Frauentag in der DDR: Medaillen, Sekt und lange Reden – der 8. März im Osten

In der DDR war der Frauentag ein wichtiges Datum. Neben Auszeichnungen gab es in den Betrieben aber auch viele lange Reden von Männern. Im Bild: Angela Kasner (heute Angela Merkel) im Juli 1973 beim Camping im brandenburgischen Himmelpfort (damals DDR).
Bernd Gurlt / dpa- Der Frauentag wurde in der DDR am 8. März mit offiziellen Veranstaltungen gefeiert.
- Clara Zetkin gilt als eine der Initiatorinnen des Frauentags, der seit 1921 am 8. März begangen wird.
- In der DDR wurden Frauen für ihren Fleiß ausgezeichnet, z.B. mit der "Clara-Zetkin-Medaille".
- Frauen in der DDR waren nicht vollständig gleichberechtigt und trugen eine doppelte Belastung.
- Die DDR-Frauenpolitik zielte darauf ab, Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Frauentag am 8. März wird seit 1911 gefeiert. Der Feiertag dient dazu, Frauenrechte und Gleichstellung der Geschlechter in den Fokus zu rücken. Welche Bedeutung hatte der Frauentag in der ehemaligen DDR und wie wurde er begangen? Ein Blick zurück.
Geschichte des Frauentags in Deutschland
Der internationale Tag der Frauen hat sozialistische Ursprünge und mehrere Initiatorinnen. Eine dieser „Mütter des Frauentags“ ist Clara Zetkin. Sie forderte bereits 1907 das allgemeine Frauenwahlrecht auf der ersten „Internationalen Frauenkonferenz“. In den Folgejahren reifte der Gedanke, einen internationalen Frauentag einzuführen, sowohl in den USA, als auch im Rest der westlichen Welt. Clara Zetkin und Käte Duncker brachten im Jahr 1910 auf der „Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz“ in Kopenhagen einen Antrag zur Einführung eines Frauentages ein, der von 100 Delegierten aus 17 Ländern angenommen und beschlossen wurde. Der Frauentag war offiziell geboren. Zunächst wurde der Tag am 19. März begangen. Auf dem 8. März liegt der Frauentag seit 1921. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Tag verboten, dafür der Muttertag in den Fokus gerückt.
Die Gleichberechtigung der Frauen konnte erst nach dem Ende des Krieges wieder zum Thema gemacht werden. Vier hartnäckigen Frauen ist es zu verdanken, dass im deutschen Grundgesetz die Gleichberechtigung von Frauen und Männern verankert ist. Nach Angaben der Zentrale für politische Bildung waren Dr. Elisabeth Selbert, Frieda Nadig, Helene Weber und Helene Wessel – die „Mütter des Grundgesetzes“ dafür verantwortlich, dass der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ (Artikel 3, Abs. 2) aufgenommen wurde. Übrigens wurde erst nach der Wende, im Jahr 1994, in genau jenem Gleichberechtigungsartikel der Zusatz hinzugefügt, dass der Staat diese verankerte Gleichberechtigung auch tatsächlich fördert und durchsetzt.
Der Frauentag in der DDR
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands wurde der Frauentag unterschiedlich begangen. In der DDR war der 8. März ein staatlich gefeierter „Tag der Frau“ mit offiziellen (verordneten) Veranstaltungen, Auszeichnungen und Solidaritätsbekundungen. So wurde beispielsweise die „Clara-Zetkin-Medaille“ verliehen. Sie war eine Würdigung bestimmter Initiativen und des „Fleißes“ der Frauen.
Ziel der DDR-Frauenpolitik war die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt. Es gab aber nicht nur Festveranstaltungen, demonstriert wurde durchaus auch. Die Frauen in DDR zeigten mit den Demos Solidarität für alle Frauen weltweit. Doch mit der Zeit ähnelte der Tag zunehmend dem westdeutschen Muttertag.
Zeitzeugenbericht über den Frauentag in einem DDR-Betrieb
In den Betrieben war der Tag allerdings einer der wichtigsten Feiertage, vor allem in sogenannten „Frauenbetrieben“. Das waren Produktionsstätten, deren Belegschaft fast ausschließlich weiblich war. Einem Zeitzeugenbericht aus so einem Betrieb kann man interessante Dinge entnehmen. In dem erwähnten Bericht wird deutlich, dass zwar die produzierende Belegschaft nur aus Frauen bestand, Meister, Betriebsdirektor und Hausmeister waren aber männlich. Und diese drei Männer kümmerten sich jährlich um die Organisation des Frauentags. Die Planung begann demnach bereits im Januar, ein Cognac durfte laut dem Bericht dabei nicht fehlen.
Nach Angaben des Zeitzeugen Karl-Heinz Winkler, der seine Erinnerungen auch in einem Buch niedergeschrieben hat, wurde der Speiseraum zum 8. März mit Blumen und Wein schön hergerichtet. Die Frauen kleideten sich in ihrer besten Garderobe und ab 12 Uhr mittags begann die Feier, auf der zunächst eine mehr als einstündige Rede des Betriebsdirektors auf dem Programmplan stand. Die Rede würdigte die Leistungen der Belegschaft und rief zu noch höherer Leistung auf. Den anwesenden Frauen wurde währenddessen vom Meister des VEB der Wein gereicht. Im Anschluss folgte eine Rede eines Genossen der SED-Kreisleitung, die noch einmal eine Stunde dauerte. Dann ging man zum gemütlichen Teil über, mit Häppchen und Likör. Im Anschluss daran, am späten Nachmittag, wurden die Auszeichnungen verliehen. Die Feier dauerte anschließend bis in die frühen Morgenstunden.
Waren Frauen in der DDR gleichberechtigt?
Frauen sollten nach Ansicht der Parteiführung in der DDR ebenbürtige Aufgaben bzw. Berufe, wie Männer übernehmen. Das zeigen auch Volkslieder, wie zum Beispiel das „Frühlingslied der Traktoristin“. Solche Lieder und Verse wurden höchstwahrscheinlich von der SED in Auftrag gegeben. Darin heißt es:
Ich bin Traktoristin der MAS!
Einst war ich beim Bauern die Magd,
mußt melken die Schwarze, die Schecke, die Bleß,
dann hab ich den Dienst aufgesagt.
Ich ging in die Werkstatt und packte mit an,
mein Liebster, der nahm mich beim Ohr
und sagte: „Nun lerne und steh deinen Mann!“
und schob mich auf einen Traktor.
Waren Frauen und Männer also gleichberechtigt? Nein. In der Realität sah es so aus, dass Frauen sich um den Einkauf, den Haushalt und die Kinder kümmerten, zusätzlich zum Beruf und ihren Verpflichtungen in gesellschaftlichen Organisationen. So wurden die Aufgabenbereiche für Frauen in der DDR also lediglich erweitert. Vor dem Hintergrund, dass in der DDR weitestgehend Vollzeit, und zwar mit bis zu 48 Stunden, gearbeitet wurde, ein unheimliches Arbeitspensum!
Zwar gab es die Möglichkeit für Frauen, Erziehungsurlaub zu nehmen, zu studieren oder Weiterbildungen in Anspruch zu nehmen (sogenanntes „Frauensonderstudium“) und auch einen „Haushaltstag“ gab es pro Monat, allerdings war das Ziel dieser Bemühungen nicht, die Rolle der Frauen zu stärken, sondern die volkswirtschaftlichen Prozesse am Laufen zu halten. Bestimmt wurde all das ohnehin von Männern, denn der Zugang zu hohen politischen Führungsaufgaben und Funktionen blieb Frauen in der DDR verwehrt.
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