Wohnraum
: Durchschnittsmieten bis 5,23 Euro

Der DGB fordert, dass die Mieten bezahlbar bleiben müssen. Eberswaldes Vermieter warnen vor Panikmache.
Von
Sven Klamann
Eberswalde
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Gewerkschaftsaktion auf dem Marktplatz: Regionsgeschäftsführer Sebastian Walter tauscht sich mit Iris Billing, Jürgen Mähl und Gewerkschaftssekretärin Evelyn Beyer (v. l.) über die Mietpolitik in Eberswalde, im Barnim und in Brandenburg aus.

Sören Tetzlaff

„Allein zwischen 2014 und 2018 sind die durchschnittlichen Mieten im Barnim um 18,5 Prozent gestiegen“, sagt Sebastian Walter, Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Ostbrandenburg, der im Bereich des ehemaligen Bezirkes Frankfurt (Oder) 50 000 Mitglieder vertritt. Dieser Entwicklung müsse Einhalt geboten werden, findet der Gewerkschaftsfunktionär, der zugleich Spitzenkandidat der Brandenburger Linken für die Landtagswahl am 1. September ist.

Auf dem Marktplatz unterstützen viele Passanten die Forderungen des DGB, zu denen gehört, dass bundesweit die Mietpreisbremse ausgebaut und das Mietrecht gestärkt werden sollte. „Die Mietpreisbremse ist ein zahnloser Tiger, weil sie kommunal gar nicht gilt“, betont Sebastian Walter.

Die Gewerkschaftsaktion ist für mehrere junger Leute, die sich in der offenen Gruppe „Recht auf Eberswalde“ zusammengetan haben, ein willkommener Anlass, auf dem Marktplatz gelbe Zettel mit einem Aufruf zu verteilen.  Am 6. April ab 12 Uhr wollen mit möglichst vielen Sympathisanten „Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“ demonstrieren. Treffpunkt ist auch an diesem Tag der Marktplatz.

Beim Verein Haus und Grund, einem Zusammenschluss von privaten Immobilienbesitzern, dessen 170 Mitglieder in Eberswalde über etwa 1200 Wohnungen verfügen, dürfte das Motto der Demo für Unverständnis sorgen. „Wir haben stichprobenartig ermittelt, dass die Durchschnittsnettokaltmiete, die Haus und Grund–Mitglieder in Eberswalde erheben, zwischen 5 und 5,20 Euro pro Quadratmeter liegt“, sagt der Vereinsvorsitzende Wolfram Hey. Vor fünf Jahren seien es im Durchschnitt netto noch etwa 4,50 Euro gewesen. Die Spanne bewege sich von etwa 3,60 bis etwa 8 Euro.

Für Doreen Boden, die bei der stadteigenen Wohnungsbau– und Hausverwaltungs GmbH (WHG) die Kundenbetreuung leitet, steht fest, dass dass Wohnen in Eberswalde bezahlbar ist. Dafür spreche zum Beispiel, dass der Wohnflächenverbrauch pro Kopf bei der WHG seit Jahren steige und inzwischen bei mehr als 40 Quadratmeter liege.

Im Dezember vorigen Jahres habe die durchschnittliche Miete der WHG, die in Eberswalde über 5795 eigenen Wohnungen verfügt, bei 5,23 Euro pro Quadratmeter gelegen. Seit Mai 2017 seien keine Mieterhöhungen nach Mietspiegel gegenüber den Mietern geltend gemacht worden. Auch in den Jahren davor habe es nur Mietpreiserhöhungen zwischen 1,5 und 2,5 Prozent gegeben — inklusive Neuvermietung nach Sanierung und Renovierung nach Mieterwunsch, erklärtsie.

„Damit lag die reale Mieterhöhung noch darunter“, sagt Doreen Boden. Die WHG sei bei Mieterhöhungen stets unterhalb der gesetzlichen Regelungen geblieben. Überdies verweist die Leiterin der Kundenbetreuung darauf, dass das Unternehmen auch Wohnungen in energetisch nach dem neuesten Stand sanierten Häusern mitten in der Stadt für 4,90 Euro pro Quadratmeter neu vermietet — so an der Kantstraße 35.

Bei der Wohnungsgenossenschaft 1893, die 3069 vermietete Wohnungen besitzt, liegt die Durchschnittsmiete bei 4,97 Euro pro Quadratmeter, 2014 waren es noch 4,49 Euro pro Quadratmeter. Die Spanne liegt zwischen 3,50 und 8,75 Euro. „Wir werden immer Wohnungen in unterschiedlichen Segmenten anbieten – das machen auch alle anderen Vermieter so“, betont Claudia Riethbaum, die für Marketing & Genossenschaftsleben verantwortlich ist. Bezahlbarkeit sei ein individueller Wert.