Das ist schon ein Lichtblick für die Zukunft, wenn man sieht, wie interessiert die Jugendlichen doch sind.“ Ralf Hillburger, Geschäftsführer des Qualifizierungscentrums  der Wirtschaft (QCW) in Eisenhüttenstadt, klingt fast schon erleichtert, so als habe er eine solche Erfahrung wie die der vergangenen Tage mal wieder gebraucht. Auch die Zahl 13 kommt darin vor. Denn Hillburger konnte mit seinen Mitarbeitern 13 Teenager der Wriezener Grund- und Oberschule „Salvador Allende“ in seinen Räumlichkeiten begrüßen.

Automatisierung im Fokus

Im Rahmen einer Berufsorientierungsmaßnahme standen die Schlüsselkompetenzen für digitales Arbeiten im Fokus. „Praxislernen bieten wir schon seit dem Jahr 2008 an, aber dieses Projekt ist eine Premiere“, betont Ines Kuther, die das QCW-Team vom Orientierungszentrum leitet. Die Schüler sollen eben nicht nur theoretisch arbeiten, sondern Wirtschaft und dort vor allem den Bereich Automatisierung live erleben und auch anfassen. Aus diesem Grund gab es unter anderem Ausflüge ins Warmwalzwerk von ArcelorMittal und in die Papierfabrik der Progroup in Eisenhüttenstadt.
Und warum gerade mit Schülern aus Wriezen in Märkisch-Oderland? „Die Schule hat sich bei uns gemeldet“, berichtet Ines Kuther.

High-Tech selbst erleben

Die betreuende Lehrerin Birgit Albrecht kann auch begründen warum: „Bei uns gibt es solche Unternehmen nicht.“ Von daher seien den Jugendlichen viele Berufe gar nicht wirklich präsent. Als sich die Chance bot, griff die Lehrerin für Wirtschaft, Arbeit, Technik (WAT) sofort zu. Offensichtlich ist sie nicht enttäuscht worden. „Ich hoffe, wir tragen das jetzt in die Schule.“ Dort sind die Neunt- und Zehntklässler nun auch wieder. Doch das Projekt ist noch nicht beendet. Im Endeffekt sollen sie nicht nur präsentieren, was sie erlebt und gelernt haben, sondern ihr Wissen auch nutzen, um einen 3D-Drucker zu produzieren. Damit dies möglich ist, hat das QCW einen solchen Drucker mit nach Wriezen geschickt. „Die jungen Menschen sollen sehen, dass und wie es möglich ist, High-Tech-Maschinen selbst herzustellen“, sagt der QCW-Chef.

16-jähriger Schüler will Programmierer werden

Die Technologie hat die Schüler, die eine Woche lang mit dem Bus nach Eisenhüttenstadt und zurück gependelt sind,  bereits in der Stahlstadt fasziniert. „Ich möchte mal Programmierer werden“, erzählt Nick Taeschner. Der Wunsch des 16-Jährigen hat sich während der Projektzeit manifestiert.  Er wolle in der Schule noch mal Gas geben, sagt er. Denn vor allem Physik und Mathematik gehören zu den Fächern, die bei einer Bewerbung eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Auch das wurde ihm und den anderen mit auf den Weg gegeben.
„Ich fand das schon sehr spannend“, sagt Luca Meißner. Sowohl das Warmwalzwerk als auch die Papierfabrik hätten ihn fasziniert. Außerdem sei das mal eine etwas andere Art von Unterricht und Berufsorientierung gewesen.

Die Mädchen waren bei den Robotinos vorn

Auch der Tag, als sie sich in Zusammenarbeit mit dem Oberstufenzentrum mit Robotersystemen wie dem Robotino beschäftigt haben, wird der 14-Jährige nicht so schnell vergessen. „Da waren die Mädchen übrigens die Ersten, die es geschafft haben, die Robotinos geradeaus fahren zu lassen“, sagt Lehrerin Birgit Albrecht anerkennend und auch etwas überrascht.
Möglich geworden ist diese praktische Berufsorientierung durch die Initiative Sekundarstufe I, die durch das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg gefördert wird. „Es wäre schön, wenn das Projekt die Runde macht“, betont Ines Kuther. „Wir würden uns freuen, wenn andere Schulen folgen.“

Qualifizierungscentrum der Wirtschaft (QCW)


Seit der Gründung im Jahr 1990 als hundertprozentige Tochter der ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH bietet das QCW Berufsorientierung, Ausbildung, Weiterbildung und Beratung in Brandenburg an. Als Impulsgeber und Partner der Wirtschaft entwickelt die GmbH fortwährend Bildungskonzepte, die sich aus den Bedarfen der Kunden ergeben. In Kooperation mit Schulen und Projektförderern erhält eine Vielzahl von jungen Menschen durch das QCW bereits während der Schulzeit eine berufliche Orientierung. Mit der Durchführung der Verbundausbildung trägt das Unternehmen zudem dazu bei, dass die duale Berufsausbildung gestärkt und weiterentwickelt wird.