Göttin Kubaba vom oberen Euphrat ist in Ostbrandenburg heimisch geworden, genau wie König „Blauzahn“ von Dänemark. Im Findlingspark Henzendorf im Amt Neuzelle sind sie zu finden, und darüber hinaus noch etliche andere Zeugen der (Erd-)Geschichte. Wer sich dort umschaut, ist im wahrsten Sinne des Wortes steinreich. Etwa 125 Findlinge gilt es allein auf dem extra errichteten Geologischen Lehrpfad zu entdecken. Die ältesten stammen aus dem Präkambrium, sind 1,8 Milliarden Jahre alt. Zudem gibt es 200 weitere Gesteine, zählt man die kleineren dazu, sind es gar 300. Sie stammen beispielsweise aus dem Tagebau Jänschwalde und den Kiesgruben Vogelsang.

18 von 70 bemalten Steinen werden jetzt restauriert

Etliche Steine sind behauen, weisen interessante Reliefs auf, etwa 70 sind Anfang der 1990er-Jahre bemalt worden. Und ein paar wenige werden bald schon wieder richtig erstrahlen. „Wir lassen die erste Charge von Steinen restaurieren, ansonsten sieht man irgendwann gar nichts mehr“, sagt Ilona Weser, die Präsidentin des Landschaftspflegeverbands, der Initiator und Träger des Findlingsparks ist. Denn Wind und Wetter haben ihre Spuren hinterlassen. Die Farben sind verblasst, teilweise von Algen oder Flechten überdeckt. „Ich war total dagegen, die Steine abzukärchern“, betont Ilona Weser. Diesen Vorschlag habe es seitens der Naturparkverwaltung gegeben. „Aber ich wollte die Steine fachmännisch restaurieren lassen und bin so auf Dorothee Schmidt-Breitung zugegangen.“
Die sitzt an diesem Tag freudestrahlend und mit großem Sonnenhut neben Ilona Weser. „Wir sollen 18 Steine restaurieren. Das ist nur der Anfang. Aber es ist toll, dass das möglich ist“, sagt die Restauratorin, die seit der vergangenen Woche mit Kollegen vor Ort ist und Kunstwerke wieder zum Leben erweckt.

Ein Kärcher hätte alles zerstört

„Mit einem Kärcher hätte man das alles kaputt gemacht“, bestätigt sie. „Die Bemalung würde verschwinden, die Farbschichten sind sehr fragil.“ Zunächst wurden die Oberflächen per Hand gereinigt. „Wir haben Mose, Flechten und andere biogene Beläge vorsichtig entfernt, dann kommen die Farben wieder zum Vorschein. Jetzt wird das alles retuschiert und restauriert.“ Das sei ein ganz außergewöhnliches Projekt, findet Dorothee Schmidt-Breitung. Und es ist eins, das offensichtlich magisch anzieht. Ihre Kollegen jedenfalls seien sofort Feuer und Flamme gewesen, als sie gehört hatten, um was es geht. „Ich habe in Mexiko mal einen Stein restaurieren dürfen“, erzählt sie. „Und hier denke ich jetzt manchmal, ich bin gar nicht in Ostbrandenburg. Das ist einfach eine ganz sensationelle Landschaft.“ Zudem spiele das Wetter mit: Sonne pur, es ist trocken und es weht ein leichtes Lüftchen.

Niedersachsen machen im Findlingspark Urlaub

Hans-Jörg Diesing sieht das genauso. Der Geologe aus Hildesheim (Niedersachsen) ist seit ein paar Tagen mit seiner Frau im Findlingspark. Allerdings nicht, um zu arbeiten. „Wir machen hier Urlaub mit dem Wohnwagen.“ Vor vier Jahren seien sie schon einmal durch Zufall an diesem Fleckchen Erde gewesen – und haben sich prompt verliebt. „Für uns ist das ein magischer Ort“, sagt der Hildesheimer. „Im Regelfall ist man hier die meiste Zeit des Tages allein. Es herrscht absolute Stille. Das Ensemble, auch wenn der Wind hier durchstreift und die Gräser sich bewegen, das ist einmalig. Wir sitzen oft auf der Bank dort und schauen uns den Sonnenuntergang an. Da hört man dann sogar das Blut rauschen. Auch der Sternenhimmel ist absolut grandios. Einen Ort wie diesen findet man wirklich selten.“ Er mag, dass das alles nicht mit Schildern überfrachtet, sondern naturbelassen ist. Und gerade wenn das Wetter so gut sei wie aktuell, kämen auch immer mal Besucher.

Zivilisationsmüll weggeräumt

Leider hinterlassen manche von ihnen jede Menge Müll. „Wir haben erst einmal den Parkplatz aufgeräumt, als wir angekommen sind“, berichtet Hans-Jörg Diesing. Das Ehepaar hatte übrigens bald schon einen Mit-Camper, eine Taube. Die kam und blieb. „Wir hatten durch Zufall sogar Vogelfutter dabei“, sagt er. Im Internet habe er Kontakt zum Brieftauben-Beauftragten aufgenommen und herausgefunden, dass es sich um eine polnische Brieftaube handelt, die den Findlingspark und das Ehepaar Diesing offensichtlich ziemlich gern mag.
Ilona Weser hofft, die Hildesheimer irgendwann wieder begrüßen zu dürfen. „Wir wollen in den nächsten Jahren alle bemalten Steine restaurieren lassen“, sagt sie. „Das müssen sie sich anschauen.“ Die erste Charge hat der Verein bezahlt, nun sucht man nach Fördermöglichkeiten. Auch die Restauratorin sucht, und zwar nach historischen Bildern vom Findlingspark, auf denen die ursprüngliche Bemalung der Steine zu erkennen ist. „Das hilft uns bei der Arbeit.“

Fakten zum Findlingspark


Der 1997 begründete Findlingspark bei Henzendorf wird durch den Landschaftspflegeverband Naturpark Schlaubetal – Gubener Heide/Oder Neiße“ betrieben. Auf einer Fläche von 4 Hektar ist der Park eingerichtet. Aus Gosda II bei Forst wurden Findlinge, die hauptsächlich aus dem Tagebau Nochten stammen, nach Henzendorf transportiert. Diese Steine wurden nach historischen Vorbildern ab 1992 bearbeitet. Die Idee war die Beantwortung der Frage, inwieweit sich verschiedene Kulturen in Schrift, Symbolen und Figuren beeinflusst haben. Auf den Findlingen sind verschiedene geschichtliche Motive dargestellt. So gibt es germanische Runen- und Bildsteine, keltische Symbole und Reliefs von Hethitern.