Fürstenberg: Die Nikolaikirche – Ein klangvolles Wahrzeichen

Mit als erstes wiederhergestellt: 41 Meter hoch ist der Turm der Nikolaikirche. 1961 erhielt er wieder seinen Ziegelhelm, 1963 folgte die Glockenweihe.
Stefan LötschWas genau im April 1945 passiert ist und an welchem Tag, das lässt sich nicht mehr genau ermitteln. Klar ist nur, dass kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Nikolaikirche in Flammen aufging und bis auf die Grundmauern niederbrannte. Erst vor 20 Jahren konnte das rekonstruierte Gotteshaus wieder eingeweiht werden, samt einer klangschönen großen Orgel. Von Freitag bis Sonntag wird das mit einem Festwochenende gefeiert.
Der ehemalige Pfarrer von Stalinstadt/Eisenhüttenstadt, Heinz Bräuer, hat sich in seinen Erinnerungen in einem kleinen Exkurs mit der Frage beschäftigt, wie es zu der Zerstörung des Fürstenberger Wahrzeichens gekommen ist. Zwar diente der Kirchturm in den letzten Kriegsmonaten als Bobachtungsposten für die Wehrmacht und wurde von sowjetischen Granatwerfern unter Beschuss genommen, wie der Historiker Günter Fromm in seinem Beitrag über die Kirchengeschichte in der Festschrift zur Wiedereinweihung des Denkmals schreibt. Bräuer verweist aber auf Zeitzeugen, mit denen er gesprochen hat, die Aussagen von Wehrmachtsoldaten bzw. von HJ-Jungen wiedergeben, die gesagt haben, dass sie den Auftrag gehabt hätten, das Gotteshaus in Brand zu setzen. Als mögliches Datum der Zerstörung wird der 23. oder 24. April 1945 genannt. Dass es nicht mehr möglich ist, die Verursacher des Brande zu nennen, liegt auch daran, dass Fürstenberg zur Festung erklärt worden war und, so Heinz Bräuer, die Bevölkerung am 3. Februar 1945 aufgefordert worden war, die Stadt zu verlassen. „Es sollen nur 29 Einwohner zu Hause gewesen sein und den Einmarsch der Roten Armee miterlebt haben“, schreibt Heinz Bräuer. Der Pfarrer macht sich auch Gedanken darüber, was Deutsche Soldaten zu solch einer sinnlosen Tat veranlasst haben könnte: „Es konnte nur wahnwitzige Zerstörungswut einiger Verzweifelter als Motiv in Frage kommen.“
Jahrzehntelanger Aufbau
Es hat Jahrzehnte gedauert, bis die Nikolaikirche vollständig wieder aufgebaut worden war. Günter Fromm fasste die Schwierigkeiten so zusammen: „Nun folgte eine prekäre Situation der anderen, bis nach 1963 gar nichts mehr ging. War Geld da, standen die Baulizenz aus. Lag die Lizenz vor, gab es keine Bezugsberechtigung für das Baumaterial und war das Material vorhanden, wurden die Arbeitskräfte woanders dringend benötigt.“
Das Gotteshaus wurde in Etappen restauriert. 1963 zum Beispiel wurden die Glocken geweiht. Den eigentlichen Bauschub und auch die finanziellen Mittel dafür gab es erst nach der Wende. Auf 4,9 Millionen DM wurden Anfang der 1990er-Jahre die Baukosten geschätzt.
Klar war, dass die Kirche auch eine Orgel erhalten sollte. Dazu entstand eine neue Empore und ein Instrument, das die Orgelbaufirma Eule errichtet hat, beides komplett aus Spenden finanziert. Der derzeitige Kantor, Lutz Matthias Müller, nennt sie die wohl größte und klangfarbenreichste Orgel in der Region. Sie ist mit ein Grund, dass es in der Nikolaikirche inzwischen einige in der Region beachtete Musikveranstaltungen und Kirchenmusik-Reihen gibt, die Lutz Matthias Müller organisiert. So dient das Gebäude nicht nur für Gottesdienste. Sie ist vor allem auch ein Wahrzeichen und weit sichtbares Denkmal für die Jahrhunderte alte Geschichte der Stadt Fürstenberg.
Überblick über den Festablauf
Das Festwochenende beginnt am Freitag mit einem Konzert, bei dem die Eule-Orgel im Mittelpunkt steht.
Im Rahmen der "Kleinen Abendmusik" spielt um 19 Uhr Daniel Clark/Wales Werke von Johann Sebastian Bach, Jean Guillou, Maurice Duruflé u.a.
Am Sonnabend steht die Chormusik im Mittelpunkt, ein weiterer Schwerpunkt im musikalischen Leben der Kirchengemeinde. Um 15 Uhr beginnt ein Chorfest in der Nikolaikirche mit Chören aus Eisenhüttenstadt und der Region. Abschluss ist am Sonntag, um 10.30 Uhr, ein Festgottesdienst, unter anderem umrahmt mit Musik von Bläsern und Chören. ⇥lö
