Fußball: Ein kleines Wunder ist nötig

Weggang und Rückkehr: Während der bisherige Kapitän Mariusz Wolbaum (rechts/im Sommer beim Turnier in Markendorf gegen Mateusz Nowaczewski/links) den Brandenburgligisten verlässt, kommt der 18-jährige hochveranlagte Johann Krüger (Mitte) nach einer Knieverletzung zurück.
michael benkEigentlich wollte sich Andreas Schmidt in seinem zweiten Jahr als Trainer des FC Eisenhüttenstadt mit den Spielern frei von allen Abstiegsnöten bewegen. Auch, um eine Vielzahl von veranlagten A-Junioren oder gerade diesem Alter entwachsenen Akteuren besser in den Männerbereich integrieren zu können.
Zwar gelang gleich zum Saisonauftakt beim Aufsteiger Blau-Weiß Petershagen-Eggersdorf ein 2:1-Sieg, doch zu Hause mussten die Anhänger bis zuletzt vergeblich auf einen Dreier warten. Immerhin war am 7. Spieltag mit dem überraschenden 3:2 beim Oberliga-Absteiger Victoria Seelow noch ein zweiter Sieg gelungen. Doch auf der Sportanlage an der Waldstraße ließ die noch in der Vorsaison zu Hause so oft überraschend stark auftrumpfende Elf so manchen Zähler liegen. Vor allem das 0:3 gegen den damaligen Tabellenletzten SV Falkensee-Finkenkrug oder das 0:4 gegen den ebenfalls in der unteren Tabellenhälfte angesiedelten FV Preussen Eberswalde (0:4) und der 1:3-Auftritt mit dem Werderaner FC Viktoria schmerzen.
Auch auswärts halfen die Eisenhüttenstädter ebenfalls um ihre Form ringende Teams wie beim 0:1 beim BSC Preußen Blankenfelde-Mahlow mit ihrer vor allem offensiv harmlosen Vorstellung wieder in den Sattel.
Die Ursachen für das schlechte Abschneiden sind vielfältig, wenngleich zum Teil auch bereits aus der Tabelle offensichtlich. Mit zehn Treffern ist es das mit Abstand offensivschwächste Team und bei 39 Gegentreffern gehören die Eisenhüttenstädter zu den drei defensivschwächsten Formationen der Brandenburgliga.
Neben verletzungsbedingten Ausfällen stand so mancher Spieler aus Gründen nicht zur Verfügung, die es oft nicht gegeben hätte, wenn das Hobby Fußball in der Freizeit jeweils an erster Stelle gestanden hätte. Insgesamt war vor allem der Ausfall von Stürmer Danny Grünberg nicht zu kompensieren. Er hatte in der Vorbereitung einen Kreuzbandriss erlitten. Mit ihm dürfte erst wieder gegen Ende der Rückrunde zu rechnen sein, obwohl der Heilungsprozess derzeit gut voranschreitet. So waren die beiden anderen für diese Liga individuell starken Offensivspieler Mariusz Wolbaum und Georges Florent Mooh Djike auf sich allein gestellt und damit das Spiel des FC Eisenhüttenstadt ausrechenbarer, wobei Mooh Djike sich ohnehin nicht durch ausgemachte Vollstreckerqualitäten auszeichnet. Doch auch Kapitän Wolbaum, der zwar bei Freistößen immer für einen Treffer gut ist, wirkte mitunter ähnlich wenig zielstrebig wie seine Mitspieler. Von denen musste Trainer Andreas Schmidt ohnehin aus Verletzungsgründen auf etliche verzichten. So erwischte es auch die aufstrebenden Tobias Perlwitz, Anton Ollesch und Johann Krüger. Doch auch die Abwehr offenbarte oft Schwächen. So Schlussmann Martin Stemmler. Zwar rettete der 29-Jährige hin und wieder einen Punkt wie in Seelow, Oranienburg oder gegen Lübben, doch noch häufiger verursachte er unnötige Gegentreffer. Zwar ist ihm hoch anzurechnen, dass er nach jahrelanger Praxis auf Kreisebene sich seit eineinhalb Jahren der Herausforderung Brandenburgliga stellt, doch regelmäßig jagt er insbesondere hinsichtlich Strafraumbeherrschung Trainern und Anhängern Schauer über den Rücken.
Ob der Vorstand hinsichtlich dieser Position für die Rückrunde noch einmal tätig werden kann, ist sehr ungewiss, da mitten in der Saison wohl kaum ein Torhüter mit Wettkampfpraxis und ohne Sperre wechselt. Tätig musste der sportliche Leiter Harry Rath ohnehin für andere Positionen werden. Da Kapitän Wolbaum die Eisenhüttenstädter in Richtung Ligakonkurrent Seelow verlässt, wurde für das Mittelfeld etwas getan. So steht der spielstarke Christian Siemund wieder zur Verfügung, der bereits in der vergangenen Rückrunde sporadisch ausgeholfen hatte. Zumindest als punktuelle Verstärkungen für die spielgestaltende Zone sind der vom polnischen Viertligisten Ilanka Rzepin gekommende Maciej Ossowski sowie der Asylsuchende Keniate Musa Said Abdullah einzuschätzen. Dazu ist mit der Rückkehr einiger Langzeitverletzter zu rechnen.
Traditionell spielte der FC Eisenhüttenstadt eine gute Hallensaison, wo er bereits seine Zugänge eingesetzt hatte. Doch was wirklich für Vorstand und Anhang zählt, sind die Punktspiele in der Rückrunde. Nach der Leistung der Hinrunde ist da allenfalls vorsichtiger Optimismus angebracht, obwohl den Eisenhüttenstädtern hin und wieder auch schon Wunder gelungen sind.
Spiele des FC Eisenhüttenstadt
Petershagen-Eggersdorf (A) 2:1, Brieselang (H) 1:1, Sachsenhausen (A) 1:5, FSV Bernau (H) 1:2, Frankfurt (A) 0:4, Neuruppin (H) 0:4, Seelow (A) 3:2, Lübben (H) 0:0, Falkensee-Finkenkrug (H) 0:3, Oranienburg (A) 1:1, Eberswalde (H) 0:4, Einheit Bernau (A) 0:6, Klosterfelde (H) 0:2, Blankenfelde (A) 0:1, Werder (H) 1:3