Awo-Kunstwerkstatt: Ferienlager weckt Kreativität
„Auch diesmal waren wieder 13 Schüler dabei“, freut sich Elke Drobbe von der Awo. Freilich hätten es auch noch einige mehr sein können. Ein einwöchiges Ferienlager, wo Kunst vermittelt wird, ist aber auch nicht alltäglich. So dachte etwa die zehnjährige Sonja, dass man vorgegebene Kunstaufgaben abarbeiten muss. „Dem ist nicht so“, sagt Helga Lappe. Seit vielen Jahren ist die einstige Lehrerin die künstlerische Leitfigur im Camp.
„Am ersten Tag steht die Findungsphase“, erklärt die Kunstkennerin. „Das ist der schwierigste Teil.“ So wird mit den Kindern darüber philosophiert, wie man das diesjährige Thema Wasser, Luft, Feuer und Erde zu Kunstwerken umsetzen kann. Die Formen der künstlerischen Ausdrucksweise für die Kinder sind mit Collage, Tusche und Bauen grob umrissen, aber nicht endgültig festgelegt.
„Man kann alles machen“, betont Helga Lappe. Kistenweise hat sie Material aus ihrer eigenen Kunstwerkstatt mitgebracht. Die Kinder sollen schließlich ihre eigenen Ideen entwickeln. „In der Schule geht es mehr um Zensuren als um das Schöpferische“, sagt die pensionierte Lehrerin. In der Gesellschaft gebe es schon lange den Trend, „dass immer weniger Menschen den Wert kreativer Arbeit erkennen“, hat sie festgestellt. „So geht viel schöpferisches Potenzial verloren“. Den Kindern gefällt die künstlerische Freiheit. Viele besuchen wiederholt die Sommerkunstwerkstatt.
So auch Robert. Ihm macht es großen Spaß in der Bremsdorfer Mühle. „Am Vormittag und bis zum Nachmittag beschäftigt man sich mit Kunst, dann ist Freizeit“, erklärt er. „Mit Unterricht hat das aber nichts zu tun“. Gerade flammt er ein Astgebilde mit einem Brenner ab. Den oberen Teil hat er mit roter Farbe angemalt. Es ist nicht leicht, Feuer in der Kunst darzustellen. „Feuer ist schon was Cooles, man kann aber auch viel Unsinn damit anstellen“, findet er. Arbeitsergebnis ist sein Feuerteufel, der später, wie auch die anderen Stücke der Kinder, in der Sparkasse in Eisenhüttenstadt ausgestellt wird.
Kunst soll provozieren
Zu sehen sind dann auch Miriams Kunstwerke. Ihre Collage ist mit Naturmaterialien, einem Federballschläger, Augen und einer Brille bestückt. Einen tieferen Sinn dahinter gibt es nicht, so die Schülerin. „Ich fand es einfach nur schön“. Das ist völlig okay, findet Helga Lappe. Kunst soll provozieren und die Kinder sollen alles ausprobieren. Einige tolle Projekte sind mit Kerzenruß auf Karton entstanden. Eine Idee von Helga Lappe, die die Kinder begeistert umsetzten.
Lina hat zwei sehenswerte Collagen aus Scherenschnitten erstellt. Eine Collage zeigt ihr Gesicht von der heilen Welt bis zur Traurigkeit. „Es hat mir richtig gut gefallen“, sagt sie zum Schluss der Woche im Ferienlager. Ein Tenor, den alle Kinder teilen. Wenn 2020 die Sommerkunstwerkstatt zum 24. Mal stattfindet, werden sich wohl viele wiedersehen.

