ArcelorMittal Eisenhüttenstadt
: Milliarden für grünen Stahl – Stimmen zur Förderzusage

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat ArcelorMittal Eisenhüttenstadt und Bremen eine milliardenschwere Förderzusage überbracht. Hier sind erste Reaktionen und weitere Baustellen.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Besuch bei ArcelorMittal Bremen: Robert Habeck, Bundeswirtschaftsminister, hat am 5. Februar 2024 gute Nachrichten für die Stahlstandorte Eisenhüttenstadt und Bremen im Gepäck gehabt. Auch Dirk Vogeler (ganz links), der Betriebsratsvorsitzende von ArcelorMittal Eisenhütenstadt, war vor Ort.

Kerstin Rolfes

„Wir sind durch ... Das Projekt wird genehmigt werden – in dem vollen Umfang, der für Eisenhüttenstadt und Bremen erforderlich ist.“ Diese Worte von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Grüne) bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung der Stahlwerker in der Hansestadt gingen vielen runter wie Öl. Eingeladen dazu hatten der Betriebsrat und die IG Metall.

In den sozialen Medien reagiert der Stahl-Konzern ArcelorMittal mit der Aussage: „Der erste wichtige Schritt ist gemacht! Der Minister und Vizekanzler hat die Förderung der Transformation an den Standorten in Bremen und Eisenhüttenstadt in Aussicht gestellt. Es geht um rund 1,3 Milliarden Euro.“ Das Investitionsvolumen des Gesamtprojekts an beiden Flachstahlstandorten ist noch deutlich höher, liegt demnach bei 2,5 Milliarden Euro.

ArcelorMittal: Das ist in Bremen und Eisenhüttenstadt geplant

Als nächsten Meilenstein gibt das Unternehmen die Fertigstellung der technischen Detailplanung an. Aber was genau ist eigentlich geplant? Zum einen sollen Elektrolichtbogenöfen zur Stahlherstellung in Bremen und in Eisenhüttenstadt gebaut werden, die nach Angaben von ArcelorMittal „perspektivisch mit erneuerbarem Strom und erhöhtem Einsatz von Recyclingschrott“ produzieren sollen.

Zudem ist in Bremen eine Direktreduktionsanlage (DRI-Anlage) geplant, die die Hochöfen zur Roheisenherstellung an beiden Standorten überflüssig macht. Mit der DRI-Anlage soll aus Eisenerz das Vorprodukt Eisenschwamm hergestellt werden, zuerst mit Erdgas und langfristig mit grünem Wasserstoff. Der Eisenschwamm soll in Bremen sowie in Eisenhüttenstadt zur emissionsreduzierten Stahlherstellung genutzt werden. Bremen wird Eisenhüttenstadt damit beliefern.

Robert Habeck, Bundeswirtschaftsminister, in einer Gesprächsrunde bei ArcelorMittal Bremen am 5. Februar 2024. Auch bei einer Belegschaftsversammlung hielt er eine Rede.

Kerstin Rolfes

Rahmenbedingungen müssen stimmen

Die Worte von Bundeswirtschaftsminister Habeck signalisierten auch: Der EU-Bescheid, der die staatlichen Zuschüsse für das Transformationsprojekt erlaubt, wird kommen. Letztlich scheint es nur noch ein bürokratischer Akt zu sein. Doch genau dies führt zu einer noch immer eher vorsichtigen Stellungnahme seitens ArcelorMittal, dass die finanzielle Förderung vorbehaltlich der Zustimmung durch die EU-Wettbewerbsbehörde in Brüssel komme.

Zudem wird darauf verwiesen, dass die endgültige Investitionsentscheidung bei ArcelorMittal noch ausstehe, dass weitere Schritte erforderlich seien. Und natürlich geht es dabei auch um die Rahmenbedingungen, also um bezahlbaren Strom und grünen Wasserstoff in ausreichenden Mengen.

Dennoch überwog in Bremen Erleichterung und Freude.

