Ärztemangel: Ärzte in Eisenhüttenstadt stoßen an Grenzen

Etwa 800 Patienten sind in den ersten drei Monaten vom Augenzentrum in Eisenhüttenstadt behandelt worden. Doch die Lage bleibt angespannt. (Symbolbild)
Jens Wolf/dpaZeit und Patienten sind limitiert
Doch die Hoffnung, die viele hatten, dass sie nun mal eben zeitnah einen Check beim Augenarzt machen können, die konnte nicht erfüllt werden – und das hat Gründe.
„Die Regularien begrenzen unsere tägliche Arbeit“, betont Augenärztin Anne Wildeck, die in Fürstenwalde, Beeskow und Eisenhüttenstadt Patienten betreut. Es gibt nämlich für Ärzte ein Zeit- und Patientenbudget. „Wenn man das überschreitet, muss man sich gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung erklären“, erklärt sie das Dilemma. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) habe beispielsweise vorgegeben, dass die aktuell zwei Augenärzte im Eisenhüttenstädter Augenzentrum pro Woche insgesamt 15 Stunden arbeiten können. Zudem gebe es für Augenärzte generell ein Patientenkontingent von 1500 Patienten pro Arzt und Quartal.
Im Falle von Anne Wildeck bedeutet das, dass sie an allen drei Standorten jeweils 500 Patienten betreuen dürfte. Auf ihre Kollegin, die ebenfalls in diesen drei Orten aktiv ist, trifft dasselbe zu. Theoretisch würden beide diese Zahlen schon ohne Eisenhüttenstadt erreichen. Überschreiten die Ärzte diese Vorgaben permanent, könnte die KV die Zulassung für die Augenärzte im Augenzentrum in Eisenhüttenstadt streichen. Doch soweit soll es nicht kommen: „Wir haben die KV im März zu einem Gespräch eingeladen“, sagt Peter Haubold-Kretschmer, Optometrist und Geschäftsführer des Augenzentrums. „Wir hoffen, dass wir die Situation dann weiter verbessern können.“
„Momentan müssen wir viele Terminanfragen abweisen“, gibt Anne Wildeck unumwunden zu. In Notfällen aber schaue der Arzt sich die Patienten immer an. Wobei der Arzt entscheide, was ein Notfall ist. Manchmal gehe sie bei Anfragen sogar selbst zur Patientenannahme vor, um zu schauen, ob es sich um eine akute Augenerkrankung handele und die Person behandelt werden muss. Und Fakt sei auch, dass aus Eisenhüttenstadt derzeit überdurchschnittlich viele Notfälle an die Augenklinik in Frankfurt überwiesen werden müssen, weil nur eine OP das Augenlicht retten kann. Normal seien zwei bis drei Überweisungen pro Woche, in Eisenhüttenstadt seien es teilweise zwei bis drei pro Tag. Das sei auch eine Herausforderung für die Frankfurter Kollegen, weiß die Ärztin.
Hinzu kommt, auch aus Frankfurt versuchen viele Menschen ihr Glück im Eisenhüttenstädter Augenzentrum. Sie wollen einen Termin – ohne Erfolg. „Wir können sie nicht aufnehmen“, meint Peter Haubold-Kretschmer. Man habe es schließlich noch nicht mal geschafft, alle Patienten aus Eisenhüttenstadt und Umgebung, die gegenwärtig noch nach Beeskow zur Untersuchung fahren, in Eisenhüttenstadt in den Terminplan zu integrieren. Das bleibe aber das Ziel. Die, die bereits von Anne Wildeck und ihrer Kollegin in Eisenhüttenstadt behandelt wurden, gehören damit zum festen Patientenstamm und bekommen auch Termine für notwendige Kontrollen und Behandlungen.
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung KV?
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) versteht sich als Dienstleister für Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten und Patienten. Bundesweit gibt es 17 Kassenärztliche Vereinigungen. Dachorganisation ist die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Das Berliner Abkommen 1913 legte erstmals die Rahmenbedingungen für die Verträge zwischen Krankenkassen und niedergelassenen Ärzten fest. Während der Weimarer Republik 1931 wurden die Kassenärztlichen Vereinigungen gegründet. Damit gab es erstmals eine Interessenvertretung für Kassenärzte und eine Verteilungsorganisation der Ärztehonorare.⇥red
