiene und Wasser für den Schiffstransport. Auf einem Areal von 80 000 Quadratmetern soll deshalb Mitte des Jahres eine Produktionshalle mit einer Größe von 20 000 Quadratmetern errichtet werden. „Das Gelände haben wir gekauft und sind derzeit dabei, die Baugenehmigung zu beantragen“, erklärt Heinrich Katz. Geplant ist außerdem 2021/22 eine zweite Halle in gleicher Größe zu errichten und die Produktion am Standort zu verdoppeln.
Pro Halle sollen jährlich 80 Milliarden Fliegenlarven, 5000 Tonnen, durchgeschleust werden. Die bereits erwähnten 150 Millionen ausgewachsenen Fliegen, deren Zahl konstant gehalten wird, sind die Elterntiere der Zuchtanlage. Sie können nach dem Absterben beispielsweise zur Bodenverbesserung in der Landwirtschaft eingesetzt werden.
In erster Linie aber geht es um die Larven, mit denen die weltweit riesige Nachfrage nach Proteinen bedient werden soll. Die Tiere werden mit Dampf abgetötet, getrocknet und gepresst, wobei der Fettanteil vom Proteinanteil getrennt wird. Die feste Trockenmasse, der sogenannte Presskuchen, wird anschließend gemahlen und ähnlich wie das besser bekannte Fischmehl in der Tierfutterproduktion verwendet. Das Öl als flüssiger Bestandteil sei dafür auch gut, aber beispielsweise auch für die Herstellung von Brennstoff oder biologisch abbaubarem Waschmittel brauchbar.
75 Arbeitsplätze
Bis zu 60 Millionen Euro will Hermetia am Standort Eberswalde investieren, in einem ersten Schritt 45, in einem zweiten 30 weitere Arbeitsplätze schaffen. Die Fachkräfte sollen im Bereich der Anlagenbedienung, aber auch im Transport, Versand, Labor und in der Qualitätssicherung tätig werden.
Ob die mittelamerikanischen Fliegenlarven auch als Nahrung für Menschen denkbar wären? „Ich esse sie täglich“, gesteht Heinrich Katz. Getrocknet, noch ungepresst, würden die Larven auch eine Fettkomponente enthalten und Fett sei schließlich Geschmacksträger.


