Festschmuck
: Sehnsucht nach dem Erzgebirge

Eva Seifert aus Eisenhüttenstadt verwandelt ihre Wohnung jedes Jahr in ein kleines Weihnachtsparadies.
Von
Frank Groneberg
Eisenhüttenstadt
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  • Willkommen im Weihnachtsparadies: Eva Seifert zündet die Kerzen ihrer jahrzehntealten großen Pyramide an.

    Willkommen im Weihnachtsparadies: Eva Seifert zündet die Kerzen ihrer jahrzehntealten großen Pyramide an.

    Gerrit Freitag
  • Drei von 84: Der Spielzeugmacher (Mitte) und seine beiden Kameraden sind drei von insgesamt 84 Räuchermännchen Eva Seiferts.

    Drei von 84: Der Spielzeugmacher (Mitte) und seine beiden Kameraden sind drei von insgesamt 84 Räuchermännchen Eva Seiferts.

    Gerrit Freitag
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Ihre Geburtsstadt Chemnitz liegt nur ganz knapp außerhalb des Erzgebirges. Was Eva Seifert jedoch überhaupt nicht daran hindert, sich als waschechte Erzgebirglerin zu fühlen. Und als solche verbringt sie die Advents– und die Weihnachtszeit natürlich auch in Eisenhüttenstadt, wo sie seit 1967 lebt, mit besonders vielen Männern. Mit besonders vielen kleinen Männern. Mit besonders vielen kleinen Männern, die alle irgendwann in liebevoller Handarbeit aus Holz gefertigt worden sind. Und die der lebensfrohen Seniorin die kleine Neubauwohnung ordentlich zuqualmen würden — wenn sie sie denn ließe. Und wenn sie sie alle mit Räucherkerzen bestücken würde.

Dem Ruf des EKO gefolgt

Genau 84 duftende Räucherkerzen bräuchte Eva Seifert, um alle ihre Männer und Wichtel zum Paffen zu bringen. Exakt so viele Räuchermännchen zieren nämlich seit dem 1. Advent die Schrankwand, die Tische und die Regale ihres Wohnzimmers. Und für noch mehr dieser schönen Handwerkskunstprodukte wäre auch gar kein Platz. „Eigentlich wollte ich nichts Neues mehr kaufen“, erzählt die 83–Jährige, „aber als ich im Sommer beim Klassentreffen in Olbernhau war, da konnte ich nicht widerstehen.“ Und seitdem ist ein großer Räucherwichtel aus dem Hause Christian Ulbricht 84. Mitglied in der Räuchermännchenfamilie.

Das Städtchen Olbernhau befindet sich nicht nur „Mitten im Erzgebirge“, wie es auf seiner Internetseite heißt. Und es ist nicht nur Sitz mehrerer traditionsreicher Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. Olbernhau war für Eva Seifert nach dem Kriegsende und bis 1967 Heimatort. Mit bescheidenen Lebensverhältnissen. "Wir haben sehr beengt gewohnt“, erzählt sie, „unsere Tochter musste bis nach ihrem zehnten Geburtstag im Kinderbettchen schlafen.“ Auch ein Brief an den DDR–Präsidenten Wilhelm Pieck mit der Bitte um Hilfe habe keine Besserung gebracht. „Dann haben wir in der Zeitung eine Annonce gesehen, mit der Mitarbeiter für das EKO gesucht wurden, und sind hierher nach Eisenhüttenstadt umgezogen.“

Räuchermännchen oder Pyramiden hatte Familie Seifert damals noch nicht. „Ich glaube, wir hatten ein Olbernhauer Reiterlein“, sagt Eva Seifert, „das hatten Verwandte uns geschenkt. Gekauft hatten wir uns noch nichts — wir waren ja noch sehr jung, da interessiert man sich für solche Dinge ja noch nicht. Die Sehnsucht nach den erzgebirgischen Traditionen kam bei mir erst, als ich hier in Eisenhüttenstadt war.“

Enkelin teilt ihre Liebe

Diese Sehnsucht fühlt sie jetzt seit gut 50 Jahren. Und dieser Sehnsucht wegen haben bei ihr nicht nur die 84 Räuchermännchen ein Zuhause. Sondern auch Nussknacker, Schwibbögen, Pyramiden, Bergmann–und–Engel–Paare und — ganz neu — kleine Schneeflöckchen–Figuren der Drechslerei Kuhnert, die auf einer blauen Wolke stehen. „Die sind meine neue Liebe.“

Weihnachten — das sei für sie „wirklich die schönste Zeit des Jahres“, erklärt Eva Seifert. „Das ist für mich Erzgbirge, ist Heimat.“ Und dass ihre 20 Jahre alte Enkelin ihre Liebe zur Handwerkskunst aus dem Erzgebirge teilt — „das macht mich glücklich“.