Wohnungsmarkt
: Vermieter und Mieter in Sorge

Auch in Eberswalde ziehen die Mieten an
Von
Viola Petersson
Eberswalde
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  • Die Töpferhöfe: Hier entstehen Eigentumswohnungen. Aber nicht jeder Eigentümer zieht auch selbst ein. Über Makler werden Wohnungen derzeit zur Miete angeboten, für zehn Euro/qm.

    Die Töpferhöfe: Hier entstehen Eigentumswohnungen. Aber nicht jeder Eigentümer zieht auch selbst ein. Über Makler werden Wohnungen derzeit zur Miete angeboten, für zehn Euro/qm.

    Sören Tetzlaff www.barnim-foto.
  • Preiswert, aber immer seltener nachgefragt: die Platte. Im Brandenburgischen Viertel bietet TAG beispielsweise für Studenten Wohnungen für 3,50 Euro/qm an.

    Preiswert, aber immer seltener nachgefragt: die Platte. Im Brandenburgischen Viertel bietet TAG beispielsweise für Studenten Wohnungen für 3,50 Euro/qm an.

    Sören Tetzlaff www.barnim-foto.
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Die aktuelle Debatte in Berlin um Mietpreisbremse, Mietendeckel, Enteignung großer Immobilienkonzerne bewegt bundesweit Mieter und Vermieter. Auch in Eberswalde. Die offene Gruppe „Recht auf Stadt“ fordert mehr bezahlbare Wohnungen und mehr Transparenz in der Mietenpolitik. Der Verein „Haus und Grund“ wiederum befasste sich jüngst mit der Frage, welche Auswirkungen möglicherweise ein Mietendeckel für die Barnimer Kreisstadt hätte.

„Wir haben nicht die eine Antwort und kein Patentrezept“, sagt Vorsitzender Wolfram Hey. Gleichwohl sehe der Verein die Einführung dieses Instruments als kritisch an. „Die Ökonomie geht doch auch an uns nicht vorbei“, so Hey. Die Unterhaltungskosten für Immobilien steigen, Handwerker- und Baupreise explodieren förmlich. „Wie soll da ein Mietendeckel funktionieren?“, fragt er sich. Er und seine Mitstreiter befürchten einen Reparaturstau sowie nur noch „zögerliche Sanierungen“, wenn die Mieten über fünf Jahre festgeschrieben würden und eben nicht angepasst werden dürften.

Investitionsstau befürchtet

Dass das Berliner Beispiel – dort war der Mietendeckel Mitte Juni beschlossen worden – Schule macht, diese Gefahr sehen die Eberswalder sehr wohl. „Bremen hat ja auch schon angekündigt, das Modell übernehmen zu wollen.“ Die Berliner Kollegen von „Haus und Grund“ hatten mit Blick auf den erwarteten Beschluss zum Stopp von Mietsteigerungen ihren Mitgliedern die Empfehlung gegeben, noch schnell den Zins zu erhöhen.

Im Eberswalder Verein sind laut Hey etwa 170 private Vermieter organisiert. Die würden etwa 1200 Wohnungen besitzen. „Zumeist sind das Eigentümer von fünf bis zehn Wohnungen, die bei uns Mitglied sind.“ Bundesweit lägen die Mieten bei „Haus und Grund“-Eigentümern um bis zu 20 Prozent unter den örtlichen Mietspiegeln. Dies gelte auch für Eberswalde. „Oft wohnen die Eigentümer mit im Haus. Da spielt die persönliche Nähe zum Mieter eine große Rolle“, so Hey. Der Rechtsfrieden sei vielen wichtiger als vielleicht die eigentlich mögliche Miete. In Joachimsthal, nennt der Vorsitzende ein Beispiel, gebe es Wohnungen für 3,50 Euro/qm, viele Vermieter in Eberswalder nehmen 4,60 Euro. Handelt es sich um einen gut sanierten Altbau seien 6,50 Euro durchaus üblich. Wer sich in den einschlägigen Portalen umschaut, wird allerdings feststellen, dass sich Angebote unterhalb der Fünf-Euro-Marke fast auf Wohnungen in der DDR-Platte beschränken.

1893 kämpft gegen Leerstand

Trotz Leerstands steigen auch in Eberswalde die Mieten. Die Gruppe „Recht auf Stadt – Für ein solidarisches Eberswalde“ fordert deshalb: „Gutes Wohnen ist ein Menschenrecht und darf nicht ökonomischen Zwängen unterliegen.“ Sie will mit der Stadtpolitik in Dialog treten. Etwa zur aus Sicht der Initiative notwendigen Reform der kommunalen WHG. „Sanierungen für eine gutverdienende Klientel verdrängen Menschen aus innerstädtischen Quartieren“, konstatieren die Akteure. Damit müsse Schluss sein. Die Initiative regt u. a. die Förderung von Zwischennutzungskonzepten bei Leerstand an, Wohnungstausch ohne Kaltmietenerhöhungen oder die Option von Eigensanierungen.

Für die Genossenschaft 1893, zweitgrößter Akteur auf dem Eberswalder Wohnungsmarkt, hat u. a. die Leerstandsbeseitigung Priorität. Dank umfangreicher Anstrengungen sei es per 30. Juni gelungen, erstmals die Marke von 500 Wohnungen zu unterschreiten. Gleichwohl seien allein im Brandenburgischen Viertel 423 Wohnungen verwaist. Das sind laut Vorstand „zehn leere Häuser“, allesamt in einem unvermietbaren Zustand.

WHG weitet Angebot an geförderten Wohnungen aus

Die Stadt Eberswalde und ihr Wohnungsunternehmen, die WHG, haben gerade eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Demnach weitet die kommunale Gesellschaft ihr vorhandenes Angebot von aktuell 206 mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnungen aus und stellt stadtweit 486 Wohnungen zusätzlich zur Verfügung. Damit gibt es dann 692 Wohnungen für Bürger mit geringem Einkommen. Das sind laut WHG fast zwölf Prozent ihres Bestands. Voraussetzung für den Bezug ist ein Wohnungsberechtigungsschein (WBS). Die Mieten liegen bei 4,90 (1. Förderweg) bzw. 6,00 €/qm (3. Förderweg). Momentan gibt es 30 freie Wohnungen in diesem Segment.⇥vp