Der Großteil der anwesenden Ausschussmitglieder würdigte den Brieskow-Finkenheerder Amtsdirektor Danny Busse nur selten eines Blickes. Wenn überhaupt. Den Grund für diese merkwürdige Stimmung benannte Amtsdirektor Danny Busse in seinen Informationen: Gegen ihn sei ein Abwahlverfahren eingeleitet worden, erklärte er. Mehrere Ausschussmitglieder hätten einen entsprechenden Antrag, der am 16. April in der Amtsverwaltung eingegangen war, unterzeichnet. Eine Begründung für das Abwahlbegehren enthält der Antrag nicht. Und über die Gründe werde auch niemand öffentlich sprechen, sagte der Finkenheerder Gemeindevertreter Lars Wendland, offenbar einer der Initiatoren des Antrags, auf Nachfrage: Die Unterzeichner hätten Stillschweigen vereinbart.
Es gibt aber nicht nur keine Begründung für den zunächst von acht der 13 Ausschussmitglieder unterzeichneten Abwahlantrag. Es gibt nicht nur keine offen vorgetragenen Vorwürfe, keine Hinweise auf irgendwelche Verfehlungen, nichts. Nein – der Amtsausschuss verweigert dem Amtsdirektor auch die Möglichkeit, zu möglichen Vorwürfen der Unterzeichner Stellung zu nehmen. Ausschlaggebend für den Abwahlantrag soll dem Vernehmen nach Kritik an der Personalpolitik des Amtsdirektors sein. Danny Busse beantragte daher am Donnerstag, einen Tagesordnungspunkt zur Personalpolitik zusätzlich auf die Tagesordnung der Ausschusssitzung zu setzen. Im nicht öffentlichen Teil der Sitzung wollte er seine Personalpolitik und die Personalentwicklung der vergangenen Jahre erläutern, wollte sich den Kritikern stellen. Doch diese wollen ihm überhaupt nicht zuhören, wollen nicht mit ihm reden. Sie lehnten seinen Antrag auf Ergänzung der Tagesordnung mehrheitlich ab. Nur die Vertreter Ziltendorfs im Amtsausschuss stimmten dafür.
Am 28. Mai soll auf einer extra anberaumten Sitzung des Amtsausschusses über den Abwahlantrag entschieden werden. Laut Brandenburger Kommunalverfassung muss über den Antrag ohne Aussprache abgestimmt werden. Da der Ausschuss dem Amtsdirektor die Möglichkeit, sich zu erklären, verweigert hat und es vor dem 28. Mai keine weitere Ausschusssitzung geben wird, wird der Ausschuss abstimmen, ohne Danny Busse vorher anzuhören.
"Dem Amtsdirektor keine Möglichkeit zu geben, sich zu erklären, ist ungezogen", sagte am Freitag der Ziltendorfer Bürgermeister Danny Langhagel. "Dass sich alle anderen Ausschussmitglieder darin einig waren, Danny Busse nicht zu Wort kommen zu lassen – das hat uns wirklich entsetzt." Der Amtsausschuss habe Danny Busse im Sommer 2015 einstimmig wiedergewählt und ihm damit auch einstimmig die Verantwortung für die Personalpolitik des Amtes übertragen.
Eine Abwahl würde den Amtshaushalt erheblich belasten. Denn das Amt müsste Danny Busse bis zum Ende seiner Dienstzeit im Januar 2024 etwa 75 Prozent der Bezüge weiterzahlen. Warum ein Großteil der Amtsausschussmitglieder dies in Kauf nehmen möchte, wird nicht offen kommuniziert. Einem der Unterzeichner des Antrags werden seit längerem Ambitionen nachgesagt, sich selbst um den Posten des Amtsdirektors bewerben zu wollen.
Danny Busse bestätigte am Freitag, dass im Vorfeld des Abwahlantrags niemand mit ihm gesprochen habe. "Der Antrag hat mich völlig überrascht, es stehen nach wie vor keine offiziellen Vorwürfe im Raum." Der Ausschussvorsitzende habe ihm telefonisch eine Anhörung zugesichert – die kommt nicht zustande. Die Fairness hätte es geboten, vorher mit ihm das Gespräch zu suchen, betonte er. Dass das nicht passiert ist, "das ist menschlich sehr enttäuschend". Er kündigte an, alle Ausschussmitglieder, Fachbereichsleiter und den Personalrat des Amtes zu einem klärenden Gespräch einzuladen – und zwar noch vor dem 28. Mai.