Filmpremiere „Und der Zukunft zugewandt“: Alexandra Maria Lara und Robert Stadlober: „Wir befinden uns in einer Sackgasse“

Die Hauptdarstellerin Alexandra Maria Lara im Interview mit der MOZ.
Dietmar Puttins„Das richtigere Deutschland“
Dass es bei Bernd Böhlichs Film „Und der Zukunft zugewandt“ auch um ein anderes Bild der DDR ging, betonen beide Schauspieler. Stadlober erzählt über seine Figur, einen jungen Arzt, der lieber in der DDR ein Krankenhaus aufbaut, statt die Praxis seines Vaters in Hamburg zu übernehmen: „Was Konrad Zeidler macht, hat viel mit den Erfahrungen der NS–Zeit und des Zweiten Weltkriegs zu tun. Für ihn ist das richtigere und neuere Deutschland die DDR, weil sie nicht auf einer Kontinuität aufbaut, und weil hier eine andere Art des Zusammenlebens ausprobiert wird.“
Alexandra Maria Lara setzt mit persönlichen Erinnerungen nach: „Ich habe ja auch meine eigene Geschichte, ich bin in Rumänien geboren und meine Eltern haben 1983 Bukarest verlassen und sind nach West–Berlin geflohen. Ich persönlich hatte beim Drehen nicht nur die DDR und die verrückte Geschichte Deutschlands vor Augen, sondern auch das, was in Rumänien passiert ist, auch wenn man das natürlich nicht miteinander vergleichen kann. Ich finde, es ist ein Film, der zeigt, was politische Systeme mit Menschen machen können.“
Und natürlich hoffen beide, dass damit auch ein neues Kapitel des gesellschaftlichen Dialogs angestoßen wird: „2019 ist kein einfaches Jahr, es wirkt alles ganz schön orientierungslos. Deshalb ist es ein Film, der für alle wichtig ist, auch für junge Leute, die zum Teil gar nicht wissen, was hier vor geschichtlich gesehen relativ kurzer Zeit mit Menschen passiert ist, auf der einen wie auf der anderen Seite. Vielleicht ist es auch eine Chance für uns zu überlegen, was wir in den nächsten Jahren vorhaben. Wenn ein Wind der Orientierungslosigkeit weht, droht ja immer die Gefahr, dass die Leute sich festlegen auf Dinge, die sie später bereuen könnten.“ erzählt Lara.
Stadlober fügt abschließend nachdenklich hinzu: "Dreißig Jahre nach dem Scheitern des kommunistischen Experiments kann man vielleicht mit weniger Geifer im Mund darauf blicken und sich überlegen, was tatsächlich die Fehler waren, und sich darauf besinnen, was eigentlich die Idee war. So wie wir alle gerade um uns herum die Welt erfahren, ist doch klar, dass wir uns in einer Sackgasse befinden, die möglicherweise durch eine andere Form des Miteinanders zu überwinden möglich ist. Und da kann man sich bestimmt auch Inspiration bei den Erfahrungen früherer Generationen holen.“