Frauen-Fußball: „Vielleicht kommt ein Titel hinzu“
Herr Schramm, was mögen Sie so am Frauenfußball?
Ich mag alles am Frauenfußball und alles am Fußball generell. Aber ich finde gerade den Entwicklungsprozess im Frauenfußball wirklich faszinierend. Vor vielen Jahren hätte doch keiner geglaubt, dass Frauen auf dem Fußballplatz eine solche Begeisterung auslösen können. Ich selbst auch nicht, das gebe ich gern zu. Aber man darf sich ja mal irren. Mittlerweile hat Frauenfußball auf der ganzen Welt einen solch enormen Zuspruch gewonnen, das ist einfach sagenhaft – selbst in Ländern, wo man das nie für möglich gehalten hätte. Auch in Deutschland hat er Fuß gefasst. Dafür spricht auch das prächtige Abschneiden der deutschen Fußballfrauen bei vielen Turnieren in der Vergangenheit. Möglicherweise kommt ja in Kürze ein weiterer Titel hinzu.
Verfolgen Sie denn die Fußball-WM intensiv?
Ich muss gestehen, dass ich da in der ersten Woche etwas nachlässig war. Aber das hatte einen guten Grund. Meine Frau hatte mir zu meinem Geburtstag eine Reise geschenkt. Wir waren also unterwegs. Aber jetzt bin ich natürlich am Fernsehen dabei.
Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie bislang gesehen haben?
Ich beziehe das mal nicht nur auf die WM. Ich bin fast immer zufrieden. Lediglich was den Entwicklungsprozess vom Frauenfußball im Land Brandenburg und in unserem Territorium angeht, kann ich das nicht so sagen. Da gibt es noch immer ein Auf und Ab. Aber ich bin sicher, wir werden den Tag erleben, wo Fußball der Mädchen und Frauen eine dominierende Rolle spielt.
Woran liegt es, dass es hierzulande nicht so optimal läuft?
Ich will es mal so sagen: Mir reiche die Hingabe und das Engagement vieler Funktionäre nicht aus. Wenn die alle so mit dem Herzen dabei wären wie ich, wer weiß ... Letztlich ist es so: Es reichen keine Lippenbekenntnisse. Man sollte nicht nur reden, sondern machen. Handeln ist die entscheidende Sache. Aus diesem Grund engagiere ich mich seit Jahren für das Frauenfußballturnier in Eisenhüttenstadt. Mir, einem achtzigjährigen Knacker, macht es großen Spaß, mit den Mädels zu arbeiten. Die sind einfach ganz große klasse, und vor allem sind sie traumhaft dankbar. Ich habe jedenfalls ganz prächtige Erfahrungen mit den Spielerinnen gemacht. Aus diesem Grund mache ich ja auch weiter.
Sie haben uns mitgeteilt, dass schon jetzt 24 Teams für das Deutsch-Polnische Turnier am 14. und 15. Dezember in der Inselhalle in Eisenhüttenstadt gemeldet sind ...
Ja, die Teilnahme greift immer mehr um sich. Erstmals haben wir drei Mannschaften aus Dresden dabei, sogar eine aus dem Ort, wo ich früher mal als Sektionsleiter tätig war. Vor allem die Nachfrage der Berliner Mädchengruppen ist enorm gewaltig. Ich könnte Turniere machen, bei denen ausschließlich Berliner Mannschaften mitmachen. Ach, ich wünschte mir, ich wäre noch ein paar Jährchen jünger, dann könnte ich das alles noch viele weitere Jahre machen.
Gibt’s noch Karten für das Turnier in der Inselhalle ?
Ja. Aber das ist etwas, was mich bislang immer gestört hat. Es gibt so viele, die sagen: Frauenfußball, ja natürlich. Aber die sind dann nie gekommen. Auch in den Medien hat das Turnier bislang zu wenig Beachtung gefunden, finde ich. Frauenfußball ist doch noch nicht in alle Herzen eingedrungen. Übrigens hat Dietmar Woidke sein Kommen angekündigt.
Wie ist denn Ihr Tipp für die Frauen-Fußball-WM?
Ich möchte mich da noch nicht festlegen. Ich habe im Spiel der Deutschen ein paar Schwächen festgestellt. Es besteht die Gefahr, dass es knapp werden könnte. Vielleicht reicht es nicht mal fürs Endspiel. Aber ich würde mich natürlich freuen. Und da ich von Prinzip her Optimist bin, sage ich: Es wird sehr schwer, aber vielleicht klappt es.
Zur Person
Werner Schramm engagiert sich sein ganzes Leben für den Freizeit- und Breitensport. Seit den 1960er-Jahren ist er in Eisenhüttenstadt. Gebürtig stammt er aus dem Erzgebirge. Früh hat er sein Herz für den Sport entdeckt: Er war ehrenamtlich tätig als Kreisvorstand, als Bezirksvorstand, als Schiedsrichter. Schramm ist gelernter Möbeltischler, Modellbauer, Lehrer für Sport, Deutsch und Mathe.
