Wirtschaft: Reiseveranstalter in Eberswalde vor dem Aus

Düstere Zukunft: "Schorfheide Touristik"-Geschäftsführerin Yvonne Fester prangerte schon im Mai die fehlende Hilfe für Touristik-Unternehmen an. Hilfen wurden von Bund und Land zugesagt, außer Lippenbekenntnissen ist bisher aber wenig passiert.
saschuWinkler ist vor allem auf Kreuzfahrten spezialisiert, die finden momentan, aufgrund der Situation, keine Beachtung. Stattdessen wird der Tourismus in Deutschland boomen, glauben Experten. „Aber dafür braucht man kein Reisebüro. Und fürs nächste Jahr plant noch niemand. Ich habe keine Ahnung, wie lang ich das noch durchhalten kann.“ Winkler betreibt seine Firma allein, muss sich also keine Sorgen um Angestellte machen. Laufende Kosten hat er trotzdem, Einnahmen hingegen nicht. Die Provisionen fließen erst, wenn der Urlaubsgast seinen Urlaub auch angetreten hat. „Ich bin schon meinem Vermieter dankbar, dass er mir bei diesem Kostenpunkt entgegen kommt.“
Mehr Kosten als Nutzen
Der inländische Reiseboom wird an vielen Reiseveranstaltern vorbeiziehen. Urlaub in Deutschland wird meist selbst organisiert. Wenn es organisierte Reisen gibt, dann sind diese meist nicht wirtschaftlich durchzuführen. Yvonne Fester organisiert mit ihrem Unternehmen „Schorfheide Touristik“ Busreisen. Die Busse müssen allerdings eine gewisse Auslastung haben, um lohnenswert zu sein. „In unserem Bus haben normalerweise 48 Personen Platz. Aufgrund der Beschränkungen konnten bis Anfang dieser Woche höchstens 17 Menschen mitfahren. Ich durfte nur Familienangehörige zusammensetzen und alle müssen einen Mundschutz tragen. Wenn es Probleme gibt, dann haften wir als Veranstalter.“ Mittlerweile dürfen die Busse wieder gefüllt werden, für Vorkommnisse haften die Veranstalter allerdings selbst.
Neben den Regelungen sind auch Ferienziele weggebrochen. Bis zum 10. Juli dürfen zunächst keine Tagesgäste nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen. Damit sind Ostseefahrten bis dahin gestorben. Da die Regelungen meist in kürzester Zeit geändert werden, ist es auch schwierig für die Zeit danach zu planen. „Das Sommerferiengeschäft ist kaputt, soviel steht fest. Wenn ich jetzt einen Reisekatalog erstelle, dann kann ich mir nicht sicher sein, ob der beim Druck noch aktuell ist.“
Hilfsprogramm ist auf dem Weg
Auch Fester weiß momentan nicht, wie lange diese Situation noch durchzuhalten ist. Ihre drei Angestellten sind in Kurzarbeit, ein Alternativprogramm ist durch die Planungsunsicherheit kaum möglich. Die beantragten Soforthilfen sind direkt wieder an die Kunden zurückgeflossen, über weitere Hilfen gibt es kaum Informationen. „Ich hab mich noch nie so allein gelassen gefühlt. Vor kurzem ist vom Bund ein Hilfspaket für 170 Millionen Euro geschürt worden. Das muss aber erst mal durch den Bundestag. Dann müssen sich Länder und Bund noch über die Verteilung einigen. Aktuell weiß niemand, wie das Geld an wen, mit welchen Auflagen, verteilt werden soll.“
Die momentanen Regelungen in Brandenburg gelten bis zum 16. August - sollte es keine zweite Infektionswelle geben. „Wir hoffen, dass wir danach einigermaßen normal weitermachen können“, sagt Yvonne Fester. „Aber wer weiß das schon.“
