Corona
: In der Region Eisenhüttenstadt wird gegen Maskenpflicht verstoßen

Viele Menschen tragen in Eisenhüttenstadt und Umgebung beim Einkaufen die Maske gar nicht oder tragen sie falsch.
Von
Frank Groneberg
Eisenhüttenstadt
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Schutz auch für ihre Kunden: Saskia Hoffmann trägt in der Schlaubetal-Information in Müllrose eine Maske.

Frank Groneberg/MOZ

Die junge Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, ist am Donnerstag bei weitem nicht die einzige Person, die im Marktkauf–Supermarkt die gesetzliche Pflicht zum Bedecken von Mund und Nase ignoriert. Die Mehrheit der Kunden hat sich eine Maske aufgesetzt, viele bedecken aber lediglich ihren Mund und lassen die Nase frei — womit der beabsichtigte Schutzeffekt gleich null ist. Und mehrere tragen ihre Maske unterm Kinn, hätten sie also eigentlich gleich in der Tasche lassen können. Auch Benjamin Krüger hat seine Schutzmaske beim Betreten des Supermarktes zwar aufgesetzt, dann aber tief unters Kinn gezogen. „Ich komme gerade von der Arbeit und mit der Maske fange ich immer schnell an zu schwitzen“, entschuldigt sich der 31–Jährige. „Ich weiß ja, dass die Masken andere Leute schützen sollen, aber das Schwitzen darunter ist sehr unangenehm.“ Dafür desinfiziere er aber immer alles, versichert er.

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Viele Verstöße gegen Maskenpflicht

„Eisenhüttenstadt trägt Maske“, hatten wir am 15. Juli getitelt und berichtet, die große Mehrheit der Eisenhüttenstädter halte sich beim Einkaufen an die Pflicht zur Bedeckung von Mund und Nase. Der Bericht beruhte auf Beobachtungen an einem Tag bei Aldi, Lidl und Netto–Markendiscount in Eisenhüttenstadt, beschrieb also eine Momentaufnahme. Nach der Veröffentlichung meldeten sich mehrere Leser und wiesen darauf hin, dass der beschriebene Eindruck nur teilweise der Realität entspricht. Vor allem in kleineren Geschäften gebe es Verstöße gegen die Vorschriften. Und auch aus mehreren Apotheken wurde berichtet, immer wieder müssten Kunden erst deutlich auf die Vorschriften hingewiesen werden.

Sind also die Menschen hier in der Region vielleicht doch Maskenmuffel? Nein, jedenfalls nicht mehrheitlich, ergab eine erneute, diesmal etwas breiter angelegte Beobachtung. Allerdings: Der Anteil der Maskenmuffel scheint größer zu sein als befürchtet. In der Bäckerei Schlüter in Müllrose zum Beispiel passiere es immer wieder mal, dass Kunden die Maske in der Hand tragen oder gar nicht mithaben, erzählt eine Verkäuferin. „Wir weisen sie auf die Maskenpflicht hin und die meisten setzen dann eine auf.“ Nur einzelne Verweigerer gingen los, ohne etwas zu kaufen.

Bei Edeka in Müllrose haben Verweigerer keine Chance — dort kontrolliert nach wie vor ein Sicherheitsmitarbeiter das Tragen der Masken. In der Schlaubetal–Information in Müllrose trügen etwa 95 Prozent der Besucher von vornherein eine Maske, berichtet Mitarbeiterin Saskia Hoffmann. Wer keine trage, werde freundlich, aber bestimmt auf die Regeln hingewiesen und hole sie dann aus dem Auto.

Freie Nase bietet keinen Schutz

Bei Kaufland in Eisenhüttenstadt ist beim Besuch am Donnerstagnachmittag niemand zu entdecken, der keine Maske trägt; oft ist aber nur der Mund bedeckt. Im City–Center dagegen wird die Maskenpflicht weitgehend ignoriert, jedenfalls in der Halle. Ein Großteil der Kunden setzt seine Schutzmaske erst beim Betreten der Geschäfte auf, obwohl Mund und Nase im gesamten Einkaufszentrum bedeckt werden müssen.

„Ich finde es unfair uns gegenüber, keine Maske aufzusetzen“, sagt die Verkäuferin aus der Müllroser Bäckerei, „diese Kunden gefährden ja vor allem uns. Wir tragen unsere Masken fünf, sechs Stunden am Tag. Ist es da wirklich zu viel verlangt, die Maske beim Einkaufen für zehn oder 20 Minuten zu tragen?“

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