Fußball in Eisenhüttenstadt
: Ohne Spiele wird es langweilig

Tony Wernicke ist Kapitän des Fußball-Brandenburgligisten  FC Eisenhüttenstadt. Am 29. Februar hatte er mit seiner Mannschaft in Klosterfelde das letzte Punktspiel bestritten.
Von
Hagen Bernard
Eisenhüttenstadt
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Ist als Kapitän ein kämpferisches Vorbild: der Eisenhüttenstädter Brandenburgliga-Spieler Tony Wernicke (rechts/hier im Heimspiel gegen den Oranienburger Noah-Elias Radtke)

Bernd Pflughöft

Herr Wernicke, wie viele Kilo haben sie im vergangenen Monat zugenommen?

Ne, ne, eigentlich gar nicht. Ich mache schon öfter Sport.

Was machen Sie denn?

Ich habe neben Fußball auch noch andere Hobbys. Ich angele und spiele auch Tischtennis. Außerdem laufe ich auch noch.

Sie waren doch früher an der Sportschule, da müsste doch das Sportreiben immer noch ein Bedürfnis sein?

Ja ist es auch. Dort haben wir zweimal täglich trainiert. Wenn ich jetzt nichts machen würde, setzt das sicherlich bei mir gleich an.

Gibt es denn vom Brandenburgliga-Trainer Andreas Schmidt keine Vorgaben?

Ja, wir sollen zweimal wöchentlich etwas machen. Das sind Läufe und auch Stabilisationsübungen. So wie während der Punktspiel-Saison.

Wie lange dauern denn die Stabilisationsübungen?

So 30 bis 45 Minuten kann es schon dauern. Allerdings gehe ich es dann etwas ruhiger als im Training an.

Die Ruhe scheint ja auch als Verteidiger und eiskalter Elfmeterschütze Ihre Stärke zu sein. Wahrscheinlich sind Sie deswegen auch Kapitän.

Kann schon sein. Die Ruhe bewahren ist im Spiel schon wichtig.

Wenn Sie Ihr Gegenspieler wären, wie schätzen Sie sich ein?

Als sehr unbequem, der ein bisschen robuster als so manch anderer ist. Es gibt für meine Position schon einige gute Spieler in der Region, ich denke, ich gehöre dazu.

Woher kommen Ihre Qualitäten vom Elfmeterpunkt?

Das kann man nicht richtig trainieren. Im Training hat man ja keinen Druck. Im Spiel ist es schon etwas anderes, da weiß man nicht, wie viele Minuten noch zu spielen sind, wie wichtig er noch sein kann.

Wie kam es, dass ausgerechnet Sie die Elfmeter schießen?

Als wir damals gegen Stahl Brandenburg das Spiel um den Klassenerhalt verloren hatten, da habe ich gesagt, ich mach es. Aber Tony Raddatz wollte die Verantwortung übernehmen und verschoss. Danach habe ich zum Trainer gesagt, ich mache es, ich haue die Dinger ein. Ich glaube, das gelang mir zwölfmal in Folge. Als ich dann mal vergab, habe ich gleich zum Trainer gesagt, den nächsten haue ich wieder rein. Das hat ja auch geklappt.

Sie haben den Spitznamen Uwe. Wieso?

Wir hatten mit Tony Raddatz und Tony Jäckel noch zwei weitere Spieler mit diesem Vornamen. Immer wenn der Torwart Tony rief, haben wir uns alle drei umgedreht. So bekam ich Uwe verpasst.

Da waren sie ja selbst schuld, wenn Sie darauf reagierten. Wer war denn der Übeltäter?

Aron Eichhorn, mit dem war ich zusammen an der Sportschule war. Weil wir uns gut kannten und uns auch verstanden, habe ich darauf reagiert.

Wie oft treiben Sie in der Woche überhaupt Sport?

Na aktiv zweimal.

Sie spielen doch auch Tischtennis?

Na ja, das kann schon schweißtreibend sein. Also dreimal.

