Eisenhüttenstadt: Mehrere Wölfe an Räude erkrankt

Nicht nur der "Kobbelner Isegrim" leidet an der Hautkrankheit. Doch soll auch ein gesundes Tier bei Wellmitz gesichtet worden. (Symbolfoto)
Janet NeiserExperten gehen davon aus, dass es aktuell drei Rudel in der näheren Umgebung gibt: eins am Wirchensee, eins bei Schernsdorf, dieses wird von offizieller Seite auch Rautenkranzer Rudel genannt, und eins bei Müllrose. In Bärenklau und in der Lieberoser Heide ist nach Angaben des Landesamtes für Umwelt ebenfalls jeweils ein Rudel nachgewiesen.
Zu welchem Rudel der in Wellmitz gesichtete Wolf gehört, kann nicht gesagt werden. „Es könnte sich dabei auch um einen Jährling handeln“, erklärt ein Jäger aus dem Amtsbereich Neuzelle, der lieber unerkannt bleiben möchte. Das Thema Wolf sei sehr sensibel, sagt er. Da müsse man immer aufpassen, was man sagt. Manch Jäger wurde ihm zufolge sogar schon bedroht. Jährlinge sind Wölfe im zweiten Lebensjahr, die das elterliche Rudel verlassen. Für sie beginnt die Suche nach einem Partner und einem eigenen Revier. Dabei legen die Tiere oft viele Hundert Kilometer zurück. Aus diesem Grund müsse man auch nicht befürchten, dass sämtliche Nachkommen der hiesigen Rudel in der Region bleiben, informiert der Jäger. „Die wandern in die Breite.“
Der räudige Wolf von Kobbeln, der bislang nicht mehr im Ort gesehen wurde, gehört wohl zu einem hiesigen Rudel. Und es ist nicht der einzige, der an der von Milben hervorgerufenen Hauterkrankung Räude leidet. Nach MOZ–Informationen sollen bis zu vier Tiere betroffen sein. Geschossen werden dürfen sie nicht. "Auch kranke Wölfe dürfen nicht einfach so entnommen werden“, betont der Jäger und bestätigt damit, was bereits Hans Peper, der Referatsleiter Artenschutz des Brandenburger Landesumweltamts, gegenüber dieser Zeitung erklärt hatte: Der Wolf sei streng geschützt, eine Erkrankung kein Grund für eine Tötung. Diese komme nur infrage, wenn die Sicherheit der Bewohner gefährdet und das Tier verhaltensauffällig sei.
Vorsichtig, aber unaufgeregt
In Sachsen war im Jahr 2018 ein räudiger Wolf zum Abschuss freigegeben worden. Er war so geschwächt, dass er nicht mehr richtig jagen konnte und sich innerorts leichte Beute holte: Zwei Hunde hatte er gerissen. Das war sein Todesurteil.
Der Neuzeller Jäger spricht von zweischneidigem Tierschutz. Er sei dafür, schwer erkrankte Tiere zu erlösen, alles andere sei Tierquälerei. Kranke Tiere leiden zu lassen, habe nichts mit Tierschutz zu tun. Selbst wenn ein Wolf sich etwas gebrochen habe, dürfe man ihn nicht einfach erschießen. Dann müsse ein Veterinär hinzu gerufen werden. Und die „Entnahme“ erfolge letztlich durch einen vom Land eingesetzten Dienstleister, nicht durch Jäger vor Ort. Der Wolf werde behandelt wie eine „Heilige Kuh“.
Panik besteht im Amtsbereich Neuzelle nach den jüngsten Wolfssichtungen übrigens nicht. „Es ist nicht so, dass darüber immer und überall gesprochen wird“, sagt Ronny Gander aus dem Kobbelner Nachbardorf Treppeln. Aus der dortigen Kita ist zu hören, dass man vorsichtig sei, aber unaufgeregt. Eltern hätten deshalb noch nicht das Gespräch gesucht und mit dem Amt stehe man in Kontakt.
