Eisenhüttenstadt: Potraits von Land und Leuten im IFA-Pavillion

Im Gespräch: Nach der Lesung stand Bernd Geller (r.), Vorsitzender des Eko-Foto-Zirkels, unter anderem Arnold Bischinger, Leiter des kreislichen Kulturamtes (2. v. r.), Rede und Antwort.
Stefan LötschDoch der Pavillon wurde nur für wenige Stunden wieder eröffnet, zur Vorstellung des neuen Kursbuches des Landkreises, dem einstigen Kreiskalender. Auch der markante Bau hätte gut in die Sammlung der Porträts aus dem Landkreis gepasst. Denn der Band steht unter dem Titel „Von Land und Leuten“. Genauer könnte man sagen, von markanten Orten und Gebäuden sowie Menschen, die damit zu tun haben. Und der Landkreis, das sind eben nicht nur das Kloster in Neuzelle oder die Marienkirche in Beeskow, wie einer der Autoren, der Berliner Professor Steffen Schuhmann sagte, sondern zum Beispiel auch die Ortsumgehung Müllrose, die einen Teil der Landschaft prägt.
Tatsächlich handelt eine der vier Geschichten, die am Donnerstagabend vorgestellt wurden, von der Schnellstraße und den Personen, die das Projekt ermöglicht haben. In diesem Fall von Andreas Schade vom Landesbetrieb für Straßenwesen, inzwischen in führender Position bei der Behörde, damals Sachbearbeiter. Land und Leute ist aber auch Familie Polomka, die in einem der 31 kleinen Häuser in der Bergmannsiedlung „Gück auf“ in Brieskow-Finkenheerd wohnen. Sie sind in vielfacher Weise geschichtsträchtig. Erinnern sie doch nicht nur an die längst vergangene Bergbautradition in der Region. Sondern sind auch Beispiel der Reformarchitektur.
„Die Häuser sind winzig“, sagt Stephanie Lubasch, die den Beitrag für das Kursbuch verfasst hat. Aber sie zeigt auch, wie solch ein Haus mit einer Familie sich verändert, sich neue Bedürfnissen anpasst und zur Heimat wird.
Positive Seiten
Winzig und klein ist die Zentrale Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt (ZABH) definitiv nicht und ein Ort für Heimat sicherlich auch nicht.
Steffen Schuhmann, Professor für visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Weißensee, dessen gestalterische Handschrift das Kursbuch trägt, lässt in seinem Porträt des Kubaner Osmel Broocks sehr anschaulich werden, wie schwer es war, in dieser fremden Umgebung den Weg in eine neue Heimat zu finden.
„Der Anfang in Eisenhüttenstadt war gefährlich“, erinnert sich Osmel Broocks. Heute, so erzählt er, wieder für einen Abend nach Eisenhüttenstadt zurückgekehrt, ist Deutschland für ihn Heimat.
Dass Eisenhüttenstadt und die Region Heimat ist, viele positiven Seiten hat, das wird Bernd Geller sofort unterschreiben. Auch der EKO-Fotozirkel, dessen Vorsitzender Geller ist und der in im vergangenen Jahr sein 40-jähriges Bestehen feierte, will trotz der Veränderung in den Fotografien und Motiven das Positive hervorheben, zum Beispiel Land und Leute eben.