Und Angeln?

Das ist ja kein Sport. Oft bin ich an den Kiesgruben, vor den Osterwochenende wollen wir an den Coschwitzer See. Ich fahre mit zwei Kumpels hin.

Auf was für Fische sind Sie dann aus? Auf Karpfen?

Ja, ich hoffe schon, dass ich einen Karpfen an den Angelhaken bekomme.

Essen Sie auch die Fische?

Ich bin zwar kein Riesenfischfreund, aber einen Karpfen würde ich schon essen.

Zurück zum Training: Wie viele Kilometer laufen sie denn?

Das variiert. Das ist einem selbst überlassen, so wie er es gewohnt ist. Das können auch mal zehn bis 15 Kilometer sein, dann aber entspannt.

Wo laufen Sie?

Das ist unterschiedlich. Oft auch aus der Stadt raus in Richtung Diehlo und Neuzelle, mal auch in Richtung Esso-Tankstelle oder auch in Schönfließ.

Sind Sie dann allein unterwegs oder haben Sie auch einen Mannschaftskollegen, der dann mitmacht?

Jetzt bin ich meistens allein. Nur einmal habe ich mich mit Lukas Szywala getroffen, aber eigentlich mehr, um mich mit ihm auszusprechen. Der ist auch viel unterwegs, meistens läuft er in Neuzelle.

Angesichts des schlechten Tabellenplatzes müssten Sie doch ganz froh sein, wenn der Verband die Saison nicht werten würde?

Theoretisch ja. Doch als Fußballer will ich in erster Linie spielen. Ich traue uns auch zu, dass wir den Klassenerhalt sportlich schaffen. Aber so wie es jetzt mit der Corona-Krise läuft, sieht es gut aus, dass wir auch im nächsten Jahr in der Brandenburgliga spielen. Doch für die Tabellenführer ist das jetzt eher schlecht. Mal sehen, wie der Verband entscheidet.

Ich sehe Sie oft nach dem Spiel mit den Zuschauern diskutieren, Sie sind oft danach auch im Klubraum.

Ich versuche mit einem Teil der Mannschaft das Spiel auszuwerten. Auch die Zuschauer und Fans freuen sich, wenn man mit ihnen spricht.

Manndecker David Steinbeiß scheint da ganz ähnlich wie Sie zu sein. Auch er ist sehr zugänglich.

Ja, mit ihm verstehe ich mich auch sehr gut. Wir gehen zum Beispiel oft in die Sauna.

Trifft Sie denn als recht geselliger Mensch die Corona-Krise nicht besonders?

Ja, ohne Fußball ist es doch schon etwas anderes. Es läuft ja auch im Fernsehen nichts.

Und zu Hause?

Ich wohne zusammen mit meiner Freundin. Wir beide sind glücklicherweise noch nicht nicht im Homeoffice.

Zur Person

Tony Wernicke hat 1998 beim PSV Eisenhüttenstadt, dem Vorgängerverein des heutigen Landesligisten FSV Dynamo, mit dem Fußballspielen begonnen. Von Anbeginn lagen seine Stärken im defensiven Bereich. Von der 6. bis 11. Klasse lernte er auf der Sportschule in Frankfurt. Aufgrund einer Diabetes-Erkrankung brach er die leistungssportliche Laufbahn ab. Für Viktoria Frankfurt hatte er zuletzt in der Regionalliga der A-Junioren gespielt. Anschließend kehrte er nach Eisenhüttenstadt zurück und schloss sich dem Brandenburgligisten EFC Stahl an. Diesem Verein hat der 27-Jährige bislang die Treue gehalten. In der abgelaufenen Saison war er mit sieben Treffern sogar der torgefährlichste Eisenhüttenstädter Brandenburgliga-Spieler. Gelegentlich spielt er auch für das zweite Team in der Kreisoberliga und für die dritte Mannschaft in der Kreisliga Süd. Seit der vergangenen Saison ist er Kapitän des Brandenburgligisten.   ⇥hb