Das sagt ArcelorMittal-Chef Reiner Blaschek

Reiner Blaschek, der neue Chef von ArcelorMittal Europe – Flachstahl-Produkte, wird wie folgt zitiert: „Mit unserer Konzernstrategie XCarb® arbeiten wir an einem wegweisenden Projekt für die Zukunft der Stahlproduktion – auch in Bremen und Eisenhüttenstadt. Nach langer Bewertungszeit bei den Behörden sind wir froh, mit dieser Nachricht der Bundesregierung nun den nächsten Schritt Richtung klimaneutraler Stahlherstellung in Deutschland gehen zu können: Damit ist die erste Hürde genommen.“

Mit der Nutzung von grünem Wasserstoff könnte ArcelorMittal ihm zufolge bis 2030 mehr als 6,3 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid jährlich einsparen und 3,4 Millionen Tonnen CO₂-reduzierten Stahl in Eisenhütten herstellen. Blaschek weiter: „Die nächste Hürde werden ausreichende Mengen von erneuerbarer Energie und grünem Wasserstoff sein – und das zu wettbewerbsfähigen Preisen.“

Die Belegschaft des Bremer Stahlwerkes applaudiert, als Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) bei einer Betriebsversammlung die lang erhoffte Förderzusage für den Umbau der Stahlwerke in Bremen und Eisenhüttenstadt verkündet. Der Bund unterstütze die Umstellung auf klimaneutral produzierten Stahl an den Standorten von ArcelorMittal in Bremen und Eisenhüttenstadt.

Sina Schuldt/dpa

Auch Thomas Bünger meldet sich zu Wort

Thomas Bünger, neuer Vorsitzender der Geschäftsführungen von ArcelorMittal Bremen und Eisenhüttenstadt, erklärt: „Mit dieser Ankündigung aus Berlin können wir weiter arbeiten an der Vorbereitung für die Transformation unserer Standorte. Im ersten Schritt bis 2030 planen wir eine Reduzierung der CO₂-Emissionen um rund 60 Prozent. Jetzt gilt es, gemeinsam mit unseren motivierten Teams vor Ort die nächsten Schritte für die Umstellung in Angriff zu nehmen: In den nächsten zwölf Monaten werden wir die ingenieurtechnische Detailplanung vorantreiben.“

Thomas Bünger war zuletzt als CEO beim Zinnbergbau-Erschließungsunternehmen First Tin mit Sitz in London tätig, im Februar 2024 hat er die Nachfolge von Reiner Blaschek angetreten.

Das sagen die Betriebsratsvorsitzenden

Dirk Vogeler, Betriebsratsvorsitzender bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, der bei der Bekanntgabe in Bremen dabei war, sagt: „Der Umbau unseres Werks in Eisenhüttenstadt ist notwendig, damit wir auch in Zukunft Stahl in Eisenhüttenstadt herstellen können. Unser Standort ist ein wichtiger Pfeiler für Industrie und Beschäftigung in Brandenburg. Für die Transformation brauchen wir die finanzielle Unterstützung als klares Bekenntnis der Politik. Das ist ein wichtiges Zeichen, um die Kolleginnen und Kollegen auf dem Weg der Transformation mitzunehmen, denn ohne sie werden wir es nicht schaffen!“

Zudem erklärte Vogeler, dass der Bundeswirtschaftsminister gesagt habe, dass der Druck, den unter anderem Betriebsräte und Gewerkschaft in den letzten Monaten gemacht hätten, bei der Entscheidungsfindung geholfen habe.

Vogelers Kollege, Mike Böhlken, Betriebsratsvorsitzender bei ArcelorMittal Bremen, begrüßte, dass Robert Habeck auf Einladung von Betriebsrat und IG Metall mit „dieser guten Botschaft nach Bremen gekommen ist“. Das Signal der Bundesregierung sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. „Grüner Stahl ist Zukunft der Hütte. Dieser Weg geht nur zusammen mit der Belegschaft. Jetzt müssen wir diese soziale Transformation gemeinsam meistern“, so Böhlken.

ArcelorMittal Bremen: Robert Habeck (r.) verkündet die lang erhoffte Förderzusage für den Umbau der Stahlproduktion in Eisenhüttenstadt und Bremen. CEO Thomas Bünger (ganz links) und Reiner Blaschek von ArcelorMittal Europe (daneben) sind live dabei.

Sina Schuldt/dpa
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