Deutsch-polnisches Projekt
: Retter für Fähre in Aurith gesucht

Brieskow-Finkenheerd lässt in letztem Moment das Fährprojekt zwischen Aurith und Urad scheitern.
Von
MOZ
Aurith/Urad
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  • Blick von Aurith nach Urad. Dort hat man die Anlegestelle schon vorbereitet, sie muss nur angefahren werden.

    Blick von Aurith nach Urad. Dort hat man die Anlegestelle schon vorbereitet, sie muss nur angefahren werden.

    Peggy Lohse
  • Dieser Aussichtsturm war in Urad geplant.

    Dieser Aussichtsturm war in Urad geplant.

    Gmina Cybinka
  • Sommerfest 2015 in Aurith/Urad mit kleinem Fährverkehr

    Sommerfest 2015 in Aurith/Urad mit kleinem Fährverkehr

    Jörg Hanisch
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Eine entscheidende Abstimmung im Ausschuss des Amtes Brieskow-Finkenheerd stand an, dem federführenden Antragsteller für das EU-Projekt. Schon damals ging es darum, das Vorhaben vor dem Aus zu bewahren, nachdem die Vertreter der anderen Gemeinden im Februar die Streichung des Postens aus dem Haushalt bestimmt hatten. Es gebe keinen Grund, nach Urad zu fahren, da sei nichts zu sehen, äußerte da ein Ausschussmitglied.

Nein nach acht Jahren

Die Wiederbelebung der Fährverbindung, die es bis 1945 einmal gab, ist für viele ein Traum. Aurither Bürger kamen in den Ausschuss und gaben ihren verletzten Hoffnungen Ausdruck. Letztlich konnte das Nein nochmal rückgängig gemacht werden. Doch ein Jahr und eine Kommunalwahl später zerfleischt man sich im Amtsausschuss selbst.

Amtsdirektor Danny Busse soll abgesetzt werden und mit ihm das Fährprojekt, das er Jahrelang vorantrieb. Man redet nicht miteinander, die Gründe sind unklar. „Eine gefühlte Benachteiligung von Seiten der anderen Gemeinden gegenüber Ziltendorf, wo die Fähre stehen würde“, glaubt Danny Langhagel, Bürgermeister von Ziltendorf, dem angesichts des endgültigen Aus „eine Träne im Auge“ stehe. Angesichts der fehlenden Unterstützung haben letztlich auch die Ziltendorfer selbst den fertig vorliegenden Zuwendungs- und Partnerschaftsverträgen über Interreg-Fördermittel von knapp einer halben Million Euro nicht zugestimmt.

Acht Jahre war alles vorbereitet worden. In Aurith sollte von dem Geld ein Anleger und das Fährboot entstehen, in Urad ein Aussichtsturm. „Unkomfortabel waren die Mehrheiten immer“, sagt Langhagel. Rund 30 000 Euro hätten die Amtsgemeinden noch aufbringen müssen, 18 000 wurden schon ausgegeben. „Wir sind die Totengräber des Projekts“, sagt er. „Besonders der Vertrauensverlust ist schlimm für die Leute, die sich für die Sache oft ehrenamtlich eingesetzt haben“, meint dazu Amtsdirektor Busse.

2013 hatten die Ziltendorfer das Vorhaben auf Amtsebene gehoben, weil die Fähre ihnen als Gemeinde eine Nummer zu groß wurde. Dabei sollte damals noch die polnische Partnergemeinde Cybinka federführend sein und sich um den Fährbetrieb kümmern. Das schien dort kostengünstig und unbürokratischer zu sein. Die Deutschen waren Co-Partner. Nachdem in Cybinka der Bürgermeister wechselte, gaben die Polen die Federführung aber doch ab. Es kam zum Rollentausch, auf die deutsche Seite entfiel mehr Verantwortung.

In Auriths Schwesterdorf Urad seien die Leute „erstaunt“ angesichts des Rückziehers, sagt Ortsvorsteherin Ilona Kazmierczak diplomatisch. Jahrelang habe man auf touristische Entwicklung gehofft, sogar bereits aus eigener Kraft die Anlegestelle in Urad gebaut, ein Radweg nach Cybinka sollte entstehen. Für den Aussichtsturm gab es schon die Planung. Die Gemeinde Cybinka schrieb auf ihrer Facebookseite: Die deutsche Seite habe sich vom Fährprojekt zurückgezogen, Gründe seien „politische Veränderungen“. „Das Ende der EU“, kommentierte ein Nutzer darunter alarmiert.

Gebremster Enthusiasmus

Die Zeit enthusiastischer EU-geförderter Tourismusprojekte in der Grenzregion scheint vorbei. Aber es gibt auch andere Gründe für die wachsende Verzagtheit. Die einzige 2007 erfolgreich zu Wasser gelassene Oderfähre in Güstebieser Loose bleibt wegen Wasserstand und Witterung oft an Land. Ein privater Investor fand sich nicht, die Gemeinde Mieszkowice betreibt sie aus eigener Kraft. Auch das Oder-Ausflugsschiff „Zefir“, dessen Bau von der EU einst gefördert und vom Bürgermeister der Stadt Nowa Sól vorangetrieben worden war, betreibt seither ein Verein polnischer Gemeinden. Dessen Marketing könnte besser sein. Dann die Trockenheit der letzten Jahre, die massive Ausfallzeiten beschert.

Amtsdirektor Busse war aber zuversichtlich, dass die Aurither Fähre einen privaten Betreiber findet, wenn erstmal die Infrastruktur da ist. Interesse habe es gegeben, sagt er. „Beim Treidelkahn in Groß Lindow funktioniert das Modell gut“, so Busse. Gerettet werden könnte die Fähre jetzt aber nur noch durch einen neuen Leadpartner. Der Landkreis Oder-Spree? „Warum nicht? Ich habe ein fertiges Projekt mit überschaubaren Kosten abzugeben“, sagt Busse. Unterlagen, Verträge, Genehmigungen, Machbarkeitsstudie, man würde alles übergeben.