Club in Eisenhüttenstadt: Zum 50. ein eigenes Lego-Modell, Party im Marchwitza

Der Club Marchwitza in Eisenhüttenstadt als Klemmbaustein-Modell. Die fleißigen Erbauer haben nach Angaben des Clubs sogar maßstabsgetreu gebaut.
Janet Neiser- Der Club Marchwitza in Eisenhüttenstadt wird 50 Jahre alt und feiert mit zwei Events.
- Am 12. Juni 2026 zeigt die Theater-AG ein Erlebnistheater zu 50 Jahren Clubgeschichte.
- Am 13. Juni 2026 spielen die Cobblestones – dazu gibt es Grill mit Bio- und veganen Optionen.
- Der Club bietet ganzjährig Kultur- und Jugendarbeit mit über 50 Veranstaltungen pro Jahr.
- Unterstützt wird der Club von Stadt, Landkreis und der Kulturklubstiftung von ArcelorMittal.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Als der Phoenixx-Club im Frühjahr geschlossen wurde, hieß es immer wieder, er sei der letzte Club in Eisenhüttenstadt gewesen. Das stimmt zwar, wenn man unter einem Club eine nächtliche Partylocation versteht – aber eben nur dann. Denn es gibt noch einen Club in Eisenhüttenstadt: den „Hans Marchwitza“. Und der wird in diesem Jahr tatsächlich 50 Jahre alt.
Ein Club kann nämlich mehr sein als ein Ort, an dem getanzt und getrunken wird. Er kann auch ein Zusammenschluss von Menschen mit einem gemeinsamen Hobby sein oder ein Clubhaus als Ort der Begegnung und Kultur. Genau das ist der „Marchwitza“, der am 6. Oktober 1976 eröffnet wurde.
Der „Marchi“, wie er auch liebevoll genannt wird, hat die politische Wende und schon manchen finanziellen Engpass überlebt, wird vom Verein „Interkultur Vielfarben“ getragen und mit Leben gefüllt. Er bietet, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Aber nicht nur das: Die Vereinsmitglieder prägen das Kulturleben und die Jugendsozialarbeit in Eisenhüttenstadt auch über die Lokalität im Grünen hinaus mit.
Eine Geburtstagsparty an zwei Tagen im Marchwitza
Konzerte, Theater- und Kabarettabende gibt es. Aber im Marchwitza treffen sich auch Chorsänger, Laienschauspieler, Menschen, die gern nähen, tanzen oder Keramik lieben. Yoga wird ebenso angeboten wie Dirtbiken am Hang und Nähen. Sogar Ferien-Workshops gehören seit Jahren dazu. Auf mehr als 50 Veranstaltungen pro Jahr komme man, sagt Anne Krapp, die eine von zwei Teilzeitkräften im „Marchi“ ist. Ohne die vielen Ehrenamtler würde das alles gar nicht funktionieren.
Wer einmal im Marchwitza war, schätzt die familiäre Atmosphäre – das gilt für Künstler und Besucher. Nicht wenige kehren immer wieder zurück. Auch die Band, die zur 50. Geburtstagsparty spielen soll, ist nicht das erste Mal in dem Clubhaus. Die Rede ist von den Cobblestones. Die wollen dem Publikum am Abend des 13. Juni 2026 mit handgemachtem Irish und Scottish Folk einheizen.
Und da gute Musik immer auch hungrig macht, wird es auch Bio-Würstchen und vegane Alternativen vom Grill geben. Mit an Bord ist dafür der Bioladen Calendula aus der Erich-Weinert-Allee.
Warum der Geburtstag vorverlegt wird? „Weil wir gern draußen feiern möchten“, sagt Anne Krapp. Im Herbst sei das Wetter schon wieder unbeständiger.
Aber die Party am Samstag ist bereits Teil 2 der Geburtstagssause. Einen Tag vorher, am 12. Juni 2026, gibt es eine Reise durch 50 Jahre Clubgeschichte. Die wird von der Theater-AG des Marchwitza gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Clubhauses präsentiert. Zu dem Erlebnistheater und zu dem Konzert ist jeder eingeladen, der Lust auf Kultur und Stadtgeschichte hat.
Rund um den eigentlichen Geburtstag im Oktober 2026 ist ein weiteres Highlight geplant, ein Konzert mit New Way to Escape. Da steht dann selbstgeschriebener Indie-Rock „Made in Eisenhüttenstadt“ auf dem Programm.
Buntes Programm über den Geburtstag hinaus
Aber auch zwischendurch lohnt ein Blick auf das, was im Marchwitza läuft. Hier nur ein paar Beispiele: Für die Sommerferien-Angebote kann man sich schon jetzt anmelden. Andreas Schirneck wird auf der Bühne stehen. Erstmals seit Jahren soll es wieder ein etwas anderes Weihnachtskonzert geben, das mit dem klassischen Chorgesang nichts zu tun hat und eher als Alternative gedacht ist für die, die vor all den Traditionen fliehen wollen.

Der Club Marchwitza in Eisenhüttenstadt feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag.
Janet NeiserDer Marchwitza ist eine Art Kultur-Oase in der Stahlstadt, abseits vom Mainstream und trotzdem ganz dicht dran an den Menschen verschiedener Generationen. Die sind offensichtlich mächtig dankbar und haben den Marchi mal eben maßstabsgetreu als Lego-Modell nachgebaut.
Gäste aus der Altersgruppe zwischen 25 und 40 sind laut Anne Krapp rar gesät. „Die fehlen“, betont sie, fügt aber erfreut hinzu, dass man vor allem die jungen Leute in den 20ern jüngst mit den Escape Rooms angesprochen habe. „Für uns war das ganz interessant zu sehen, welches Angebot man möglicherweise stricken muss, um auch dieser Zielgruppe mal ein Angebot zu unterbreiten.“
Stadt, Landkreis und Stiftung unterstützen den Club Marchwitza
Die Immobilie in den Diehloer Bergen gehört der Stadt Eisenhüttenstadt. Aus deren Stadtkasse fließen jährlich auch Mittel in den Marchi – schon allein wegen der Betriebskosten. Der Landkreis ist ebenfalls an Bord, genau wie die einst für den Marchi gegründete Kulturklubstiftung von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt.

Wilden irisch-schottischen Partyfolk mit Tanz-Garantie, Charme und Witz – das bieten die Männer der Band Cobblestones. Die sorgt bei der Geburtstagsparty im Club Marchwitza für Stimmung.
Martin LendtSeit der Wende wird das Überleben des Clubs immer schwieriger, nicht nur weil Zuschüsse aufgrund von Sparzwängen drastisch reduziert wurden, sondern auch weil die Betriebs- und Lebenshaltungskosten gestiegen sind.
Geburtstagssause: Erlebnistheater zu 50 Jahre Marchwitza am 12. Juni, 18 Uhr, Konzert der Cobblestones am 13.6. mit Grillstand, Einlass ab 19 Uhr. Club Marchwitza, Diehloer Berge 6, Tel. 03364 46047, E-Mail info@marchwitza.de
Hans Marchwitza
Hans Marchwitza wurde 1890 in Oberschlesien geboren und starb im Alter von 74 Jahren 1965 in Potsdam-Babelsberg. Er war ein deutscher Arbeiterdichter, Schriftsteller und Kommunist. In seinem Buch „Roheisen“ (1955) beschreibt Marchwitza den Aufbau des Eisenhüttenkombinats in der ersten sozialistischen Planstadt auf deutschem Boden – einst Stalinstadt, heute Eisenhüttenstadt.

