Frühförderung: Stadt hat 106 Kita-Plätze zu viel
1005 Plätze für Kinder im Alter von null bis sechs Jahren gibt es momentan in den zwölf Kindertagesstätten in der Stadt. Die Bedarfsplanung des Landkreises Oder-Spree, als Träger der örtlichen Jugendhilfe, hat ergeben, dass 899 Plätze ausreichen, um einen Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung bedarfsgerecht zu gewährleisten. Das entspräche einer Versorgungsquote von 87 Prozent zuzüglich einer Mobilitätsreserve von fünf Prozent. Das bedeutet: In Eisenhüttenstadt gibt es zwischen dem Ist-Zustand und dem prognostizierten Platzbedarf einen Überhang an 106 Plätzen.
Die Stadt hat in ihrer eigenen Bedarfsplanung schon darauf reagiert. Die Kita Brunnenring mit 56 Plätzen sollte geschlossen werden, hieß es in dem Papier. Schon seit 2016 gibt es in der Einrichtung einen Aufnahmestopp. Allerdings hatte sich der Ausschuss für Familie und Soziales vorbehalten, sich regelmäßig darüber informieren zu lassen, wie sich die Auslastung der Kita-Plätze entwickelt, um eventuell flexibel bei der Kita Brunnenring auf erhöhte Bedarfe reagieren zu können. Kurzzeitig hat die Einrichtung in der Innenstadt sogar noch einmal einen Aufschwung genommen, wurde auf 70 Plätze erhöht, um dort die Kinder der Kita Entdeckerland aufzunehmen, deren Gebäude im Ludmilly-Hypius-Weg gerade umfassend saniert wird. Nun gehen aber endgültig die Lichter aus. „Die Kita Brunnenring wird mit einer Kapazität von 55 Plätzen zum Schuljahresende als Kita auslaufen“, sagt Katrin Fiegen, Leiterin des Fachbereiches Familie und Schule. „Die verbleibenden vier Kinder können in der Kita Kunterbunt betreut werden.“
Die dann vorhandenen Kita-Kapazitäten von 954 Plätzen, inklusive der einen Kindertagespflegestelle mit fünf Plätzen, sichert nach Einschätzung der Stadt den Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung. Trotzdem bleibt zu der Bedarfsrechnung des Landkreises eine Überkapazität von 40 Plätzen. Dass dadurch eine weitere Einrichtung zum Wackelkandidaten wird, ist aber nicht zu befürchten. Vielmehr stellt Katrin Fiegen fest: „In Abstimmung mit dem Jugendamt, den Einrichtungen in kommunaler und freier Trägerschaft können die freien Plätze zur weiteren Kapazitätsabsenkung beziehungsweise als Platzreserve dienen.“ Konkret bedeutet das: Bis 2023 können in Abstimmung mit den Einrichtungen und unter Berücksichtigung der pädagogischen Konzepte sowie der Auslastung der Einrichtungen Kapazitäten gesenkt werden.
Der Stadt hilft bei der Auslastung der Kitas, dass die auch von Kindern aus Flüchtlingsfamilien besucht werden. Im Jahr 2018 besuchten von diesen 84 Kindern im Alter von null bis sechs Jahren die Hälfte eine Einrichtung in der Stadt.
Im vergangenen Jahr waren in den sieben Kitas in kommunaler Trägerschaft und den fünf in freier und privater Trägerschaft 150 Plätze nicht belegt, 20 mehr als 2017 und 25 mehr als 2016. Die meisten freien Plätze gab es in der Kita Brunnenring, was angesichts des Aufnahmestopps nicht verwunderlich ist, sowie in den Kitas Kinderland und Kinderglück in freier Trägerschaft. Dort, wie in der Kita Entdeckerland, führen Baumaßnahmen dazu, dass Plätze nicht belegt werden.


