Geschäftsaufgabe
: Die Lindenallee in Eisenhüttenstadt wird leerer

Nachdem die Mocca-Milch-Eisbar schließen musste und Chocolata demnächst zumacht, droht das Aus des Landkostladens.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Nach 15 Jahren ist wohl Schluss: Nur ein Geschäftsnachfolger kann den Landkostladen in der Lindenallee noch retten.

Janet Neiser

Senfeier, Erbseneintopf, Quark und Kartoffeln, Gulasch – die Hausmannskost kommt bei den Kunden an. Auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Beschäftigte anderer Läden in der Magistrale sind Dauergäste im Landkostladen, der im Mai 1995 eröffnet wurde. Die Tische sind meist besetzt und die ersten Gerichte bereits kurz nach 12 Uhr ausverkauft. Viele kaufen gleich noch frische Eier sowie Backwaren und Wurst, Fleisch sowie Salate aus der Region.

Doch Ende April könnte Schluss sein mit dem Genuss. „Landkostladen in der Lindenallee wegen Geschäftsaufgabe zu verkaufen“, hieß es am Wochenende in einer Kleinanzeige. Bernd Nemack bestätigt dies am Dienstag. Er sei jetzt 70.Jahre alt. „Irgendwann ist die Zeit da“, betont er. Sicherlich wäre es schön, einen Nachfolger zu finden. Er suche auch, aber bislang ohne Erfolg. Die vier Mitarbeiter des Ladens, die teilzeitbeschäftigt sind, habe er über die Entscheidung informiert, berichtet der Mann, der einst im Kulturbereich tätig war, aber noch vor der Wende eine Umschulung zum Koch machte und  fortan frisch Zubereitetes an Konsum- und HO-Läden in der Region lieferte.

Ausgangspunkt war immer der Standort Kieselwitz, wo Nemack und seine Frau leben und kochen. Der Partyservice sei von der Geschäftsaufgabe in Eisenhüttenstadt nicht betroffen, noch nicht. Aber seine Frau werde auch irgendwann aufhören, sagt Nemack.

2005 kurz nach der Ladeneröffnung, erklärte er: „Es schmeckt einfach anders, wenn es selbst gemacht ist.  Salat vom Großmarkt oder Backwaren aus der Fabrik – „das ist nicht meine Welt“. Und damit traf er den Nerv der Kunden. Seiner Stimme am Telefon am Dienstag ist zu entnehmen, dass er sich immer noch wünscht, dass sich jemand findet, der den Laden fortführt. Doch die Hoffnung schwindet von Tag zu Tag. Der Mietvertrag laufe Ende April aus. Übrigens ist der Vermieter in diesem Teil der Lindenallee ein neuer. Seit Anfang des Jahres handele es sich um einen Berliner, ist aus mehreren Läden zu hören.

Doch zurück zum Landkostladen. „Sicherlich könnte auch ein Quereinsteiger einen solchen Laden übernehmen“, glaubt Nemack. „So etwas kann man ja lernen.“ Er hält es aber für besser, wenn ein möglicher Interessent sich bereits im Lebensmittelbereich auskennt.

Nicht nur die Kunden, die werktags die Töpfe in dem Laden leer essen werden traurig über den Rückzug des Kieselwitzers sein. Und neben den Mitarbeitern, die ihren Job verlieren, sind auch Produzenten aus der Region betroffen. Denn Bernd Nemack kauft Fleisch und Wurst bei den Kieselwitzern und bei der Agrargenossenschaft Neuzelle ein, das Brot kam vom privaten Backhaus in Fürstenberg.

Lieferanten sind traurig

„Wenn so ein Geschäft schließt, dann kann man das nicht einfach so kompensieren“, sagt Frank Matheus, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Neuzelle. Zum einen verliere man dadurch Kunden, die die eigenen Produkte kaufen. Denn diese würden nach dem Aus des Landkostladens nicht alle nach Neuzelle kommen oder in das Geschäft in der Fellertstraße. Zum anderen verliere man einen Abnehmer. Er habe mit Bernd Nemack sogar über eine mögliche Übernahme des Geschäftes gesprochen. Letztlich seien beide zu dem Schluss gekommen, dass das nicht wirtschaftlich wäre. Vor allem das Personal sei der Knackpunkt. Auch im Backhaus ist die Stimmung gedrückt: „So etwas steckt man nicht einfach weg.“

Oliver Funke, Geschäftsführer der Gebäudewirtschaft und ebenfalls Vermieter in der Lindenallee, sieht hingegen Licht am Ende des Tunnels. Zwar habe er demnächst durch das Chocolata-Aus Ende März einen Mieter weniger und auch die Zukunft der Eisbar ist offen. Alle anderen seiner Läden seien aber belegt. Und eine Geschäftsinhaberin, die fast aufhören wollte, habe sich das noch einmal überlegt.