Brauchtum: Ein neuer Balkon als Bühne für das Eisenhüttenstädter Turmblasen
Der Klang schien noch besser
Ganz besonders war dieser Dienstag auf jeden Fall, denn die Musik ertönte von der anderen Seite der Straße. Der Balkon einer leer gezogenen Wohnung wurde kurzerhand zur Bühne. Warum diese Änderung? Helga Boehm, die langjährige Begleiterin dieser Veranstaltung ist umgezogen, sodass ihr Balkon nicht mehr zur Verfügung stand. Eine Familie aus dem gleichen Hochhaus, die sich zunächst bereiterklärt hatte, ihren Balkon zur Verfügung zu stellen, konnte das aus organisatorisch–beruflichen Gründen doch nicht gewährleisten. „So haben wir nach einer Lösung gesucht und sie gemeinsam mit der Gebäudewirtschaft in dieser Wohnung und auf diesem Balkon gefunden. Für nächstes Jahr sind wir am Überlegen, welche Variante es dann gibt, denn es soll und wird mit dieser Tradition weitergehen“, bemerkte Nicole Renner von der Stadtverwaltung, die gleichzeitig allen Beteiligten dankte.
Chris Görlitz aus Vogelsang, Bruno Walter und Arno Märker aus Eisenhüttenstadt, Lucas Schindler aus Diehlo, Ralf Schiller aus Coschen und Marcus Elger aus Buckow ließen sodann auf dem Balkon die ersten Töne erklingen und begeisterten die zahlreichen Gäste in der Lindenallee. Noch besser als vom Hochhaus war die Musik zu hören.
Und während die einen in stiller Umarmung lauschten und ihren Gedanken nachhingen, trafen sich andere mit Bekannten und Freunden und tauschten Erlebnisse aus. Auch Picknick war angesagt: mit Kaffee, Punsch, Stollen und Keksen — ein Treffen im Vereinskreis mitten in der Lindenallee. „Das machen wir schon seit Jahren und es sind immer mehr Leute geworden, sogar aus mehreren Generationen. Auch das ist Weihnachten für uns“, erzählte Renate Marpert vom SV Sprite 07 aus Fürstenberg, der sich vordergründig in Aerobic übt. Wer nichts mitgebracht hatte, bekam entsprechende Getränke an den vier Imbisswagen und genoss das Bad in der Menge mit etlichen anderen Eisenhüttenstädtern, für die dieses Turmblasen in der Lindenallee zu einem festen Ritual am Heiligen Abend vor der Bescherung in der City geworden ist.
Dass die Sperrung der Straße bereits erstmals ab 11 Uhr realisiert wurde, davon war nicht jeder Händler in der Lindenallee begeistert. Denn dort waren die Geschäfte bis 12 Uhr geöffnet. Im nächsten Jahr soll es da eventuell eine Änderung geben.

