Ausbildung in Eisenhüttenstadt: Lehre bei ArcelorMittal – warum Jugendliche das wollen

Schnupperkurs an der Drehmaschine: Schüler Carlo Schneider (15, re.) aus Wiesenau stellt in der Nacht der Ausbildung bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt unter Anleitung von Lehrling Oliver Weniger Räder für ein Metallauto her. Was reizt Jugendliche an einer Ausbildung in einem Industrieunternehmen?
Frank GronebergDass die Drehmaschine für ihn etwas Neues ist, das ist Carlo Schneider anzusehen. Respektvoll folgt er den Erklärungen von Oliver Weniger, Lehrling im zweiten Lehrjahr. Und als dieser ihn dazu auffordert, selbst an die Maschine zu treten und seine ersten Drehversuche zu machen, zögert der 15-Jährige, will nicht so recht ran an die Technik.
Doch das Zögern währt nur kurz. Mit Ruhe und Konzentration, mit sicherer Hand und mit Unterstützung des Lehrlings setzt der Zehntklässler, der in Wiesenau zu Hause ist, die Anweisungen um und stellt so mit seiner eigenen Hände Arbeit an der Drehmaschine, die mehr als doppelt so alt wie er selbst ist, zwei kleine Räder aus Metall her.
Etwas Bleibendes schaffen
Zwei Räder für ein Faltauto mit Gummiantrieb, das er wie viele andere jugendliche Besucher der Nacht der Ausbildung im Berufsbildungszentrum von ArcelorMittal am Freitagabend (29. September) Stück für Stück, Station für Station selbst herstellt. Erst fertigen die jungen Leute an verschiedenen Maschinen die einzelnen Teile, dann fügen sie die Teile zusammen. So ist das fertige kleine Auto letztlich das Ergebnis ihrer eigenen Hände Arbeit.
Ist es das, was eine Ausbildung bei ArcelorMittal auch heute für junge Menschen interessant macht? Etwas Bleíbendes zu schaffen? „Ich möchte etwas Praktisches machen“, sagt Carlo Schneider. Der Schnupperkurs an der teilautomatisierten Drehmaschine habe ihm schon mal gut gefallen. Der Beruf des Industriemechanikers sei eine Möglichkeit, „ich will aber auch mal bei den Elektronikern reingucken“.
Attraktives Lehrlingsgeld
Und was reizt ihn speziell an ArcelorMittal? Das Unternehmen sei ein attraktiver Arbeitgeber, weiß Carlo. „Von meinen Bekannten arbeiten mehrere Leute im EKO, die erzählen nur Gutes.“ Auch vom Partner seiner Mutter, der im Werk arbeitet, habe er schon viel erfahren. Er wisse, dass – wenn er die Ausbildung ordentlich absolviert – eine Übernahme garantiert sei. Und 1000 Euro Lehrlingsgeld brutto im ersten Lehrjahr seien „eine gute Summe“, nennt Carlo einen weiteren Grund. „Also zu 80 Prozent steht für mich fest, dass ich mich im EKO bewerbe.“

An der Pneumatik-Schalttafel: Levi Fischer (15, li.) aus Vogelsang baut eine Versuchsanordnung auf. Industriemechaniker-Lehrling Ole Fischer (19), zweites Lehrjahr, leitet den Schüler an.
Frank GronebergDie Nacht der Ausbildung 2023 – sie wird von künftigen Schulabgängern rege genutzt. Informiert wird über technische und kaufmännische Berufe genauso wie über die Möglichkeiten eines dualen Studiums und die Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann oder zur Werkfeuerwehrfrau. Den Beruf des Industriemechanikers favorisiert Levi Binder aus Vogelsang. Der 15-Jährige steht an einer Pneumatik-Schalttafel und baut unter Anleitung von Lehrling Ole Fischer (19) einen Versuchsaufbau zusammen.
Ausbildung nah am Wohnort
„Ich will auf jeden Fall im EKO die Lehre machen“, erklärt der Schüler. Das stehe für ihn fest. Die Ausbildung finde nah am Wohnort statt und „man hört viel Gutes übers EKO“. Das Lehrlingsgeld sei „wirklich gut“, nennt auch er einen für ihn wichtigen Aspekt. Und das praktische Arbeiten ist für ihn nichts Neues: „Zu Hause schraube ich gern an meinem Moped.“

Mit dem Lötkolben: Besucher Tilo Luedecke (17) aus Müllrose baut mithilfe von Emily Demmin (18), Lehrling im zweiten Lehrjahr, eine Schreibtischlampe mit LED.
Frank GronebergHohe Arbeitsplatzsicherheit
Für eine duale Ausbildung – Lehre als Industriemechaniker und paralleles Maschinenbaustudium – interessiert sich Tilo Luedecke. Der 17-Jährige wohnt in Müllrose und ist Schüler des Gauß-Gymnasiums in Frankfurt (Oder). „Dass ich im EKO anfangen will, das steht fest“, betont der junge Mann. „Mein Vater arbeitet hier, Oma und Opa haben hier gearbeitet.“
Er habe schon mehrmals die Nacht der Ausbildung bei ArcelorMittal besucht, erzählt er, während er an einer Werkbank eine Nachttischleuchte mit LED selbst baut – mit Unterstützung von Emily Demmin, Elektronikerlehrling im zweiten Lehrjahr. „Das EKO ist ein sehr attraktiver Arbeitgeber“, weiß er. „Die Bezahlung ist sehr gut, die Arbeitsplatzsicherheit ist sehr gut. Und ich will ohnehin hier in der Region bleiben.“ Ob er sofort mit der dualen Ausbildung beginnt oder erst eine Lehre macht und danach das Studium absolviert – darüber müsse er noch nachdenken, sagt Tilo Luedecke.

Altes Handwerk: Yanik Hohenstein (20), Industriemechaniker-Lehrling im zweiten Lehrjahr, führt in der Nacht der Ausbildung das Schmieden vor. Im Hintergrund entspannt sich ein Besucher in einem motorgetriebenen Dreirad.
Frank GronebergDie Nacht der Ausbildung bei ArcelorMittal – sie zieht auch 2023 Jugendliche aus der gesamten Region und auch von weiter her an. Neben Informationen zur Ausbildung gibt es Angebote zum Mitmachen, Entspannen und Ausprobieren. Und sogar ein Schmied zeigt sein Können: Yanik Hohenstein, Industriemechanikerlehrling im zweiten Lehrjahr, bearbeitet auf einem Amboss glühenden Stahl mit einem schweren Hammer. „Zur Ausbildung gehört das zwar nicht“, erklärt der 20-Jährige. „Aber das Schmieden ist ja auch Metallverarbeitung. Und ich habe da Übung: Mein Vater und ich schmieden zu Hause hobbymäßig.“


