Fliegernachwuchs: Kinder besuchen den Flugplatz Eisenhüttenstadt
Damals war ein Segler vom heutigen Areal der SB–Tankstelle in Richtung Waldstraße gestartet. Seit 1966 werden Segelflieger auf dem Verkehrslandeplatz Eisenhüttenstadt/Frankfurt ausgebildet. Hunderte haben laut Jantke — der seit 1968 hier fliegt — seitdem die Fluglizenz erworben. Vielleicht demnächst auch eines dieser Ferienkinder. Solches sich ganz fest vorgenommen hat der achtjährige Robin Wessolleck aus Frankfurt. "Seit seiner Einschulung spart er für den Flugschein“, erklärt sein Vater Rolf. „Ich will die Welt von oben sehen, immer neue Dinge entdecken und immer in den Lüften bleiben“, sagt der Achtjährige. Am schönsten bei dieser vom Eisenhüttenstädter Stadtteilbüro offis initiierten Veranstaltung für ihn war, „als ich im Flugzeug gesessen hatte“.
Laut Jantke habe man für 1500 bis 2000 Euro solch eine Lizenz erworben. Für eine solche müsse man 16 Jahre alt sein, mit der Ausbildung dafür kann man als 14–Jähriger beginnen. Dafür werden je nach Zeitaufwand eineinhalb bis fünf Jahre benötigt. „Für uns war es die erste Veranstaltung mit solch einer jungen Altersgruppe“, erklärt Jantke, dessen Verein die zweite Saison in der 2. Bundesliga fliegt, in der es um die bewältigten Entfernungen geht.
Wie man solch einen Lehrgang angeht, konnten am Dienstag auch die beiden Flugschülerinnen Lea Fünfstück (15) und Jessica Knespel (23) erklären. Die Gymnasiastin aus Wildau hatte im vergangenen Jahr mit ihrer Ausbildung begonnen und gerade zwei Stunden allein oben im Segelflieger verbracht. Zusammen mit Jessica Knespel zeigte sie den in drei Gruppen aufgeteilten Schülern den Tower, die Halle mit den Fliegern, die Werkstatt und war auch beim Probesitzen im vereinseigenen Doppelsitzer Puchacz ("Uhu") zugegen. Zuvor jedoch hatte Jantke per Video in einem dreiviertelstündigen Vortrag für seinen Verein und das Segelfliegen geworben. Der Flugsportverein EDAE Eisenhüttenstadt habe 70 Mitglieder und ist einer von 16 Segelflugvereinen in Brandenburg. Er verfüge über ein Motorflugzeug und acht Seglern. Während einst die Segelflieger aus Holz waren, bestehen diese jetzt aus Kunststoff und haben eine Spannweite von bis zu 30 Metern. 750 bis 1000 Kilometer seien an einem Tag möglich, im Verein habe schon jemand die 750–Kilometer–Marke geknackt.
Außenlandung in Polen
Einen dieser Langstreckenflieger konnten die Kinder bei der Flugplatz–Begehung persönlich in Augenschein nehmen. Zuvor hatte Jantke noch gemahnt: „Auf dem Flugplatz herrscht Ordnung, hier bestimmt Einer, alle anderen parieren, sonst geht es schief.“ Später ergänzte er: „Man springt und klettert nicht über die Fläche. Wenn jemand abrutscht, ist solch ein Flugzeug schnell kaputt.“ Während der vier Stunden mussten die Kinder ohnehin kaum ermahnt werden. So sahen sie auch Tom, der nonstop schon mal die 570 Kilometer in sechs Stunden von Bonn nach Pohlitz geflogen war. Dieses Mal sammelte er einige Insekten von seinem Gefährt ab, mit dem er tags zuvor in Polen eine sogenannte Außenlandung hingelegt hatte. Während die polnischen Bauern recht aufgeschlossen reagierten, waren für den Verein ein Kasten Bier und für den Abholer ein Essen fällig.
Mit ungeplanten Ereignissen müssen Segelflieger immer mal rechnen, hatte Jantke zuvor erklärt. Daher sei auch ein Fallschirm mitzuführen. Dass dieser für sie noch eine Nummer zu groß ist, merkten die maximal Zehnjährigen schnell. Immerhin wiegt solch ein 40 bis 45 Quadratmeter großes Teil 7,5 Kilo und liegt nicht gerade passförmig am Rücken an. Einige Jahre später sollte das schon anders sein.


