ArcelorMittal Eisenhüttenstadt
: Für Reise zurück in die DDR, Zeitzeugen gesucht

Für eine Reise zurück in die DDR werden Geschichten aus dem Eisenhüttenkombinat Ost (EKO) in Eisenhüttenstadt gesucht. Wer erinnert sich zum Beispiel an die Österreicher oder die Wendezeit?
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Das im Bau befindliche Konverterstahlwerk bei EKO in Eisenhüttenstadt Anfang der 1980er-Jahre.

Das im Bau befindliche Konverterstahlwerk bei EKO in Eisenhüttenstadt Anfang der 1980er-Jahre.Wer erinnert sich an die Zeit und die Österreicher? Für eine Reise zurück in die DDR werden Zeitzeugen gesucht.

Archiv ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH
  • Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ sucht Zeitzeugen für DDR-Geschichten aus dem EKO in Eisenhüttenstadt.
  • Geschichten über Produktion, Frauenarbeit, Freizeit und Westkontakte sollen bis Mai 2026 inszeniert werden.
  • Im Fokus: Bau des Konverterstahlwerks (1981–1984) durch Österreicher und Auswirkungen auf die Stadt.
  • Auch Japaner waren in den 1980ern im Werk tätig und lebten im Arbeiterwohnheim an der Karl-Marx-Straße.
  • Interessierte können sich per E-Mail oder Telefon bei der Theatergruppe melden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die 75-jährige Geschichte von Eisenhüttenstadt und dem hiesigen Stahlunternehmen mag historisch gesehen eher kurz sein, Geschichten aber gibt es en masse. Viele davon werden vor allem zum Jahresende wieder hervorgekramt, wenn unterm Weihnachtsbaum alte Fotobücher die Runde machen. Allerdings bleiben all die lustigen, traurigen oder aber spannenden Storys eben oft in den eigenen vier Wänden hängen und erreichen so nur wenige Ohren.

Das könnte sich jetzt ändern, denn die Theatergruppe „Das letzte Kleinod“, die in Eisenhüttenstadt schon im ehemaligen Hotel Lunik und auf dem Werksgelände für viel Applaus gesorgt hat, steht in den Startlöchern für das nächste Projekt namens „Hüttenwerk“. Einmal mehr wird es dabei um die DDR-Zeit gehen, teilt das Kleist Forum in Frankfurt (Oder) mit, das wie schon bei „Jacqueline“ mit der Theatergruppe aus Niedersachsen zusammenarbeitet.

Bereits im Mai 2026 sollen Geschichten rund um das Eisenhüttenkombinat Ost (EKO) und die Verbindungen zum Westen in dem Theaterstück „Hüttenwerk“ erzählt werden.

Theatergruppe sucht Zeitzeugen für das EKO zu DDR-Zeiten

Die Premiere wird allerdings nach jetzigen Plänen nicht in Eisenhüttenstadt, sondern in Frankfurt (Oder) stattfinden, dann geht das Theaterstück als Eisenbahntheater auf die Reise durch die Bundesrepublik.

Für die Vorbereitungen werden nun ehemalige Mitarbeitende gesucht, die dem Theater über das EKO zu DDR-Zeiten berichten können. Von Interesse sind dabei die Bereiche der Produktion, die Arbeit von Frauen, der Versorgung der Kinder, Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und der Ferienheime. Die Wendezeit, die Treuhand und der Arbeitskampf zur Rettung des Werkes – über all das möchten die Theaterleute mehr erfahren. „Besonders interessant wären Erzählungen über Westkontakte“, heißt es in der Mitteilung, mit der Zeitzeugen gesucht werden.

