Flucht nach Eisenhüttenstadt: Junge Frau rettet sich vor gewalttätigem Ex-Partner

Nachdem Laura schwanger wurde, verhält sich ihr Partner ihr gegenüber zunehmend aggressiv. Dann wagt sie die Flucht mit ihrem kleinen Sohn (Symbolbild).
Maja Hitij/dpa- Junge Mutter flieht mit Kind vor gewalttätigem Ex-Partner nach Eisenhüttenstadt.
- Brandenburg: 3.618 Fälle von Partnerschaftsgewalt 2024, Anstieg gegenüber 2023.
- Frauenhäuser bieten Schutz, aber Platzmangel bleibt großes Problem.
- Ex-Partner bedrohte Laura trotz Umzug weiter – Frauenhaus half ihr beim Neustart.
- Laura plant Ausbildung und lebt heute sicher und glücklich in Eisenhüttenstadt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Ich hatte große Angst“, erinnert sich Laura*. Ihr Ex-Freund beschimpfte und beleidigte sie, manchmal packte er sie grob am Arm. Er versuchte immer wieder, Laura einzuschüchtern und drohte, ihr den gemeinsamen Sohn wegzunehmen – bis die junge Frau die Flucht wagte.
Zum Zeitpunkt des Interviews lebt Laura mit ihrem kleinen Sohn in einem Frauenhaus. Es ist ungefähr ein Jahr her, dass sie ihre Wohnung und ihr gewohntes Umfeld zurückließ, um in das fast 100 Kilometer entfernte Eisenhüttenstadt zu ziehen. „Ich hätte viel früher gehen sollen“, sagt sie heute.
Landesweit stiegen zuletzt die Fälle von häuslicher wie auch von partnerschaftlicher Gewalt. Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden im Jahr 2024 in Brandenburg 3.618 Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt, im Jahr 2023 waren es 3.361 Frauen.
Flucht vor gewalttätigem Ex-Partner nach Eisenhüttenstadt
Die zierliche Frau mit den langen Haaren wirkt ruhig und gefasst, während sie ihre dramatische Geschichte erzählt: Lauras Ex-Partner begann, zunehmend aggressiv zu werden, als sie schwanger wurde. Da waren die beiden erst etwas mehr als ein halbes Jahr zusammen. Doch ihr damaliger Freund entwickelte ein Drogenproblem, geriet an die falschen Leute. „Es war immer verbal, aber irgendwann begann er, meinen Arm zu drücken und mich fester anzupacken“, erzählt Laura.
„Es gibt diese Angst vor dem Kontrollverlust“, erklärt Bernhard Grabietz, Außenstellenleiter der Hilfsorganisation Weißer Ring in Märkisch-Oderland: „Diese Männer versuchen dann, ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen sich und ihrer Partnerin herzustellen, sei es durch die Kinder oder dadurch, dass die Partnerin nicht mehr arbeitet und es nur noch ein Konto auf den Namen des Mannes gibt.“ In einer solchen Situation reiche manchmal der kleinste Auslöser, „um das Fass zum Überlaufen zu bringen“, so Grabietz.
Mutter mit Kind im Frauenhaus in Eisenhüttenstadt
Laura und ihr Partner wohnten nicht zusammen, aber nur wenige Meter voneinander entfernt. „Einmal schlug er die Haustür zu meiner Wohnung ein, holte meinen Sohn und fuhr weg“, berichtet Laura. Beim Jugendamt riet man ihr, in ein Frauenhaus zu gehen. Doch die junge Frau wusste nicht, was sie dort erwarten würde: „Mein Freund sagte, dass man mir mein Kind wegnehmen würde, wenn ich gehe“, erinnert sich Laura. Dazu kam, dass sie keine Familie in der Region hatte und nur gebrochen Deutsch sprach.
Wer darf Schutz in einem Frauenhaus suchen?
Um in einem Frauenhaus aufgenommen zu werden, muss eine Frau unter häuslicher Gewalt leiden. Das ist das einzige Kriterium. Dabei kann es sich um körperliche Gewalt handeln, aber auch psychische Gewalt wie Manipulation oder Beleidigungen.
Das Frauenhaus Eisenhüttenstadt ist unter der Telefonnummer 03364 43786 oder per E-Mail unter frauenfuerfrauene.V@web.de zu erreichen. Es wird zudem auch eine mobile Beratung angeboten.
Marianna Bursch erklärt, dass Betroffene oft in Einrichtungen Schutz suchen müssten, die weit entfernt von ihren Wohnorten liegen. Das hängt von der jeweiligen Gefährdungslage ab – aber auch davon, wo Frauenhausplätze frei sind. Marianna Bursch ist Leiterin von „Frauen für Frauen“, dem Trägerverein des Frauenhauses in Eisenhüttenstadt.
