Flimmerstunde: Eisenhüttenstädter Erinnerungen an Professor Flimmrich

Lachende Gesichter: Junge und ältere Besucher erfreuten sich bei der "Flimmerstunde" in der Stadtbibliothek an dem Film "Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen".
Janet NeiserStahlstadt und Krebsdorf
Kinder, Eltern, Großeltern — also ganz verschiedene Generationen .– wollten sich diesen Film nicht entgehen lassen. Immerhin wurden Teile davon in Eisenhüttenstadt gedreht. Im Film selbst heißt die Stadt Stahlstadt und ein Nachbarort Krebsdorf, womit Wiesenau gemeint sein könnte. Das hieß früher schließlich Krebsjauche. Als der Toniwagen mit den Hauptwachtmeistern Wiesel und Löffelholz durch die Leninallee flitzt, entgeht das keinem der Zuschauer. Die Hochhäuser sind da im Bild und der Autopavillon. „Eisenhüttenstadt“, kommt da aus vielen Mündern. Auch das Pionierhaus ist kurz zu sehen. Erinnerungen werden wach. Bei Heidi Paschke sogar ganz besondere.
„Ich habe diesen Film das letzte Mal gesehen, als ich ein Kind war“, erzählt die 62–Jährige. Damals habe sie noch in Sachsen gelebt. Das „Vögelchen“ sei bei der Kindersendung von „Professor Flimmrich“ gezeigt worden. „Als ich dann hörte, dass der Film heute in der Stadtbibliothek zu sehen ist, sind wir ganz gezielt hergekommen.“ Wir, das sind ihr Mann, wegen dem sie einst nach Eisenhüttenstadt gekommen ist, und ihr Enkel Jonas. Der Vierjährige nickt auch sofort als Antwort auf die Frage, ob der Film ihm denn gefallen habe. Und wer war am besten? „Die Polizei!“, sagt er.
Offensichtlich kam der Streifen auch bei den anderen gut an. Es wurde viel gelacht — beispielsweise als das Wort „Eierpampe“ ertönte oder als sich die kleine Bärbel im Kinderheim die Zahnpasta um die Schnute schmierte. Buch und Film wurden nach der Vorführung sofort ausgeliehen, verkündet Ilona Ruppenthal, die Leiterin der Bibliothek, die gemeinsam mit ihrer Kollegin extra für diesen besonderen Tag die Ausleihe aufgemacht hat. Und das „wunderbunte Vögelchen“ war nicht das Einzige, was aus der Bibliothek herausgetragen wurde. „Wir haben sogar eine Anmeldung für ein Kind bekommen“, freut sich die Leiterin, die am späten Nachmittag noch einmal Gäste begrüßen konnte. Da wurde "Das schweigende Klassenzimmer“ gezeigt. Wieder ein Film, der auch in Eisenhüttenstadt gedreht wurde.
Wenn es nach Ilona Ruppenthal geht, dann bleibt die „Flimmerstunde“, die im Rahmen von „70 Jahre Werk und Stadt“ ins Leben gerufen wurde, keine Eintagsfliege. „Man könnte da eine Reihe draus machen“, betont sie. Den großen Fernseher habe der Förderverein gesponsert, das Interesse scheint auch da zu sein. Nur die Finanzierung müsse noch geklärt werden: Denn selbst wenn ein Film in der Bibliothek vorhanden ist, muss Geld — und nicht gerade wenig — für die Aufführung gezahlt werden. Aber Ilona Ruppenthal und ihr Team sind dran und loten die besten Möglichkeiten gerade aus.
„Ich würde wiederkommen“, versichert Heidi Paschke. Vor allem Verfilmungen von DDR–Kinderbüchern würde sie gern sehen. Wenn die Stimmung dann so gut wie am Sonnabend ist, könnte das ein vielversprechendes Format in der Stadtbibliothek werden, das mehrere Generationen vereint.