Und da fällt natürlich jedem Eisenhüttenstädter, der bereits in den 1980ern gelebt hat, der Bau des Konverterstahlwerkes durch den österreichischen Betrieb Voestalpine ein. Von 1981 bis 1984 wurden den Unterlagen zufolge etwa 1,3 Millionen Kubikmeter Erdmassen bewegt, 80.000 Tonnen Ausrüstungen und Anlagen sowie 230.000 Kubikmeter Beton verarbeitet. Und es kamen Massen an Österreichern in die erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden.

Die Schillingallee in Eisenhüttenstadt

In Spitzenzeiten sollen bis zu 3.500 Arbeiter aus zehn Nationen auf der gigantischen Baustelle fürs Stahlwerk beschäftigt gewesen sein. Für die Arbeiter wurde ein extra Wohncamp am Pohlitzer Fließ errichtet, natürlich streng abgeriegelt und eine Tabu-Zone für DDR-Bürger. „Im Camp selbst haben wir gut gelebt. Man ist viel ausgegangen, in die Stadt oder nach Frankfurt gefahren. Manche haben an den Wochenenden die ganze DDR kennengelernt. Und wenn wir mal rauswollten, haben wir uns ins Auto gesetzt und sind nach West-Berlin, zum Kino und anderen Vergnügungen.“ So ist Horst Stifter von VoestAlpine – er war Campleiter in Eisenhüttenstadt – in „Einblicke – 50 Jahre EKO Stahl“ zitiert.

Zu dieser Zeit hat die Leninallee, die heutige Lindenallee in Eisenhüttenstadt, übrigens den Spitznamen Schillingallee bekommen. Stifter erinnert sich an eine Begebenheit im damaligen Fahrzeugladen: Da habe man zwei österreichische Instandhalter wie Außerirdische angesehen, als sie gleich zwei Mopeds mitnehmen wollten. Denn damals seien zwei Jahre Wartezeit auf so ein Gefährt normal gewesen.

In dem „Einblicke“-Buch der EKO Stahl GmbH aus dem Jahr 2000 heißt es an anderer Stelle, dass die räumliche Abschirmung Kontakte zwischen Arbeitskräften aus Österreich und der DDR nicht verhindern konnte. Aber: „Das soziale Gefüge der Stadt geriet durch die Anwesenheit einer solch großen Anzahl devisenbringender Gäste gehörig durcheinander.“ Und für manch junge Eisenhüttenstädterin sei die Partnerschaft zu einem ausländischen Montagearbeiter das „Sprungbrett in den Westen“ gewesen. Allerdings längst nicht für jede.

Auch Japaner waren in Eisenhüttenstadt

Aber vielleicht erinnert sich ja auch noch ein ehemaliger EKO-Mitarbeiter an die Japaner, die ebenfalls in den 1980ern im Werk gearbeitet haben. Damals wurde ein neues Reversiergerüst im Kaltwalzwerk errichtet, kurz nachdem das Konverterstahlwerk 1984 eingeweiht worden war.  Damals gaben sich die großen Konzerne aus der westlichen Welt im Eisenhüttenkombinat Ost sozusagen fast die Klinke in die Hand. Die Japaner waren aber mit wesentlich weniger Leuten vor Ort und wohnten im Arbeiterwohnheim an der Karl-Marx-Straße.

Nach über 20 Jahren kehrt Hideo Sakamoto für einen Tag nach Eisenhüttenstadt zurück / In den 80ern arbeitete der Japaner im EKO

Japaner in Eisenhüttenstadt: Stolz posieren japanische Techniker in den 1980ern vor dem Walzgerüst im Kaltwalzwerk des damaligen Eisenhüttenkombinates Ost (EKO).

Hideo Sakamoto

Die Interviews für das „Hüttenwerk“ sollen in Kürze in Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) geführt werden. Interessenten können sich per E-Mail an post@das-letzte-kleinod.de melden oder aber anrufen unter der Telefonnummer 04749 1030061.

Das neue Projekt der Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ wird nicht nur in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Kleist Forum, sondern auch mit Unterstützung des Fonds Darstellende Künste realisiert.