Um ihre gewalttätigen Partner zu verlassen, müssten die Frauen viel aufgeben: die eigene Wohnung, das soziale Umfeld, den Job. Hat die Frau Kinder, werden auch diese aus ihrer gewohnten Umgebung genommen, was vor allem bei älteren Kindern schwerfalle.
Gewalt gegen Frauen – Frauenhäuser in Brandenburg
Als Laura für eine Operation ins Krankenhaus musste, eskalierte die Situation. Ihr Sohn war da gerade mal drei Monate alt. Während sie sich von ihrer OP erholte, schrieb ihr damaliger Partner ihr unzählige Droh-Nachrichten: „Er würde mir mit einer Waffe in den Kopf schießen oder aus dem Fenster springen. Er beschimpfte mich und sagte, dass ich verrückt sei. Und er drohte immer wieder, dass er meinen Sohn holen und mitnehmen würde.“
Nachdem Lauras Ex-Partner auch das Krankenhauspersonal bedroht hatte, rief dieses die Polizei. Die Pflegekräfte vermittelten Laura an das Frauenhaus Eisenhüttenstadt. Oft dauere es Jahre, bis Frauen ihre gewalttätigen Partner verlassen, so Marianna Bursch. „Wenn die Polizei involviert ist, geht es oft schneller.“
Der Bedarf an Frauenhäusern ist in den letzten Jahren gestiegen, aktuell sind die Brandenburger Einrichtungen stark ausgelastet: „Es sind einfach zu wenig Plätze“, sagt Bursch. In Brandenburg gibt es derzeit 17 Frauenhäuser und vier Frauennotwohnungen, in denen jährlich circa 500 Bewohnerinnen und noch einmal so viele Kinder aufgenommen werden, ergänzt eine Sprecherin vom Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser.
Auch nachdem Laura und ihr kleiner Sohn ins Frauenhaus gezogen waren, ließ ihr Ex-Partner nicht locker. Sie musste ihre Nummer wechseln, weil er sie immer wieder anrief. „Er sagte, dass alles auch meine Schuld war“, erinnert sich Laura, „und dass ich unsere Familie zerstört hätte“. Doch im Frauenhaus bekam die junge Mutter die Unterstützung, die sie brauchte. „Es war toll, wie die Leute mir bei allem geholfen haben“, sagt Laura.
Junge Frau wagt Neustart in Eisenhüttenstadt
Heute ist die junge Mutter zuversichtlich: „Hier habe ich keine Angst mehr“. Sie fühle sich wohl im Frauenhaus und habe viel Kontakt zu den anderen Frauen, die dort leben. Manchmal sei es aber auch etwas laut mit den vielen Kindern. Daher freue sie sich umso mehr, bald wieder ihre eigenen vier Wände zu haben. Frauenhausleiterin Bursch findet, dass Eisenhüttenstadt hier einen großen Vorteil hat: Es könne schneller Wohnraum für die Frauen gefunden werden als in anderen Städten.
„Ich bin glücklich. Sehr glücklich“, sagt Laura. Ihr gefällt es in Eisenhüttenstadt. Ihr kleiner Sohn geht in den Kindergarten und hat viele Freunde gefunden. Die junge Frau hat endlich Zeit, einen Sprachkurs zu absolvieren. Danach möchte sie eine Ausbildung in der Pflege oder als Erzieherin machen. Wenn Laura dann Zeit für sich hat, wünscht sie sich, wieder ins Fitnessstudio zu gehen – ob nun in Eisenhüttenstadt oder anderswo.
*Name von der Redaktion geändert.
Hier gibt es bei häuslicher Gewalt Hilfe
In Notsituationen ist die Polizei unter 110 erreichbar.
Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen. Unter der Nummer 116 016 und werden Betroffene aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung beraten – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte werden anonym und kostenfrei beraten.
Alle Frauen und trans Personen, die Beziehungsgewalt erleben, können sich an die Beratungsstelle Häusliche Gewalt von Frauen helfen Frauen e.V. wenden. Dort gibt es kostenlose Unterstützung. Die Telefonnummer ist (07071) 26457. Und per E-Mail: fhfberatung.tue@t-online.de
Eine Übersicht über Hilfsangebote und Beratungsstellen, auch für Eltern, Kinder und Jugendliche sowie von sexualisierter Gewalt betroffene Männer, gibt es hier: www.werhilftweiter.de

