„Wir möchten uns deutlich von den großen Gesellschaften abgrenzen“, sagt Wolfram Hey. Der Vorsitzende des Vermieter-Vereins „Haus und Grund“ in Eberswalde meint damit vor allem Immobilienunternehmen wie Vonovia, Deutsche Wohnen oder Akelius. Gesellschaften, die zehntausende Wohnungen in ihrem Bestand haben und denen gerne der Vorwurf gemacht wird, sie würden systematisch Mieten steigern und somit zur Verdrängung wenig zahlungskräftiger Mieter beitragen.

Berliner Bündnis fordert Enteignung

Die zugrunde liegende Debatte um bezahlbaren Wohnraum wird vor allem in Großstädten scharf geführt – nicht zuletzt in Berlin. Vergangene Woche hat dort die Initiative „Deutsche Wohnen und Co enteignen“ eine weitere Hürde auf dem Weg Richtung Volksbegehren genommen. Nachdem der Senat eine Stellungnahme zu dem Anliegen abgegeben hat, bleiben dem Abgeordnetenhaus nun vier Monate Zeit, um darüber zu entscheiden, ob es das Volksbegehren annimmt oder nicht. Die zentrale Forderung des Berliner Bündnisses ist es, Immobilienunternehmen mit mehr als 3000 Wohnungen zu vergesellschaften.
Das Reizthema Mieten werde nicht mehr nur in Großstädten verhandelt, eine zunehmend emotional geführte Debatte habe mittlerweile auch den Eberswalder Wohnungsmarkt erreicht, meint Wolfram Hey. „Drohen Berliner Verhältnisse?“ werde dann etwa gefragt. „Vieles läuft unter dem Motto ‚Miethaie’“, sagt er. Einige der 170 Kleinvermieter, die bei „Haus und Grund“ in Eberswalde organisiert sind, blickten jedenfalls mit wachsender Besorgnis auf das in Berlin verbreitete Schlagwort von der „Enteignung“.

Diskussion schlägt vereinzelt in Gewalt um

Mitunter seien der verbalen Auseinandersetzung sogar schon Taten gefolgt, sagt der Vereinsvorstand. Er berichtet von Vandalismus an der Tür zur Vermieter-Wohnung in einem Haus im Zentrum Eberswaldes. Mutmaßlich in Reaktion auf eine dortige Mieterhöhung. „Das ist für uns ein Zeichen, dass die Diskussion in Gewalt umschlägt. Nicht massenhaft, aber in Einzelfällen.“
Nicht allein deshalb wünscht sich der „Haus und Grund“-Vorstand wünscht eine Versachlichung der Diskussion. Ihm zufolge dürften aus vor allem die Kleinvermieter mit wenigen Wohneinheiten keinesfalls mit profitorientierten Immobilienriesen gleich gestellt werden. „Wir vertreten Vermieter, die teilweise sogar mit ihren Mietern zusammen im selben Haus wohnen.“

Enger Kontakt zwischen Mietern und Vermieter

Entsprechend eng sei der persönliche Kontakt. Und entsprechend hoch auch die Hemmschwelle einer Mieterhöhung, meint er. Dennoch dürfe niemand in dem Aberglauben leben, „dass eine Miete über Jahrzehnte unverändert bleiben muss.“ Der ehemalige Bauingenieur verweist dabei auf Kostensteigerungen in der Bau- und Energiebranche.
Ein Instrument, das zum Abkühlen der Gemüter beitragen könnte, sieht Wolfram Hey im Mietspiegel. Mit seiner Hilfe wäre immerhin klar, nach welchen Maßstäben eine Miete im Bestand erhöht werden könne, betont er. Dass in Eberswalde ein Mietspiegel vorliegt, begrüßt Hey entsprechend.

Mietspiegel als bewährtes Instrument

„Wir sind der Meinung, dass sich das Thema bewährt hat.“ Der Vereinsvorstand plädiert daher dafür, das Instrument auch künftig beizubehalten – wenn auch  auf einer überarbeiteten und aktualisierten Datengrundlage. „Wenn es einen Mietspiegel gibt, gibt es auch ein geregeltes Miteinander“, so sein Befund. Und dies wäre schon mal ein wichtiger Baustein, erhitzten Gemütern entgegenzuwirken.