ArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Warnstreik – 600 Stahlarbeiter legen Arbeit nieder

Warnstreik bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt am 5. Dezember 2023: Neben der Aktion am Haupttor (Foto), wurden auch andere Werkstore bestreikt.
Volker WartmannEin Warnstreik hat in den Morgenstunden des 5. Dezember zur Schließung der Werktore bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt geführt. 600 Industriearbeiter beteiligten sich nach Angaben der IG Metall daran. Die Schranken wurden nur in Notfällen geöffnet – das galt für die, die auf das Gelände des Stahlunternehmens wollten, aber auch für die, die es verlassen wollten.
Die IG Metall hatte zu in mehreren Betrieben zum Warnstreik aufgerufen, um der Tarifforderung nach mehr Geld und kürzeren Arbeitszeiten noch mehr Gehör zu verschaffen.
Zwei statt drei Stunden – aus diesem Grund
„Die Arbeitgeber haben noch immer kein Angebot vorgelegt, das den Beschäftigten einen Ausgleich für die starke Belastung durch die Inflation bietet. Daher erhöhen wir in dieser Woche den Druck“, erklärte Dirk Schulze, IG Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer für die ostdeutsche Stahlindustrie, zu Beginn der Woche.
Am 5. Dezember war der Start einer sogenannten Warnstreik-Welle – und zwar nicht bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt. Nach Angaben der IG Metall waren an jenem Tag auch folgenden Unternehmen in Eisenhüttenstadt dabei: die ArcelorMittal Eisenhüttenstadt Transport GmbH, Imperial Con-Pro GmbH, ArcelorMittal Eisenhüttenstadt Recycling GmbH, ArcelorMittal Eisenhüttenstadt Forschungs- und Qualitätszentrum GmbH und die Vulkan Energiewirtschaft Oderbrücke (VEO).
Zunächst sollte von 6 bis 9 Uhr an den Toren des Stahlunternehmens gestreikt werden. „Drei Stunden waren im Gespräch“, sagt Holger Wachsmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg. Und so hatte es die Gewerkschaft auch den Medien gemeldet. Doch letztlich entschied man sich für zwei Stunden Warnstreik von 6 bis 8 Uhr statt 6 bis 9 Uhr – jedenfalls für den Beginn.
Wachsmann schließt nicht aus, dass die Streikzeit erweitert wird, sollte es zu einer nächsten Aktion kommen.
Kam es zum Stau an den Toren?
Die ist dann wahrscheinlich, wenn bei der nächsten Verhandlungsrunde in dieser Woche aus Sicht der IG Metall kein ausreichendes Angebot der Arbeitgeberseite folgt.
Beim Warnstreik am 5. Dezember hat es ihm zufolge keine Zwischenfälle gegeben.
Von der Streikaktion bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt waren vor allem die Tore, 1 (Hauptwache), 2 (Schönfließer Wache) und 3. (Einfahrt zu VEO und dem Roheisenwerk) betroffen. Laut Holger Wachsmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg, kam es nicht zu massiven Staus, aber ein paar Fahrzeug-Schlangen hätten sich doch gebildet – vor allem gegen 8 Uhr.
Außerhalb von Brandenburg wurde am 5. Dezember auch bei den Schmiedewerken Gröditz in Dresden und Riesa gestreikt. Insgesamt hatten laut IG Metall etwa 800 ostdeutsche Stahlarbeiter die Arbeit niedergelegt.
Am 6. Dezember finden Aktionen in Sachsen und Sachsen-Anhalt statt.
Hintergrund Warnstreik
Die Arbeitgeber haben eine Entgelterhöhung um 3,1 Prozent für 15 Monate angeboten. Die IG Metall fordert eine Erhöhung der Monatsentgelte um 8,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem will sie eine Arbeitszeitverkürzung durchsetzen. Dies lehnten die Arbeitgeber bisher ab.
Auf die weiteren Forderungen der IG Metall nach Beschäftigungssicherung, Altersteilzeit und einer Regelung zu Werkverträgen gingen sie bisher nur vage ein, teilte die Gewerkschaft mit.
Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 7. Dezember als gemeinsame Verhandlung für die nordwestdeutsche und ostdeutsche Stahlindustrie verabredet.


