Bevölkerungsentwicklung
: Die Stahlstadt schrumpft weiter

Eisenhüttenstadt liegt nun unter der 24 000-Marke. Die Entwicklung macht sich im Haushalt bemerkbar.
Von
Stefan Lötsch
Eisenhüttenstadt
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Symbolbild

pixabay

Denn im August des vergangenen Jahres ist die die Einwohnerzahl von Eisenhüttenstadt erstmals seit 1960 unter die 24 000 Marke gerutscht. Demnach hatte die Stahlstadt im August 2018 23 986 Einwohner, so viel, wie zuletzt 1960. Die Daten, die mit zeitlicher Verzögerung erscheinen, wurden jüngst vom Landesamt für Statistik veröffentlicht. Im Vergleich zu August 2017 hat die Stadt mehr als 800 Einwohner verloren.

Wobei die Zahl des Landesstatistik-Amtes nicht ganz unstrittig ist – zumindest in Eisenhüttenstadt. Denn die Verwaltung hat eine eigene Zählung, die im Schnitt auf rund 1000 Einwohner mehr kommt. Das hängt mit der Zensus-Volkszählung zusammen, wo 2011 Eisenhüttenstadt auf einen Schlag durch statistische Bereinigung 3000 Einwohner verloren hat. Eine Klage dagegen hat die Stadt allerdings verloren.

Bei der Frage, wie viel Einwohner die Stahlstadt nun hat, geht es allerdings um mehr als nur um das Prestige, sondern um bares Geld. Denn die amtliche Bevölkerungszahl ist Grundlage für die Berechnung der Schlüsselzuweisung, die die Stadt vom Land erhält. Die ist eine wesentliche Einnahmequelle der Stadt, macht fast ein Fünftel der Einnahmen aus. Kämmerin Gudrun Grund hat in den vergangenen Monaten immer mal wieder darauf aufmerksam gemacht, dass diese Einnahmequelle aufgrund der Einwohnerentwicklung nicht mehr so kräftig sprudeln könnte, was nun nach und nach eintritt.

Schlüsselzuweisung sinkt

Tatsächlich machen sich die Bremsspuren jetzt schon bemerkbar. In einer Ergebnis-Prognose zum städtischen Haushalt hatte die Kämmerei zur Stadtverordnetenversammlung im November mitgeteilt, dass sie davon ausgeht, dass „aufgrund der weiter sinkenden Einwohnerzahlen und dem leicht gesunkenen vom Land Brandenburg errechneten Grundbetrag“ die Stadt 259 000 Euro weniger Schlüsselzuweisungen einnimmt. Das wird zwar zum Teil dadurch ausgeglichen, dass die Stadt weniger Umlage an den Kreis zahlen muss, unterm Strich bleibt ein Minderertrag.

Und noch in einer anderen Position macht sich der Einwohnerrückgang negativ bei den Einnahmen bemerkbar. So stehen die Konzessionsabgaben, die Energieversorger für ihre Leitungen für die Nutzung über bzw. unter städtischem Gebiet zahlen müssen, im unmittelbaren Zusammenhang zur Einwohnerzahl. Bei weniger als 25 000 Einwohnern wird eine niedrigere Abgabe festgelegt. Im vergangenen Jahr hat sich das mit einem Minderertrag von 122 000 Euro bemerkbar gemacht.

Zuschuss in der Kritik

Nun mögen diese Summe angesichts von Einnahmen in Höhe von mehr als 50 Millionen Euro kaum beachtenswert und vernachlässigbar erscheinen. Man kann auch eine andere Rechnung anstellen. So ist derzeit die Höhe des Zuschusses für die Stadtbibliothek in der Kritik. Es gibt Bestrebungen den Zuschuss zu kürzen, Leistungen einzuschränken. Die Mindereinnahmen aus Schlüsselzuweisung und Konzessionsabgabe, die in direktem Zusammenhang mit der sich verringerten Einwohnerzahl stehen, entsprechen in etwa dem jährlichen Zuschuss für die Stadtbibliothek.

Das Jahr 1988 warder Wendepunkt

Eisenhüttenstadt hat nicht nur eines der größten Flächendenkmale in Deutschland und war die erste sozialistische Stadt auf deutschen Boden. Auch in anderer Hinsicht hat Eisenhüttenstadt eine Sonderstellung. Kaum eine andere Stadt hat wohl innerhalb so kurzer Zeit einen solchen Wandel vollzogen. 1955, damals noch Stalinstadt, gab es gut 15 000 Einwohner. In den Folgejahren gab es bei den Einwohnerzahlen nur einen Trend: nach oben. 1988 betrug die Einwohnerzahl 53 000. Seitdem hat sich der Trend umgekehrt. 2014/2015 erlebte die Stadt durch die Flüchtlingskrise noch einmal eine Zunahme.⇥lö